Kleines Bad, große Ideen
Manchmal geraten Bäder kleiner als gewollt. Aber es gibt diverse Tricks, selbst solche Miniräume in funktional...

Frank Lottermann und Yvonne Klemke über einen Welten-Gestalter und Lebemann, den Charme der Tradition und das Bad als letzter Ort des Alleinseins.
Dem Leib Gutes tun, um der Seele zu schmeicheln
Wie erinnern Sie Churchill?
Frank Lottermann: Als einen der ganz Großen. Imposanter Charakter. Ehrlich bis zur Grobheit. Unverbiegbar. Politiker dieses Typs sind heute ausgestorben.
Yvonne Klemke: Auf klassisch männliche Art selbstbewusst. Hier stehe ich und kann und will nicht anders. Das Muster eines Gentlemans mit sympathischen Genießerqualitäten.
Wegen des Whiskys und der Zigarre?
Frank Lottermann: Prinzipiell. Churchill gibt nicht den Lebemann, er ist so. Der stets das Format hat, seinen Gelüsten einen intellektuellen Überbau zu verschaffen. Dem Leib zu geben, um der Seele zu schmeicheln, ist ein schöner Gedanke.
Yvonne Klemke: Dass Churchill auch an den bösesten Tagen seine Genussfähigkeit und souveräne Selbstironie nie abhanden kam, mag ein bewusst erzeugter Eindruck sein – er imponiert trotzdem.
Ihre Vision von einem Bad für Churchill wirkt erstaunlich modern.
Frank Lottermann: Der Charme wahrer Klassiker besteht in eben dieser Eigenschaft – es ist die Interpretation eines Hamam, 800 Jahre alter arabischer Hochkultur des Bades. Ich hatte vor einigen Jahren in Beirut das Glück, einen echten Hamam zu erleben: Man badet nicht, man wird gebadet. Ernsthafter, tiefgründiger kann man dieses Thema nicht angehen. Der Hamam dient ja nicht nur der Körperpflege, auch der Geist will hier gereinigt werden. Der Hamam war und ist daher auch Ort des gesellschaftlichen Austauschs. Was ihn wiederum als Pendant zum englischen Gentlemen‘s Club nahelegt, wo man in guter Gesellschaft über Gott und die Welt philosophiert, Geschäfte einfädelt ...
Yvonne Klemke: Winston Churchill als Licht- und Schattenfigur findet sich auch in der Architektur „seines“ Bades wieder. Die traditionelle Lichtkuppel des Hamams ahmt das himmlische Firmament nach. Aus Churchills Zitaten und Leitwerten formt sich ein Schriftmuster in der Lichtkuppel, es filtert das Licht und füllt den Raum mit einem atmosphärischen Licht- und Schattenspiel.
Was bedeutet Ihnen privat Ihr Bad?
Frank Lottermann: Es ist neben der Küche der Raum, in den meine Frau und ich am meisten Ideen und Zeit investiert haben. Auch in der besten Partnerschaft, in der harmonischsten Familie ist das Bad als Refugium des Alleinseins wichtiger denn je. Entsprechend einladend, lustmachend sollte dieser Ort wirken. Ja, auch befreiend von allem Hässlichen und Engen. Unsere neue Dusche zum Beispiel misst 1,50 auf 1,20 Meter.
Yvonne Klemke: Dass private Bäder nicht nur größer, sondern vor allem wohnlicher werden, ist seit Längerem zu beobachten. Ich wünschte, ich hätte den Platz dafür ...
Frank Lottermann: Das Bad zum Seele-baumeln-Lassen lebt mehr denn je auch von Lichtdesign. Von klug konzipierten Beleuchtungskonzepten, die die Zeit vor und nach dem Tageslicht zum Ereignis machen.
Lesen Sie auch unser Portrait zu Winston Churchill.
Nordisk
Das Nordisk Büro beschäftigt sich mit Design und Gestaltung von Kommunikation mit dem Anspruch, Marken und Identitäten dramaturgisch und medienübergreifend zu inszenieren. Frank Lottermann (geboren 1969), Grafik-Designer, ist ddc-Mitglied und Mitgeschäftsführer des Nordisk Büros; Yvonne Klemke (geboren 1981), arbeitet dort als Innenarchitektin.