Evita Peron - Vom Spatz zum Kondor
Evita, vergöttert im Leben, vergöttert im Tod. Eine Verführerin und eine mit klarer, rascher Logik begabte...

Der Begriff „Fußballgott“ (62.000 Einträge zu diesem Stichwort bei Google) wird dann besonders gerne verwendet, wenn der gemeinte Spieler sich verletzlich und damit menschlich zeigt. „Der Fußballgott humpelt nach Hause“ lautete eine Schlagzeile nach einem Krankenhausaufenthalt David Beckhams, der durch einen Achillessehnenriss erforderlich wurde. Ausgerechnet: Die einzige Körperstelle, an der die Götter den trojanischen Helden verwundbar gemacht haben, war nun auch für den Helden der Gegenwart der Grund dafür, vom Schlachtfeld geschickt zu werden.
Peter Dörings (Fußball-)Götterbilder zeigen sie so, wie wir sie seit Sartre, Brecht und Camus kennen und sehen wollen: als Helden und gefallene Engel gleichermaßen. Er fixiert den Moment, in dem sie wie die Götter in Bert Brechts „Die guten Menschen von Sezuan“ ihre Maske fallenlassen und ihr wahres Gesicht zeigen. Verzweifelt, mahnend, sich freuend – Spiegel-Bilder des Menschen eben. Nur so können uns die Götter heute noch entgegentreten: indem sie sich uns angleichen.
Dörings Porträts sind Bildergeschichten, ähnlich wie im Schauspiel auf den dramatischen Moment reduziert. In den porträtierten Gesichtern spiegelt sich das Geschehen, das uns nur in dieser Reflektion, dadurch aber nicht minder eindrucksvoll gezeigt wird.
Es sind Gesichter wie Landschaften, camouflageartig, in Auflösung begriffen: Das Auge, der Mund, das Ohr – Flecken, geomorphe Gebilde. Und doch präzise in der Abstraktion. Aus wenigen gegenständlichen Angaben in einer dekonstruierten (Bild-) Wirklichkeit das Ganze zu sehen, das entspricht unserem Bedürfnis nach Harmonie und Sicherheit und das haben wir spätestens bei der Betrachtung kubistischer Werke auch gelernt. Abstraktion bedeutet Loslösung, Distanz, und trotzdem nehmen uns diese Gesichter gefangen. Das ist umso erstaunlicher, als sie nicht der unmittelbaren Wirklichkeit entstammen. Ähnlich wie Andy Warhol bedient sich Peter Döring der medialen Vermittlung der Realität, indem er über TV, Printmedien und Internet verbreitete Motive als Vorlagen für seine Bilder auswählt.
Dieser mediale Filter bestimmt längst unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit. Er ermöglicht uns eine Omnipräsenz. Große Screens in den Stadien gleichen für den Besucher vor Ort diesen Nachteil gegenüber dem Zuschauer vor dem Bildschirm aus. Jede Bewegung, jedes Detail wird vielfach eingefangen, der entscheidende Augenblick wird durch den jederzeit möglichen Perspektivwechsel und seine mediale Wiederholbarkeit bereits im Zeitpunkt seines Ereignens kommentiert und dadurch historisch. Das Spielfeld wird zum Modell, zum Bild unserer Welt. Das Geschehen im Stadion wird zur Metapher für Geschichte, gefangen in einer Endlosschleife: „vor dem Spiel ist nach dem Spiel“.
Dass Peter Döring dieses Geschehen nur in den Gesichtern zeigt, lässt in diesen als viel mehr aufscheinen als nur ein Porträt. Die existentielle Bedeutung des Spiels entäußert sich in Gestik und Mimik seiner Protagonisten. Um es mit einer viel zitierten Sentenz aus Schillers Briefen über die ästhetische Erziehung zu sagen „... und er [der Mensch] ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“.
Dr. Klaus Batz, Kunsthistoriker u. Kulturwissenschaftler
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Zur Person: Peter Döring
Entwerfen, schreiben, malen sind eine Einheit und Nährboden, um schöpferisch tätig zu sein. Ideen sind eine Plage, die nur dann erfolgreich bekämpft werden können, wenn man sie verwirklicht. Gestalten, schreiben, hinschauen, mit Farbe die Essenz auf das Papier bringen, aus Wörtern Sätze gestalten, das macht jeden Tag zu einem neuen Erlebnis.
Peter Döring, Jahrg. 48, lernte Dekorateur, arbeitete als Innenarchitekt im Ladenbau, gestaltete Messen und Ausstellungen für die Möbel- und Küchenindustrie. Als Designer beeinflusste er maßgeblich die Produktentwicklung in der Küchen- Zubehörindustrie.
1997 ging Döring als Aussteiger nach Spanien und machte sich dort einen Namen als Maler. 2003 Rückkehr nach Deutschland, seither ist er verantwortlich für Kommunikation und Pressearbeit für einen europäischen Verbund. Döring schrieb Fachbücher über Gestaltung und Perspektivzeichnen, verfasste Biografien und Satiren. Seine eigenwilligen Portraits von prominenten Persönlichkeiten sind im Kunstmarkt gefragt.