Kleines Bad, große Ideen
Manchmal geraten Bäder kleiner als gewollt. Aber es gibt diverse Tricks, selbst solche Miniräume in funktional...

Prof. Hartmut Raiser über die erste wahre „First Lady“ der Neuzeit, den glanzvollen Charme des Mondänen und zeitgemäße Bäder, die mehr sind als „der Raum am Ende des Flurs“
Was dominiert Ihr Bild von Jacqueline Kennedy?
Hartmut Raiser: Wie diese Frau auf eine aufsehenerregend selbstverständliche Art ihre Rolle als First Lady annahm. Glanzvoller, eleganter, wirksamer als jede vor ihr und nach ihr. Das neue Präsidentenpaar im Weißen Haus verkörperte alles, was sich nach den trüben und bigotten 50er-Jahren so viele erhofften: Aufbruch, Jugend, Hoffnung ...
... und die Weltmacht USA mit einem schönen, sympathischen Gesicht verbinden zu können?
Hartmut Raiser: Unbedingt. Jackie Kennedy und der Mann an ihrer Seite erlösten die große Demokratie jenseits des Ozeans von einem alten Minderwertigkeitskomplex: Jetzt hatten endlich auch die Amerikaner ihr Vorzeige-Herrscherpaar, dessen weltläufiger Eleganz sogleich alle Welt zu Füßen lag.
Mal abgesehen von dem erwartungsgeladenen Umfeld – was brachte denn die neue „Erste Dame“ mit, um sich in so atemberaubend kurzer Zeit nachhaltig als Stilikone zu profilieren?
Hartmut Raiser: Alles. Ihre Herkunft aus einer der großen, alten Ostküstenfamilien. Ihre gediegene Bildung mit naturgemäß stärkerem frankophilen Hintergrund. Ihre selbstbewusste Art, ihren Stil zu finden und zu leben. Der Präsident hatte wirklich großes Glück mit einer so vorzeigbaren und repräsentationsbegabten Frau an seiner Seite.
Sie wirkt zugleich glamourös-mondän und von mädchenhafter Eleganz ...
Hartmut Raiser: Ihre glamouröse Wirkung hatte die Substanz würdevoller Souveränität; das Gegenteil heutiger Oberflächlichkeiten. Wie ihr Mann strahlte sie die selbstbewusste Sicherheit der stets Erfolgreichen aus. Wie sie sich kleidete, wie sie die Räume des Weißen Hauses umgestaltete, galt in seiner Einfachheit wie in seiner Opulenz als schick und modern. Punkt. Von der medialen Wahrnehmung und langfristigen Wirkung her war die kurze Präsidentschaft in der Chancenverwertung genial, auch der First Lady wegen, die mit sich und den Kindern einen menschlich anrührenden privaten Touch der Machtausübung öffentlich zelebrierte.
Sie haben Ihrer Bad-Vision für Jackie Kennedy eine sinnlich-spielerische Note gegeben. Entspricht das auch Ihrer eigenen Bad- Mentalität?
Hartmut Raiser: Wir haben drei Kinder – 3, 7 und 10 Jahre alt –, meine Frau und ich sind beruflich ziemlich eingespannt. Das macht die Zeit, die sich jeder im Bad nehmen darf, kostbar. Mein Badeluxus besteht derzeit darin, morgens in Ruhe etwas ausgiebiger zu duschen.
Und abseits der Vater-Pflichten?
Hartmut Raiser: Finde ich den rasanten Aufbruch, den der Bad-Bereich gerade erlebt, wichtig und angenehm. Wie die neuen Dimensionen des Wohlbehagens hier ausgelotet werden, ist beeindruckend. Früher Reinigungs-Ort am Ende des Flurs, ist das Bad heute mit seinen Möglichkeiten als Raum der Muße, des (Es-)Sich-schön-Machens, spannender denn je.
Lesen Sie auch unser Portrait über Jackie Kennedy.
RAISERLOPES
Hartmut Raiser (geb. 1956), Architekt, Professor für Innenarchitektur an der Hochschule Darmstadt, leitet seit 1988 ein Design- und Innenarchitektur-Büro in Stuttgart, das seit Zusammenschluss mit seiner Frau Kristina Lopes als RAISERLOPES Architekten/Innenarchitekten firmiert. Schwerpunkte: Shop-Konzepte, Arbeitsräume, Showrooms, Messen, Gastronomie