eco haus / friesenhaus 155
Ursprünglich hatten sich die Bauherren auf ein altes Bauernhaus kapriziert, aber die Aussicht, künftig mit hohen...

Fantasien haben in jedem Zimmer von Anna Lambert Platz. Puppenköpfe lugen über den Rand handgeschliffener Gläser im Flur. Ein chinesischer Arbeiter erhält seine verdiente Auszeit im Badezimmer, und ein diebischer Affe trägt den Schmuck der Hausherrin. „Ich liebe skurrile Dinge. Für mich gibt es nichts Ungemütlicheres, als in einem Raum zu sitzen, der so langweilig anzusehen ist, wie Soße aus der Tüte schmeckt“, so die ausgebildete Tänzerin und Schauspielerin.
Anna Lamberts große Liebe gilt der Gestaltung von Räumen. Sie ist immer auf der Jagd nach authentischen Stücken, die einem Zimmer oder einem Lieblingsplatz eine individuelle Aura verleihen. Stoffe, Möbel und Accessoires entfalten bei ihr zweckentfremdet und in einem völlig neuen Kontext ein eigenwilliges Leben. Unterschiedliche Farben, Materialien, stilistische Antipoden oder Größenverhältnisse prallen aufeinander, fügen sich zum selbstverständlichen Ganzen und schaffen Harmonie inmitten einer privaten Welt.
Um das richtige Stück für ihre jeweiligen Inszenierungen zu finden, scheut die Gestalterin keine Mühen. „Ich suche manchmal monatelang nach einem Spiegel, klappere dafür ausdauernd Flohmärkte und Antiquitätenhändler ab“, erzählt Anna Lambert. Weil sie weiß, dass sie für die Rennerei belohnt wird: „Ein alter Spiegel hat positive Patina, Geschichte, Wert. Das Licht wird von einem alten Stück wärmer reflektiert als von nachgemachten Scheußlichkeiten. Sie sehen sofort, dass die Präsentation authentisch ist und kein Panoptikum.“
Ihr Händchen für guten Geschmack in den vier Wänden prägt nicht nur die private Welt. Neben Theaterengagements leitete sie zusammen mit ihrer Mutter ein Münchner Einrichtungsgeschäft. Als sie nach der Scheidung von ihrem ersten Mann, einem Bühnenbildner, mit dem sie zwei Söhne hat, mit Gunther Lambert einen Neubeginn startet, bringt sie ihr Können in dessen Einrichtungshaus mit ein. Anna Lambert ist neben ihrem Mann der Kopf hinter einer ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte, die das Unternehmen Lambert zu einer Institution in der Einrichtungsbranche machte.
Gemütlichkeit, Traditon und Stil sind der Inbegriff für Landhausstil à la Lambert. Und auch das Credo von Privatperson Anna Lambert. „Ob in unserem Landhaus in Frankreich oder in der Stadtwohnung in Düsseldorf – der Landhausstil prägt unsere Domizile“, so die Weitgereiste.
Für Anna Lambert stellen das City-Leben und der Wunsch nach ländlicher Idylle keine unüberwindbaren Gegensätze dar: Da stehen edle Designklassiker wie der Eames-Chair „La Chaise“ vor einer rohen Ziegelsteinmauer und wirken wie Skulpturen im Raum. Oder sie stellt Korbmöbel selbstbewusst in ein szeniges Loft. „Erst die Unterschiede“, findet Anna Lambert, „laden ein Zimmer mit positiver Spannung auf“.
Bei ihr können Besucher immer mit etwas Unerwartetem rechnen. Farb- und Materialwahl sind gegensätzlich, ziehen sich aber an, wie die Pole eines Magneten. Holzdielen zu Eisenrohren, glänzender Edelstahl zu rostigem Blech, feinster Brokat zu Plastik, europäische Antiquitäten zu asiatischen Devotionalien. „Wir sind viel durch Asien gereist. Von dort haben wir alte Buddhas mitgebracht und die typischen Plakate, die den Arbeiter porträtieren. Die Souvenirs sind Dokumente unseres Lebens und finden selbstverständlich ihren Platz auf unserem 200 Jahre alten Landsitz.“Und eben das macht die Stilbrüche authentisch.
Stilbrüche sind keine Sünde – solange man von ihnen überzeugt ist. „Mit Möbeln ist es wie mit der Mode: Wenn man sich in die Tasche auf dem Flohmarkt unsterblich verliebt hat, trägt man sie mit stoischer Selbstverständlichkeit zum Designer-Kleid“, meint Anna Lambert. Wenn eine Statue aus dem Asien-Urlaub eine Bedeutung für den Hausherren hat, ist es egal, was Designer, Einrichter oder Freunde sagen.
Dennoch gibt es auch bei der Gestaltung von Wohnräumen Tabus. Anna Lambert: „Investieren Sie in gutes Material. Gute Stoffe etwa können durchaus verschossen sein. Sie sehen aber niemals gammelig aus, sondern gefallen durch ihre Patina.“ Außerdem passiert es schnell mal, Räume mit Accessoires zu überladen. „Ein geordnetes Chaos hat etwas sehr Sympathisches, Lebendiges. Doch zu viel wirkt wie zu viel Make-up, nämlich ganz schnell schlampig“, so die Ansicht der Einrichterin.
Am wichtigsten aber sei es, die Lust am Gestalten nicht zu verlieren. Spaß haben beim Einrichten. Frei sein von Zwängen und sich mit Liebe zu Kunst und Kreativität ausprobieren – das sind ihrer Meinung nach die Schlüssel zu geschmackvollem Wohnen. „Ich habe immer Lust, aus der Reihe zu tanzen, mich keinem Schema zu unterwerfen und damit eine unbekannte Seite meiner Persönlichkeit zu offenbaren“, sagt Anna Lambert. Und die ist in jedem ihrer Räume zu finden.