Fliesen: Nichts ist mehr unmöglich

Erfrischend neu, erfrischend anders – so lassen sich die aktuellen Fliesenmoden auf den Punkt bringen.

Leder, Leinen oder Gold. Minimalismus und Neobarock. Riesengroß oder winzig klein. Noch nie gab es so viele neue Fliesendekore und Formate wie heute. Noch nie so viel faszinierendes Material für kreatives Innendesign. Der Berliner Fliesenspezialist Siegfried Nolting präsentiert Ihnen aktuelle Trends, die richtig Spaß machen.

Erfrischend neu, erfrischend anders – so lassen sich die aktuellen Fliesenmoden auf den Punkt bringen. „Nachdem sich Trends jahrelang nur wiederholt haben, machen die neuen wieder richtig Spaß“, sagt Flie­sen­spezialist Siegfried Nolting, der mit seiner Firma Kerana im „Stilwerk“, dem le­gendären Berliner Designkaufhaus, zu finden ist. Der Grund für seine Be­geisterung: Kon­kur­renz aus Asien und technologischer Fortschritt haben die Branche in neuen Schwung versetzt. Ihre vielfältigen Krea­ti­on­en liefern jede Menge Zutaten für fantasievolle Gestaltungsideen.


Zauberhafte Imitate

Eine der wichtigsten Neuerungen: Es gibt kein Material mehr, das sich nicht perfekt imitieren ließe. Absoluter Newcomer: Leder. Es ist als Wandverkleidung eher aus edlen Herren-Clubs bekannt. Ein in Lederoptik ge­fliestes Bad vermittelt einen entsprechend gediegenen und überraschend wohnlichen Eindruck. Ein anderes Beispiel: Holz. „Maserung, Farbe und Oberflächenstruktur werden den natürlichen Vorbildern so täuschend echt nachempfunden, dass der Unter­schied eigentlich nur noch an den Fugen erkennbar ist“, erklärt Siegfried Nolting. Mit einer Breite von 20 Zentimetern und einer Länge von 1,20 Metern können sie wie Parkett als Schiffs­­boden verlegt werden. Zu­dem trumpfen sie mit technischen Eigen­schaften auf, die echtes Holz nicht zu bieten hat. Sie sind kratzfest und wasserun­empfindlich - und können deshalb dort eingesetzt werden, wo Eiche, Ahorn oder Bam­bus schwächeln: im Flur, in der Küche, ja, sogar im Bad auf dem Boden und rund um Wanne und Dusche.


Und im Wohnbereich? Auch hier überzeugen sie mit ihren Fähig­keiten: Dort, wo Fuß­bodenheizungen ge­wünscht werden, sind Fliesen die bessere Wahl. Denn Holz dämmt die Wärme, Fliesen nicht. Kein Wunder, dass die Kunden ihre emotionalen Vorbehalte gegen Holzfliesen inzwischen fallen lassen.



Und schließlich Metall: „In einem Fliesen­geschäft fühlt man sich mitunter wie auf einem Schrottplatz“, scherzt Siegfried Nol­ting. Rost ist in. Vor allem in Großstädten wie Berlin beobachtet der Fliesenkenner die wachsende Lust auf den morbiden Charme verwitternden Eisens, der nicht nur zum Loft-Ambiente passt. Moderne Einfamilien­haus-Architektur und Rost-Optik bilden ein spannendes Paar. Doch nicht nur Rost ist gefragt. Glatte Ti­tan-, Silber-, Gold-Oberflächen sind ebenso beste Wahl für eine auf Reduktion ausgerichtete Stilwelt. Weniger kühl wie die Metallnachbildungen, aber ebenso dezent, wirken die Stoffimitate, Fliesen in Leinen-Optik etwa, mit ihren zarten Linienstrukturen.


Schlicht versus neobarock

Zu jedem Trend gibt es immer auch einen Gegentrend. Wo auf der einen Seite strenger Minimalismus herrscht, blühen auf der anderen Seite üppige Muster auf. Fliesen vol­­ler Blüten, pralle Rosen, Ginkgo­blätter setzen hübsche Akzente in eher schlicht ge­haltenem Ambiente. Spiel­material findet die Lust an dekorativer Wand- und Boden­gestaltung gegenwärtig in ba­roc­ken Mustern. Der Neobarock darf mit Gold, Glanz und Blu­mengirlanden protzen, die in Kombi­na­tion mit schlichten Objekten und Fliesen edel, aber nicht pompös wirken.


Glanzpunkt Glas

Einer der interessantesten Trends ist die Verwendung von Glas in ungewöhnlichen Si­tuationen: als Küchenarbeitsplatte, bei Treppen, für Fliesen. Die Formate bewegen sich zwischen Mosaik und Großplatte. Glas wird mit Metall verspiegelt, antikisiert oder wasserartig aufgehellt und mit den schönsten Farben veredelt.



„Sehr oft wird Glas als Akzent zu zurückhaltenden Fliesenoberflächen verwendet", er­klärt Siegfried Nolting. „Denn der Kontrast zwischen tief endringendem Licht beim Glas und dem verweilenden Licht auf der Ober­fläche matter Fliesen ist sehr reizvoll. Au­ßer­dem bringt kein anderes Material Farben zu solcher Brillanz wie Glas.“


Extravagante Formate

Auch bei den Formaten gibt es Ent­wick­lungen. Die Technik ist mittlerweile in der Lage, immer größere, aber auch immer kleinere Teile zu produzieren. Waren vor einem Jahr 45 mal 45 Zen­timeter Standard, werden heute 60 mal 60 Zentimeter favorisiert. Vorteil der Großfliesen: Sie weiten einen Raum optisch, da nur wenige Fugen nötig sind. Allerdings stellen diese Formate hohe Anforderungen an den Fliesenleger, von Lai­en sind sie kaum in befriedigender Qua­lität zu handhaben. „In der Größe gibt es keine Grenze mehr“, sagt Siegfried Nolting.


Anders als Bau­märk­te mit ihrem auf gängige Produkte be­schränk­ten Angebot führen Fachhändler wie er inzwischen auch Feinsteinzeugfliesen von einem Meter Breite und drei Meter Länge, die nur drei Millimeter dick sind und als Wandbelag verwendet werden. Für den Fuß­boden gibt es bei ihm glasfaserarmierte Rie­sen­formate. Bis vor Kurzem galten quadratische Fliesen noch als Nonplusultra, heute sind Recht­ecke in jeder Größe gefragt – bis hin zum Mosaik. Das entsprechende Fu­gen­bild hat eine phänomenale Wirkung. Hori­zontal verlegt, strecken sie einen Raum op­tisch in die Länge. Hochkant ausgerichtet, strebt der Raum in die Höhe. Bleibt die Frage nach den Farben. Cremig oder kräftig, kein Farbton ist unmöglich, Weiß aber ungebrochen beliebt. Siegfried Nol­ting: „Weiß ist einfach der ideale Kon­trast für alles.“


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