In der Mitte des Familienlebens – Die Küche

Die nur 4 mm starke Arbeitsfläche prägt die grifflose Landhausküche Casa (Foto: Rational)

Die Küche ist dabei, das Auto als des Deutschen liebstes Kind abzulösen. Eine repräsentative Studie hat ermittelt: Sie ist wichtigstes Ausstellungsmerkmal des deutschen Traumhauses. Diesem Trend kommen Küchenhersteller mit feinster Komfort- und Energiespartechnik entgegen, die immer wohnlicher verpackt wird – von supercool bis Landhausstil.

Die A30 ist mehr als eine Autobahn durch Ostwestfalen-Lippe. Sie ist die deutsche Küchenmeile, das Aushängeschild der Küchenmöbelhersteller.


Wer entlang dieser Route nicht seinen meist eindrucksvollen Firmensitz hat, hat sich dort mittlerweile zumindest eine repräsentative Ausstellung, neudeutsch auch Showroom genannt, geschaffen. Denn alle Jahre wieder im Herbst herrscht in der Gegend zwischen Odsnabrück, Bielefeld und Hannover der Ausnahmezustand. Autos aus allen Teilen der Republik und dem benachbarten Ausland schieben sich durch die Kleinstädte und Dörfer entlang der Autobahn. Händler aber auch Endkunden auf der Suche nach der Küche für ihr Traumhaus lassen sich die Neuheiten in den aufwendigen Inszenierungen von Hausmessen zeigen.


Trends 2014


Das Zusammenwachsen von Kochen und Wohnen und die Energieeffizienz sind ungebrochen Trend und bescheren der Branche gestalterische und technische Höhenflüge – Perfektion, soweit das Auge reicht. Holz, massiv, als Furnier oder als pflegeleichtes Laminatdekor mit Synchronpore nicht mehr von Echtholz zu unterscheiden, wird mit Akzent-Lackflächen oder Glas kombiniert. Sogar echtes Althaus recycelt der moderne Küchenbau und mixt es mit weißem Hochglanzlack zur rustikal-modernen Kücheneinrichtung (Ballerina). Weiß ist in der Küche, ganz gleich ob im Landhausstil oder als minimalistisches Koch-Labor, übrigens als Farbtrend ebenfalls ungebrochen.


Arbeitsflächen werde immer dünner und haben sich auf bis zu vier Milimeter Stärke heruntergearbeitet. Und die Unterschränke heben immer öfter vom Boden ab, lassen die gewohnten Sockel verschwinden und die Fußbodenflächen großzügig bis an die Wand fließen. -das vergrößert die Räume optisch, hat aber natürlich auch Stauraumverlust zur Folge.


Da Induktionskochfelder selbst nicht mehr heiß werden, sind bis dato gewagte Nähen von Holz oder Lack zum Herd kein großes Problem mehr. Und zu den gewagtesten Designs schwingt sich die Küche überall dort auf, wo sie mehr als Statussymbol oder Designstatement dient denn als Zubereitungsort täglicher Familienmahlzeiten. Beispiel: handgefertigte Fronten, mit Leder bespannt oder hauchdünn mit Beton oder Metallpartikeln beschichtet (Zeyko).


Im Inneren werden die Beschläge immer wichtiger; der gedämpfte Selbsteinzug ist längst Standard. Lautlos und zuverlässig reagieren sie selbst auf unbedacht oder absichtlich heftiges Schließen. Assistenzfans bewegen ihre Türen und Auszüge gar zunehmend elektrisch. Für verschieden große Partner, die gleich gern und häufig kochen, lassen sich die Arbeitsinseln per Knopfdruck elektrisch auf die ergonomisch richtige Höhe auf und ab bewegen. Immer schmaler und eleganter geben sich die Zargen von Schubfächern mit unsichtbaren Unterflurführungen (Grass), deren individuell mit edlem Holz und Alu aufteilbares Inneres zur Luxusunterkunft für Küchengeräte wird.


Peter Michels

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