Gefühl für Stil: Rhythm & Blues
Woody Allen hat es in "Midnight in Paris" vorgemacht: Man beamt sich in sein goldenes Zeitalter, wann immer das ist....

Ganz oder gar nicht
„Wenn wir etwas wahrnehmen, ordnen wir diesem auch einen Sinn zu, wir erkennen etwas. Material, Farbe und Oberfläche werden erfasst, aber viel wichtiger ist der Gesamteindruck des Objektes, die symbolische Zuordnung. Das Symbol, die inhaltliche Bedeutung, tritt meist in den Vordergrund und kann über die Materialität hinweg - täuschen.“
Der Kopf sieht, nicht das Auge
„Besonders deutlich wird das Wechselspiel von Materialität (oder besser Immaterialität) und Symbol bei der Holografie-Leuchte von Ingo Maurer: Eine versteckte Halogenlichtquelle beleuchtet eine runde Hologrammfolie, die wiederum bildet eine klassische Glühbirne ab. Sie besitzt zwar das größte symbolische Gewicht, ist aber immateriell. Die tatsächlichen Materialien, der Halogenstrahler und die Folie, nehmen sich gestalterisch zurück, werden somit auch nicht bewusst wahrgenommen. An diesem Designobjekt lässt sich sehr schön erkennen, dass wir sehen, was wir begreifen: in diesem Fall die dargestellte Glühbirne, und nicht, was das Auge wahrnimmt. Was beweist: Die Bilder entstehen im Kopf, nicht im Auge.“
Der Klang der Dunkelheit
„Auch die Wahrnehmungssinne, die wir oft eher unbewusst einsetzen, die wir auch nicht punktgenau steuern oder abschalten können – der Geruchssinn oder auch das Gehör –, beeinflussen unser Wohlbefinden oder unser Handeln. Haben Sie schon einmal versucht, einen Raum akustisch wahrzunehmen? Auch über das Gehör erschließt sich die Umgebung – zum Beispiel durch die verschiedenen Materialitäten und Oberflächen: Absorbieren sie den Schall oder reflektieren sie ihn? Normalerweise konzentrieren wir uns auf die visuelle Wahrnehmung, und so fehlen uns die Aufmerksamkeit und das Training für eine spezifische akustische Orientierung.
Wenn alle visuellen Reize entfallen, beispielsweise in einer komplett dunklen Umgebung, wird das Umfeld akustisch und sensorisch erfasst, so gut es geht. Ich habe schon verschiedene ,Dunkelwelten‘, also Räume absolut ohne Licht, als Erlebniszonen entworfen und deshalb Erfahrungen im Bereich der akustischen Gestaltung. So wie wir uns optisch ein angenehmes Interieur wünschen, sollte auch der Klang der Räume gezielt bekömmlich gestaltet werden – gerade weil der akustische Raumeindruck uns unterbewusst erreicht.“
Ohne Schluckbeschwerden
„Eine besondere Bedeutung hat die akustische Gestaltung bei Bühnen, in Clubs, am Arbeitsplatz. Es geht darum, einen Raum auch akustisch zu modellieren, Zonen von Schallreflexion und -absorption zu schaffen, aber nicht darum, Räume mit Schallschluck decken zu nivellieren.“
Einer für alle
„Ob Raum oder Objekt, es sollte ein Erlebnis für die Sinne, möglichst für alle Sinne, sein.“
Heinrich Fiedeler
An dieser Stelle äußert sich ein Mitglied des Deutschen Designer Clubs zum Titelthema. Diesmal: Heinrich Fiedeler, der in Wiesbaden die Firma heinrich fiedeler Industrial Design betreibt.
Der Deutsche Designer Club e. V. ist eine Initiative, die gute Gestaltung ebenso wie gute Gestalter über die Grenzen einzelner Disziplinen hinaus mit einander verbindet. Zu den Mitgliedern des Clubs gehören Designer, Architekten, Innenarchitekten, Werber, Grafiker, Kommunikationsdesigner, Fotografen und Illustratoren. www.ddc.de