Kaldewei. Stilikonen. - Teil 4: Ein Bad für Marlene Dietrich

Als Gesamtinszenierung aus Licht und eleganter Linienführung wurde Marlene Dietrich weltweit zur Stilikone.

Bei den „Stilikonen“-Bädern handelt es sich um sogenannte Talking Pieces, um räumliche Gestaltungsarbeiten rund um das Thema Bad, die je eine Geschichte erzählen. Genauer gesagt: die Geschichten ihrer potenziellen Besitzer. Personen, deren Namen und stilprägende Lebensart unvergessen sind – Ikonen wie Coco Chanel, James Bond, Marlene Dietrich und andere.

Die Patin aller Primadonnen


Lars Uwe Bleher über Unterschiede zwischen Marlene Dietrich und Madonna, Selbstdarstellungsqualitäten und faszinierende Bäder


Was fällt Ihnen zu Marlene Dietrich als Erstes ein?


Lars Uwe Bleher: Dass wir viele schemenhafte Klischees von ihr in uns herumtragen. Sie ist die schillerndste Diva einer heute fast ausgestorbenen Gattung der Unsterblichen, eigenartig geheimnisvoll, mit androgyner Anziehungskraft auf Männer wie Frauen, die sie bewusst einsetze. Sie ist die bis heute verehrte Patin aller Primadonnen, aller Schauspielerinnen und Inszenierungskünstlerinnen, die nach ihr kamen.


Was fehlt beispielsweise einer Madonna?


Lars Uwe Bleher: Das lässt sich schwer vergleichen. Madonna hat sich auf ihre Art und Weise eine ähnliche künstlerische Position erarbeitet wie Marlene. Und dabei mindestens ebenso kompromisslos ernsthaft in die Inszenierung ihrer Erscheinung investiert wie die Dietrich. Bei Marlene war der lodernde Ehrgeiz bewaffnet mit preußischer Disziplin und der Selbstbeherrschtheit einer Offizierstochter. Dekadenz gehört auch zu manch anderer Künstlerbiografie. Marlene Dietrich aber verkörperte auf der Bühne wie im Privatleben eine „kontrollierte“ Dekadenz von geradezu selbstverständlicher Noblesse. Sehen Sie sich ihre Kleider an – der Strass, die Schleppen, die elegante Linienführung. Diese Lust am Mondänen ...! Daran gemessen wirken viele Größen des 21. Jahrhunderts trivial.


Ihre Art, neue kommunikativer Räume zu ge- stalten, dürfte sich für die Idee des Bads als Bühne ideal eignen.


Lars Uwe Bleher: Richtig. Atelier Markgraph hat sich darauf spezialisiert, durch die Integration neuester Technologien adaptive Räume zu schaffen, die sich auf den Nutzer und seine Bedürfnisse einstellen. Das Bad als Ort der lustvollen privaten wie öffentlichen Selbstinszenierung ist hierfür prädestiniert. Marlene Dietrich trug ja die Wahnsinnsengen Kleider, die ihr jedes Mal auf den schlanken Leib genäht wurden, offenbar auch in privaten Stunden sehr gern. Sich vorzustellen, wie sie in einem ihrer „Sternenkleider“ vor dem raumhohen Fenster des Bads ihres Apartement-Lofts in der 44. Etage steht, ein Glas Champagner in der Hand, versonnen auf die Skyline New Yorks in der Abenddämmerung blickt, bei der richtigen Musik auf ihren Lover wartet – das hat uns zu zahlreichen Maßnahmen inspiriert, die dem Raum Glanz und Flair geben. Und dem Badenden erlauben, modernes Luxus-Verständnis in allen Facetten flexibel abzurufen.



Wie ist denn Ihr privates Badverständnis?


Lars Uwe Bleher: Ich bevorzuge angenehme Wärme unter der Brause. Was die Bauphysiker „thermische Behaglichkeit“ nennen, gehört für mich zu den wichtigsten Forderungen, die dieser Raum zu erfüllen hat. Licht ist dabei ein ganz wichtiges Element. Wenn mir die Sonne beim Baden ins Gesicht scheint, bin ich glücklich. In einer Stadtwohnung, jedenfalls in meiner, nicht zu machen. Leider. Die Aufwertung des Themas Bad ist meines Erachtens Ausdruck einer höheren Wertschätzung unserer selbst. Neue Körperlichkeit als eine Facette neuen Bewusstwerdens unseres Selbst-Werts. Wellness, Fitness, Wohnbad etc. scheinen mir dabei als Schlagworte zu dürftig, um die Faszination, die Eigenheiten und Potenzen neuer Badkonzepte zu beschreiben.


Was wäre Ihre Alternative?


Lars Uwe Bleher: Das Erleben von Schwerelosem. Wirkliches Eintauchen. Man betritt diesen Raum und fühlt sich leicht, beglückt, souverän. Eine Atmosphäre der Unbeschwertheit, zu der auch romantische Gefühle gehören.


Lesen Sie hier unser Portrait von Marlene Dietrich.


Atelier Markgraph GmbH

Prof. Lars Uwe Bleher (*1970; Foto) hat in Stuttgart und den USA Architektur studiert. Seit 2006 ist er einer der Geschäftsführer des Frankfurter Gestaltungsbüros für Kommunikation im Raum mit inzwischen 60 Mitarbeitern.


„Permanent temporär“ beschreibt die Arbeitsweise und den Anspruch von Markgraph: Gewohnte räumliche und zeitliche Gesetzmäßigkeiten aufzulösen, um Botschaften nachhaltig und mit Faszination im Gedächtnis der Betrachter zu verankern. Eine neue, interdisziplinäre Verknüpfung von Architektur und Kommunikation.


www.markgraph.de


Mehr zum Thema Moderne Badezimmer

Verwendet wurden u. a. Produkte und Materielien von Dornbracht, Agape und Catalano

Kleines Bad, große Ideen

Manchmal geraten Bäder kleiner als gewollt. Aber es gibt diverse Tricks, selbst solche Miniräume in funktional...

Badarmaturen von GROHE - Mit Ecken und Kanten

Badarmaturen - Mit Ecken und Kanten

Neue Armaturen beleben den Wellness-Gedanken im Bad mit schöner Optik und ausgefeilter Technologie. Nebenbei geben...

Zeitschrift: Mein Schönes Zuhause³ – Hier bestellbar.

Mein Schönes Zuhause³

Schöne Häuser, schöne Gärten, schöner Leben. Hatte Ihr Mann nicht versprochen, dass Sie es schön haben werden …?