Kaldewei. Stilikonen. - Teil 1: Ein Bad für James Bond

'Die Erinnerung an die futuristische 60er-Jahre-Filmarchitektur von Ken Adam wachrufen, an dessen knackige Schwarz-Weiß-Zeichnungen.' - Architekt Bernhard Franken zu seinem Entwurf

Bei den „Stilikonen“-Bädern handelt es sich um sogenannte Talking Pieces, um räumliche Gestaltungsarbeiten rund um das Thema Bad, die je eine Geschichte erzählen. Genauer gesagt: die Geschichten ihrer potenziellen Besitzer. Personen, deren Namen und stilprägende Lebensart unvergessen sind – Ikonen wie Coco Chanel, James Bond, Marlene Dietrich und andere.

"Ein Bad für James Bond" - von Bernhard Franken nach Ian Flemings Bond-Vorlage „Für Sie persönlich" von 1958


„Mühsam öffnete Bond die Augen und versuchte sich zu orientieren. Aus der in der Wand verbauten Schlafnische fiel sein Blick in eine großzügige Betonhalle. Ein aus dem zentralen Auge der speichenförmigen Deckenschale fallender heller Lichtstrahl brach sich auf der Wasseroberfläche des sich terrassenförmig abstufenden Wasserbeckens und zauberte feine Schlieren an die Wände.


Er schloss wieder die Augen und spürte seinen geschundenen Körper. Wurde er doch langsam zu alt, um aus 10.000 Metern ohne Fallschirm in einen Vulkan abzuspringen? Der durch Zuruf aktivierte Wasserfall begann das Becken mit wohltemperiertem Wasser zu füllen – wie gewohnt mit portugiesischer Olivenölemulsion als Badezusatz. Auf dem Weg vom Bett zur Dusche passierte er seine auf dem Boden liegende Smokingschleife und einen goldfarbenen Stiletto.


Zu den dumpfen Schmerzen gesellten sich nun süßere Erinnerungen an die vergangene Nacht. Nach ein paar Minuten unter dem Wasserfall kehrten die Lebensgeister zurück. Anschließend im heißen Wasser liegend, ließ er sich vom breiten Strahl des Einlaufes den Nacken massieren. Die an den Sichtschlitzen majestätisch vorbeiziehenden Hammerhaie beruhigten die aufgekratzten Nerven. Sein Blick fiel durch das zentrale Auge auf das Lichtspiel an der Unterseite der Wasseroberfläche, als ein Schatten den Ausblick verdunkelte.


Ein Blick auf dem Display in der Wand kündigte ungebetene Besucher an. Als er gerade die Walter PPK vom Glastisch nahm, spaltete die Detonation eines Torpedos das Oberlicht und hereinbrechendes Meerwasser drohte in wenigen Minuten den Raum zu füllen. Die 1,5 Tonnen schwere Tresorstahltür öffnete sich im letzten Moment, bevor das Wasser über ihm zusammenschlug. Gerade rechtzeitig, denn durch den Alarm ausgelöst, wurde die Startsequenz der Peacekeeper 4 Interkontinentalrakete aktiviert. Während er sich mit kräftigen Zügen zur Wasseroberfläche kämpfte, drehte sich im Bunker die Duschwanne und der Mehrfachsprengkopf machte sich auf den langen Marsch. Zum Glück fischte ihn die Pawlowa mit ihrem Schlauchboot auf und auf ihrem Weg zum Horizont glühte hinter ihnen der Feuerball der startenden Rakete.“


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Bernhard Franken von FRANKEN ARCHITEKTEN über Bond, dessen Bad und Räume, die eine Geschichte z

Verstehen Sie, wenn sich bei anderen der Trennungsschmerz zum Beispiel um einen Bau wie den Flughafen Berlin-Tegel nicht einstellen will?

Bernhard Franken: Die herausragenden Gebäude der 50er-/60er-Jahre sind noch nicht alt genug, dass die Allgemeinheit sie wieder gut findet. Und die sie gut finden, haben oft noch nicht die Macht, sie zu erhalten. Das ist eine Generationenfrage – meine Studenten teilen meine Liebe zur Kultur dieser Zeit.


Da passt ja Bond wie die Faust aufs Kinn.

Bernhard Franken: Dass wir mit dem „Bad für James Bond“ in der ddc/Kaldewei-Ausschreibung die uns am meisten reizende Ikone bekommen haben, animierte sofort.


Wozu?

Bernhard Franken: Die Erinnerung an die futuristische 60er-Jahre-Filmarchitektur von Ken Adam wachzurufen, an dessen knackige Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Seine Entwurfshaltung ist unserer wesensverwandt: nie gesehene Räume schaffen, die eine – ihre ganz eigene – Geschichte erzählen.


Was noch?

Bernhard Franken: Die Story ist der Anfang. Dem muss der Space folgen, die Idee von der Struktur des Raums dafür. Und Sense – Sinn und Sinnlichkeit in einem. Last not least die Transcendence, die zusätzliche Dimension, die über das Sichtbare hinausgeht.


Wie kennen Sie Kaldewei?

Bernhard Franken: Als starke Qualitätsmarke mit dem Zeug zum Mondänen und dem Potenzial einer Metabrand, die ihren Mythos verstärkt, indem sie ihn auch infrage stellt.


Ist der Touch des Mondänen wichtig?

Bernhard Franken: Für Bad-Themen schon. Eines unserer Projekte ist ein Sport-Hotel für den Deutschen Turnerbund. Die Zimmer sind eher sportlich-spartanisch. Die Bäder dagegen glamouröses Schwelgen aller Sinne, bewusst glanzvolle Belohnung für die vorausgegangene Schinderei des Körpers.


Was hat Sie und Ihr Team denn konkret zu Ihrer Bad-Vision für James Bond angeregt?

Bernhard Franken: Die Erinnerung an die cineastische Eleganz und Clandestine im Geheimdienst Ihrer Majestät.


www.franken-architekten.de


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