Home Office: So verbinden Sie Wohnen und Arbeiten

Viele Menschen müssen nicht mehr täglich ins Büro, sie erledigen ihre Arbeit daheim.

Zu Hause arbeiten – dank Internetkommunikation eine immer häufigere Option. Viele müssen nicht mehr täglich ins Büro, sie erledigen ihre Arbeit daheim. Architekt Gerd Kallentin zeigt vom klassischen Home Office bis zur Arztpraxis Beispiele, wie sich Wohnen und Arbeiten unter einem Dach harmonisch vereinen lassen.

Der Computer hat zwar das Papier im Büro nicht überflüssig gemacht, aber er hat zumindest Aktenberge reduziert und sich diese in Form von Bits und Bytes einverleibt. „Ein funktionierendes Homeoffice mit Schreibtisch und Rechner, Regalen, einem Sessel und vielleicht noch einem Fernseher benötigt heute kaum mehr als zehn bis zwölf Quadratmeter“, erklärt Gerd Kallentin. Dann allerdings lässt sich dieser Raum wirklich nur als Arbeitszimmer, eventuell noch als Refugium zum Lesen und Fernsehen nutzen.


Option Mehrfachnutzung: Schon bei der Planung prüfen, ob der vorgesehene Arbeitsraum gelegentlich oder ständig auch für andere Zwecke genutzt werden kann. Beispielsweise als Gästezimmer.


Soll der Raum multifunktional sein oder zunächst (auch) anderen Zwecken zur Verfügung stehen, wird mehr Fläche gebraucht. Häufigste Mehrfachnutzung: Eine Schlafcouch verwandelt bei Bedarf das Arbeits- in ein Gästezimmer. Dann sollte allerdings auch Schrankraum für den Besuch eingeplant sein. Von einem extra Gästezimmer rät Gerd Kallentin meist ab: „Es steht zwar auf fast jeder Wunschliste. Aber wenn ich dann meine Auftraggeber genauer befrage, wie oft wie viele Personen zum Übernachten kommen, dann sehen sie die Baukosten für ihr Gästezimmer von rund 20.000 Euro in einem anderen Licht. Dafür könnte man Gäste monatelang in einem Spitzenhotel unterbringen ...“


Option Kinderzimmer: Immer mehr Paare planen das Arbeitszimmer so, dass es im Fall der Fälle auch als weiteres Kinderzimmer zur Verfügung steht.



Gerd Kallentin: „Zwillingsgeburten haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Nicht wenige meiner Klienten stellen sich mit einem dritten Schlafraum, der sowohl Arbeits- als auch Kinderzimmer sein kann, darauf ein.“ Eine weitere Option für späteren Platzbedarf lässt sich perfekt mit einem häufigen Wunsch seiner Kunden kombinieren: „Viele Bauherren träumen von einem Luftraum im Haus. Ich rate dazu, ihn so anzulegen, dass man ihn bei Bedarf schließen und als weiteres Zimmer nutzen kann.“ Dass ein Arbeitszimmer irgendwann zum überflüssigen Raum wird, ist nicht zu befürchten. Er kann ebenso gut als Hobby- oder Bastelraum genutzt werden.


Option offen lassen: Hobbyraum, getrennt Schlafen, Pflegehilfe unterbringen – wenn das Arbeitszimmer frei wird, gibt es viele neue Wünsche ...

Viele Paare entscheiden sich auch für getrennte Schlafzimmer, wenn sie älter werden. Oder es muss einmal eine Pflegehilfe im Haus untergebracht werden. Dann lässt sich ein Arbeitszimmer leicht umwidmen, besonders, wenn es mit einem oder mehreren daneben, darüber oder darunter liegenden Räumen zu einer Einliegerwohnung ausgebaut werden kann.


Bei der Ausgestaltung des Arbeitszimmers beobachtet Gerd Kallentin zwei Richtungen: „Es gibt einerseits einen warmen und andererseits einen eher kühlen Trend. Der warme Farbkanon geht in Richtung Honig, Creme, Nougat, ergänzt durch ein schönes Dunkelrot. Wer’s eher nüchtern liebt, wählt am häufigsten Grau, Weiß und Schwarz.“ Neben dem klassischen Homeoffice bietet ein modernes Einfamilienhaus natürlich auch Platz für größere Arbeitseinheiten mit mehreren Räumen und Publikumsverkehr.


Gerd Kallentin zeigt uns als Beispiel das Haus einer Anlageberaterin, die mit einer Mitarbeiterin und gelegentlichem Kundenverkehr in einem großzügigen Raum mit angeschlossenem Besprechungszimmer arbeitet. Für beschwerlichere Zeiten ließ die Bauherrin einen Aufzug einplanen. Der Schacht dient im Erdgeschoss als Bürogarderobe und Archiv.


„Der Eingang von außen war leider durch den Hausanschlussraum blockiert, sodass der Hauseingang gleichzeitig Privat- und Geschäftsbereich erschließen muss. Also habe ich ihn so geplant, dass sich die Diele zwischen Aufzugschacht und Bad, das dem Büro zugeordnet ist, zumindest optisch teilen lässt“, erläutert Gerd Kallentin die Lösung „Büro im Erdgeschoss”.



Auch Firmen mit Angestellten und Kundschaft integriert der Architekt geschickt ins Familiendomizil. Beispiele: eine Zahnarztpraxis und das Büro eines Immobilienmaklers. Lag bei der Gestaltung des privaten Bereichs das Augenmerk des Mediziners eher auf Bescheidenheit und Rückzug, wurde im anderen Fall mehr Wert auf Repräsentation gelegt. Folgerichtig wurde der Privatbereich des Zahnarztpaars im Dachgeschoss über der Praxis geplant, während der Makler unten residiert und oben arbeitet.


Sein fast 45 Quadratmeter großes Chefzimmer liegt im bis unter den First ausgebauten, fast vollständig verglasten Quergiebel auf der Gartenseite. Eine etwas kleinere Ausgabe dieses Quergiebels markiert zur Straßenseite hin das dank eines großzügigen Rundbogenfensters lichtdurchflutete Treppenhaus. Dieses ist ins Erd- und ins Dachgeschoss eingeschoben und erschließt beide unabhängig voneinander. Zwei weitere Büroräume von 19 und 23 Quadratmetern sowie ein geräumiges Duschbad ergänzen das Ensemble.


Später lässt es sich problemlos zu einer großzügigen Zwei- oder Dreizimmerwohnung umbauen – je nachdem, ob eine separate Wohnküche oder die Integration des Koch-Ess-Be- reichs in das Wohnzimmer gewünscht wird.


Das Raumprogramm einer Zahnarztpraxis mit Patienten und zwei Behandlungszimmern ist naturgemäß etwas größer. „Die Schwierigkeit bei der Planung war, Tageslicht bis in die Mitte der relativ großen Erdgeschoss-Grundfläche zu bekommen“, erläutert Gerd Kallentin. Er löste das Problem mit einem Lichthof in der Gebäudemitte, der über den verglasten First das erwünschte Tageslicht spendiert. Der Haupteingang ist den Patienten und der Praxis vorbehalten, während sich der Eingang zum Wohngeschoss seitlich an der Garagenauffahrt versteckt.


Auch auf der Wohnebene sorgt der Lichthof mit seinen drei Fenstern für verblüffende Wirkungen. Er flutet den innen liegenden Eingangsflur mit Tageslicht und spendiert sogar dem nach Norden gelegenen Essplatz den einen oder anderen Sonnenstrahl von Süden. Eine brillante Idee.



Tipps für die Planung des Arbeitszimmers


Im Erdgeschoss:

Optimal ist die Nähe des Hauseingangs. Eine bodentiefe Fenstertür kann bei Bedarf als separater Eingang genutzt werden.


Im Spitzboden:

Dank seines Studiocharakters eine der schönsten Optionen für einen Arbeitsraum, natürlich ohne Publikumsverkehr. Voraussetzung ist eine vollwertige Treppe.


Lärmpuffer: Zu benachbarten Kinderzimmern immer zu empfehlen, zum Beispiel durch einen Schrankraum oder ein Bad dazwischen. Alternativ hilft auch eine verstärkte Wand.


Fenster: Faustregel – ein Achtel der Grundfläche des Raums reicht als Minimum. Der Blick aus dem Fenster ist wichtig: Er hilft durch den Brennweitenwechsel bei intensiver Bildschirmarbeit gegen Ermüdung der Augen.


Tageslicht: Sollte bei Rechtshändern von links einfallen, die Zimmertür sollte sich möglichst nicht hinter dem Rücken befinden.


Größe: Für die Arbeit am PC ist ein Schreibtisch-Winkelmodell ideal; Arbeitsfläche mindestens 140 mal 80 Zentimeter. Ausreichend Regale von 40 Zentimeter Tiefe einplanen!


Grundrisse, Zeichnungen: Gerd Kallentin Text: Peter Michels

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