Landhaus trifft Moderne

Typisch Landhaus: Naturmaterialien, warme Farben, nostalgisch anmutende Geräte dominieren in dieser Küche.

„Von allen möglichen Stil­richtungen, in denen sich Küchen präsentieren, haben sich der Landhaus­stil und die moderne Stadtküche als dauerhaft herausgestellt“, sagt Roman Rädnitz, Mitglied im Küchenverbund DER KREIS. Wie einvernehmlich sich beide ergänzen, beweist die Ausstellung des Berliner Küchenlandes.

Die Küche: Der Platz, wo die Tochter der Mama ihren ersten Kuss beichtet, der Papa dem Sohn Nudeln al dente beibringt, wo sich Freunde zum gemeinsamen Schnippeln und Rühren und Plaudern mit einem Gläs­chen in der Hand treffen. Vergangenheit die Zeiten, in denen die „Frankfurter Küche“ als neues Wunder galt, eine Küche, deren Planung auf dem Ehrgeiz basierte, möglichst „griff- und schrittsparend“ zu sein.


Heute ist ihre Planung alles andere als rein nutzenorientiert. Heute ist eine Küche immer nah dran am Geschehen, ist Zentrum des Hauses, Knotenpunkt der Kommunikation und Hochburg des Genusses. Und sie soll ihren Benutzern gut zu Gesicht stehen, deren Ansprüche an die eigenen vier Wände widerspiegeln. Wer da nicht bei der Theorie stehen bleiben will, sondern seine Wünsche kompromisslos ins Leben verfrachten möchte, verlässt sich am besten auf einen Küchenplaner.


Einen wie Roman Rädnitz, der vor einem Jahr mit seiner Frau Rita den Berliner Familienbetrieb Küchenland übernommen hat und der Erfolgsgeschichte des 30-jährigen Unternehmens nächste Kapitel hinzufügen möchte. „Wir planen mit unseren Kunden gern in entspannter Atmosphäre“, sagt Roman Rädnitz. Meint: Das Mitglied des Verbundes DER KREIS mag es, konzentriert, aber mit Zeit das gemeinsame Projekt voranzutreiben.


Denn ob moderne Stadt- oder Landhausküche, das Prinzip allen Nachdenkens lautet: die Küche als Teil des Wohnraumes. „Sie muss sich also stilis­tisch nahtlos in die restliche Wohnwelt einfügen“, so der Experte. An der Stelle ist genauer, geschulter Blick gefragt. Passen die Materialien zum übrigen Interieur? Wirken die typischen Landhaus-Pilaster an Ober- und Unterschränken schmü­ckend oder eher verkitscht? Sind die minimalistischen Lackfronten der modernen Kü­che zu unterkühlt für den Wohnbereich oder fügen sie sich wie ein Objekt in den Raum ein? Folgen wir Roman Rädnitz und seiner kleinen Stilschule:



Die Landhausküche


Den Landhausstil in eine Schublade zwingen zu wollen, ist aussichtslos. Das englische Cottage, die alpenländische Bauernstube oder der toskanische Landsitz – alle haben Vorlagen geliefert. Folkloristische Elemente werden attraktiv gewandelt und in moderne Landhauskonzepte integriert. Welche Stilrichtung sich für die eigenen vier Wände empfiehlt, hängt sowohl vom Haus als auch von der gesamten Einrichtung ab.

„Weniger ist da immer mehr“, lautet der Rat von Roman Rädnitz.


Statt Nostalgie im Übermaß sollten Pilaster, Kranzleisten, Verzahnungen oder verspielte Griffe mit feinem Händchen eingesetzt werden. „Moderne Interpretationen transportieren die sprichwörtliche Gemütlichkeit und wirken nicht wie ein schlechter Abklatsch. Schließlich leben die wenigsten Kunden tatsächlich in einem alten Bauernhaus mit riesiger Wohnküche“, sagt der Küchenplaner.


Viel wichtiger als stilistische Elemente an Korpus und Co. sei das haptische Empfinden, das die Materialien erzeugen. Denn die Küche des Typs „Landhaus“ steht für Werte. Familie, Gemeinschaft, Tradition. Massive Hölzer wie Eiche, gekalkte Pinie, Fichte geölt sind nur einige aus der reichen Auswahl, die diesen Ansprüchen gerecht werden. „Man sollte anstreben, dass die Küchenmaterialien mit den Wand- und Bodenbelägen harmonieren“, so Roman Rädnitz.


Weil mit dem Landhausküchen-Alltag auch das Gefühl von Zusammengehörigkeit transportiert werden soll, dürfen ein großer Ess­tisch mit bequemen Stühlen oder einer Eckbank nicht fehlen. „Gemeinsamkeit der Fami­­lie braucht Platz und Raum. Sonst geht die Emotionalität, die mit einer ländlichen Küche verbunden wird, verloren“, meint der Küchenexperte.



Die moderne Stadtküche


Die moderne Stadtküche ist stark auf Funktion ausgerichtet. „Sie muss allen technischen, professionellen, ergonomischen und ablaufop­timierten Erwartungen gerecht werden“, verlangt Roman Rädnitz. Aber sie soll auch mit Schön­­heit glänzen. Schließlich dient die moderne Stadtküche ungeniert der Repräsentation. Beeindrucken sollen denn schon der Anblick der Fronten, Türen, Klappen, Schubkäs­ten und Auszüge, aber auch Wandteile, Arbeitsflächen und Blenden wollen Anklang finden. Materialien spielen eine große Rolle: Edelstahl, Printglas, Beton oder Mineralwerkstoffe werden kühn miteinander kombiniert.


Glas oder Hochglanzlacke wirken interessant, auch weil sie den Raum, Gegenstände oder Personen spiegeln und damit ähnlich schöne Effekte schaffen wie bei Spiegelungen der Natur in Gebäuden. „Technik, die dieses Erlebnis stören könnte, verschwindet in Schränken und Arbeitsflächen. Statt sichtbarer Griffe bedient man sich Innovationen wie dem ,Servodrive‘, der Schrank oder Schublade durch Druck gegen die Front öffnet“, sagt der Küchenspezialist. Wenn denn Technik in Erscheinung tritt, dann geballt: Eine Funktionswand beherbergt alle Geräte vom Weinklimaschrank bis zum Dampfgarer.


Wegen ihrer große Flächen ­– sei es die unge­brochene Front oder die Breite der Wangen von mindestens zehn Zentimeter Stärke – sind solche Stadtküchen sehr präsent im Raum. „Vorsicht, dass die Möblierung nicht bedrückend wirkt – drumherum muss noch reichlich Luft bleiben“, warnt Roman Rädnitz. Platz fordert letztlich aber schon das Lieblingsritual, das Kochen als Event mit Freunden zu zelebrieren. Kochinseln oder Kü­chentheken sind ein Muss und ersetzen bes­tens die gedeckte Tafel.


Moderne Stadtküche oder Landhausküche unserer Tage: Ob sie zu Hochform aufläuft, hängt vom Raum, dem Interieur – und der Kreativität des Planers ab.


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