Wohnen wie die Kennedys
Der Ostküstenstil, in dem sich Meer, Ungezwungenheit und Lebensfreude vereinen, übt seine Strahlkraft bis in unsere...

Mit welchen Materialien, Werkstoffen reagieren Designer auf den Trend, nachhaltiges, handgemachtes Design in einem Industrieland zu produzieren?
Hartmut Raiser: Als Architekt und Innenarchitekt ist man bemüht, langlebiges zu entwerfen und auch zu bauen.
Beim Bauen entstehen mit ausgesuchten Handwerkern Einzelstücke von hoher Qualität. Der bauliche Prozess wird überwacht und die Qualität garantiert. Alle am Bau beteiligten sollten diesen Prozess unterstützen. Sie sollten in ihrem Tun und Handeln professionalisiert sein.
Planer wie Handwerker sollten in ihrer Arbeit die Beständigkeit des Prozesses und die zu erwartende Alterung der verwendeten Materialien berücksichtigen und diese als positivum respektieren. Bewährte Materialien und bekannte Verarbeitungsmethoden, gute Detaillierung und ein starker kommunikativer Prozess unterstreichen die gewünschte Nachhaltigkeit des Gebäudes oder des Innenraumes.
Entgegen dem Wunsch der Industrie immer neu entwickelte Materialien zu nutzen, entscheiden wir uns in unserer Verantwortlichkeit gegenüber Bauherren und Kunden für Bewährtes. Und im Bewährten liegen unseres Erachtens noch viele Möglichkeiten Neues zu entdecken.
Worauf müssen wir uns gefasst machen in dem kommenden Jahr?
Hartmut Raiser: In Zeiten von Krise und Rezession sucht der Kunde Sicherheit im Investment und eine hohe Wirtschaftlichkeit. Ebenso verhält es sich bei persönlichen Belangen wie Wohnen. Der Bauherr erwartet auch hier Gegenleistung und Seriosität im Umgang mit seinen Wünsche und Erspartem Nachhaltigkeit, schonender Umgang mit Ressourcen, eine hohe Umweltverträglichkeit der zu verwendenden Materialien sollten im Planungsprozess unabdingbar ganz oben auf Liste stehen.
Nach Jahren des „anything goes“ wird bei Planern wie Bauherren über die wahren Qualitäten von Architektur und Innenarchitektur nachgedacht. Ging es nicht immer schon um Raum, und nur um Raum. Raum zu schaffen. Raum zu erleben, auch Raum zu inszenieren. Ohne zuviel von Dekor, zuviel Material, zu viel von plakativen Showelementen. Da tut Nachdenken gut. Und eine Reduktion, nicht im Anspruch, aber in der architektonischen Sprache kann neue und starke Entwürfe schaffen.
Wer hat da Pionierarbeit geleistet und hat den Trend schon sehr früh erkannt?
Hartmut Raiser: Wenn wir nicht bei Kaiser Hadrian, dem Erbauer des Pantheons anfangen wollen, würde man wohl zuallererst Schweizer Kollegen, allen voran den diesjährigen Pritzker-Preisträger Peter Zumthor erwähnen, der zwar überaus langsam, dafür aber sehr wohlüberlegt, fast sinnlich seine genialen Entwürfe entwickelt. Er arbeitet absolut unmodisch, nur sich und seinem Anspruch und der Bauaufgabe verpflichtet. Mit oft alten traditionellen und handwerklichen Mitteln und Methoden schafft er großartige Innenräume und Gebäude. Das Kunstmuseum in Bregenz, die Therme in Vals, der Schweizer Expo Pavillion in Hannover, die Feldkapelle in Wachendorf und die Kolumba in Köln zeugen von dieser hohen baulichen und entwerferischen Qualität.
Die besten "handgemachten" Stücke?
Hartmut Raiser: Wenn wir Ferarris nicht dazu zählen: Die Rankings im Design lesen sich wie das „Who is Who“ der Designgeschichte. Da ist alles bekannt. Der neue Star am Designfirmament wäre, neben den französichen und brasilianischen Brüderpaaren Ronan und Erwan Bourellec und Fernando und Humberto Campagna, wohl Stefan Dietz zu erwähnen, der neben "Altmeister " Konstantin Gricic die deutsche Designszene mit eigenwilligen und creativen Entwürfen überrascht. Das neueste Beispiel CH04 HOUDINI, produziert bei e15 steht hierfür Pate.
In der Architektur verschaffen sich Sanaa, bestehend aus Kazuo Sejima und Ruye Nishizawa, auch in Europa vermehrt einen Namen mit starken, aber ebenso simplen Entwürfen. Neue Namen aus Mexico, Brasilien und Argentinien lassen aufhorchen. Die Globalisierung macht auch vor Architektur nicht halt.
RAISERLOPES
"Das erweiterte Raumverständnis entwickelte sich aus Kompetenzen im Bereich Architektur und Innenarchitektur", lautete die Devise des Teams RAISERLOPES. Eine je eigene Formsprache für das Markenimage der Kunden zu finden und mit der eigenen gestalterischen Handschrift zu verbinden, ist die anspruchsvolle Aufgabe von Hartmut Raiser und seiner Partnerin und Ehefrau, der Grafikerin und Innenarchitektin Kristina Lopes. "Räume leben wesentlich von ihrer Materialität.
Das Verständnis von Materialien spielt eine bedeutende Rolle in unserer Arbeit. Essentiell ist auch die Beleuchtung – Lichtplanung mit kenntnisreicher Leidenschaft", so die mehrfach ausgezeichneten Planer. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in der Gestaltung von Shops und Showrooms etwa für Hugo Boss oder Rolf Benz. Aber auch Restaurants, Büroräume und Messepräsentationen sowie Projekte im gehobenen Wohnbereich verleihen RAISERLOPES mit ihrer Handschrift ein neues Bild (Fotos).