Lichtregie fürs Haus
Wie wird die Beleuchtung von Räumen ihren drei Aufgaben – Funktion, Komfort, Ambiente – gerecht? Ein Rundgang durchs...

Die neue Wohnlichkeit
Im Mittelpunkt des kulinarischen Geschehens behaupten frei stehende Kochinseln ihre tragende Rolle, um sie herum gerät jedoch alles in Bewegung. Thekenbrücken, Funktionseinheiten, Utensilien mitsamt ihrer Aufbewahrung verschwinden nach dem Akt der Speisenzubereitung hinter Fronten aus edlen, puren Materialien, wie Glas, Holz und Metall. Kochen, Essen, Spülen und sogar die Armaturen – alles begibt sich auf Kommando ins Versteck. Die Küche verwandelt sich in einen Wohnraum. Kücheninterieur wird zum Wohnmöbel.
Wohnzimmerlampen und Kronleuchter zum Dimmen übernehmen die Illumination, wenn das Arbeitslicht erlischt, und tragen bei zum gelungenen Rollentausch. Farben, Stimmungen, Themen spielen sich über Textilien und Accessoires ab. Die Inszenierung der Küche ist nicht mehr in Material gemeißelt, vielmehr klopft Unkonventionelles unüberhörbar an die Tür. Unser Wohnumfeld soll sich tageszeitlich unseren Bedürfnisse anpassen können, unsere Stimmungen unterstützen, steigern, relativieren.
Der neue Bewegungsdrang
Der italienische Küchenhersteller Schiffini beweist erneut besonderes Bewegungstalent. In Zusammenarbeit mit den Designern Alfonso Arosio und Elia Mangia, beide Dozenten am Istituto Europeo di Design, definierte man Variabilität neu. „Unser Ehrgeiz war es, eine ,magische Schachtel‘ zu entwerfen, einen Behälter, der nach Wunsch gefüllt werden kann, den typischen Bedürfnissen der Küche entgegenkommt und gleichzeitig in andere Räume des Hauses passt. Wir wollten ein vielseitiges System, das sich wie ein Chamäleon mit einer starken und zugleich schlichten Persönlichkeit allen Schiffini-Küchen anpasst.“
Tatsächlich kann dieses Chamäleon sowohl in der Küche als auch im Wohnzimmer zur Tat schreiten. Das System sieht wie eine modulare Schachtel aus, dessen Rahmen geschlossene und geöffnete Volumen enthält. Dank der Austauschbarkeit dieser Elemente vereinen sich Ordnung und Beweglichkeit. Unerschöpfliche Farb- und Materialkombinationen des „Key“-Schranksystems erfüllen Wünsche oder provozieren sie erst.
Alle Elemente sind so konzipiert, dass sie ein- und beidseitig zugänglich sind und sich deshalb als Wandkomposition oder auch Trennwände eignen. Elektrogeräte können unkompliziert integriert werden. Genau so verlangt es der wohl auffälligste Küchentrend 2010.
Die neue Romantik
Keine Entwicklung ohne Gegenströmung: Der Hightechperfektion steht die Sehnsucht nach Vertrautem und Tradiertem gegenüber. Als suchten wir die Küche aus unseren Märchenbüchern, nicht als nostalgisches Plagiat, vielmehr in subtilen Zitaten. Wie etwa die artigen Besteckschubladen im Küchentisch oder die groben Beine bei der Meson‘s- Küche in Anspielung auf die guten alten Arbeitsböcke.
Vertrautes in natürlicher Materialauswahl, die Seele wärmend: unbehandeltes Holz, weißes Porzellan, freundliche Fronten. Tradition ist wieder erlaubt, weil sie ein bisschen verschroben, aber gut dosiert und mit einer gesunden Prise Ironie daherkommt. Dieser Hang macht nicht einmal vor der legendären Wohnzimmer-Schrankwand halt. Opulente Edelholzoptik überrascht im zentralen Ausschnitt – dort, wo früher die beleuchtete Hausbar für Eierlikör und Co. Pflicht war – mit einem Küchenelement. Die Küche wird in dieser gekonnten Persiflage zum Überraschungsgast. Aber bitte mit Rädern unterm Korpus.
Die neue Gelassenheit
Zurückhaltung macht sich breit: Hightech ist nicht mehr Status, sondern folgsam der Funktion folgender Inhalt. Diese Unaufgeregtheit lässt Humor sogar in eher puristischen Küchen zu: Selbst sparsamste Armaturen gelten nur dann als akzeptabel, wenn sie versenkbar sind oder nach Dienstschluss verschwinden. Dito Dunstabzugshauben. Ihr Platz befindet sich fortan hinter Schränken und Regalen, oder sie werden gleich völlig integriert. Mittelpunkt war einmal.
Die neuen Hängeschränke
Eine erstaunliche Renaissance erfährt das Thema Hängeschränke. Mal höher, mal flacher als gewohnt, nehmen sie einen wichtigen optischen Part ein. Sie teilen und verbinden mit dem Ziel: Harmonie, Proportion, Balance. Über Kochinseln schwebt Stauraum, die Wandnutzung tritt zurück, frei stehende Einheiten dominieren den Raum. Symmetrie wird immer wieder durch Asymmetrie gebrochen, um Eintönigkeit zu vermeiden. Feste Regale mit Zubehör, verschiebbare Elemente, herausziehbare Behälter, grifflose Türen und Schubkästen, selbst in der Besteckschublade bestehen die Einsätze aus Holz und die Gewürzdosen aus Porzellan. Qualität und Akribie bis ins Detail lautet die Devise, vorbei die Zeiten blitzender Fassade mit schwächelndem Innenleben. Auch an die vielen elektrischen Küchenhelfer ist gedacht. Alles findet nach Gebrauch seinen Platz hinter ansehnlichen Oberflächen.
Die neuen Materialvorlieben
Das Generalthema der neuen Küchen lautet Aufgeräumtheit und Ruhe. Die tendenziell glatten Oberflächen in Edelstahl- oder Hochglanzoptik zeigen sich zurückgenommen in sanften Tönen wie Weiß, Creme oder Beige und bleiben selbst in gewagterem Schwarz ohne farblichen Gegenpart. Wichtig sind die Kontraste in der Materialkomposition – etwa Holz zu kühlem Stein oder glatte Bereiche zu gebürstetem Holz.
Holz ist überhaupt ein großes Thema. Die vertikalen Maserungen von Eiche oder Akazie sind ruhig, schon fast grafisch. Meist naturfarben oder hell gebeizt zu Grau, Weiß, Cognac oder Rotbraun, gern auch zu Schwarz. Feinporiges Holz schafft den haptischen Kontrast zu glänzenden Acrylfronten. In warmer Kombination Nougat zu Magnolie oder als kühlere Variante in Arktis-Weiß zu Grau oder Schwarz. Edelstahl behauptet sich als Veredler bei Sockel, Beschlag, Stütze, Fuß oder Kufe und ist darüber hinaus in Küchen mit reiner Edelstahloptik anzutreffen. Einzig hier findet man Ansätze starker leuchtender Farben. Rot, Orange oder Apfelgrün in Acryl geben den nötigen Schwung im Alltag, distanzieren sich von der Gastronomie-Küche.
Die neuen Leuchten
Die LED-Technologie (Light Emitting Diode) bietet vielfältige Möglichkeiten kreativer Lichtgestaltung. Die hohe Lebensdauer bei niedrigem Energieverbrauch macht diese Beleuchtung in der Küchenplanung schon aus ökonomischen Gründen unverzichtbar. In Kombination mit großen Esstischlampen verschwindet sie anstandslos in den Hintergrund und verrichtet ihre Arbeit. Die Stärken der LEDs: Sie sind klein, in der Lichtleistung ohne Wärmeentwicklung stark, sie verbreiten ein angenehmes und effektves Arbeitslicht. Fast alle Beleuchtungskonzepte der Küchenhersteller sehen LEDs vor. Sie lassen sich mühelos in Möbel, Leisten, Schubladen und Auszüge integrieren.