Design im Bauernhaus

Ein hoch moderne Küche in einem 300 Jahre alten Fachwerkhaus.

Gaby Wehling und Frank Kruner haben ihr Bauernhaus nahe Recklinghausen in Eigenarbeit von Grund auf saniert. Doch an die Küche wagte sich selbst der Hausherr – von Beruf Möbel­designer – nicht und beauftragte Rolf Pantförder, DER KREIS-Küchenspezialist, mit der Planung. Das Ergebnis: eine hochmoderne Inselküche hinter 300 Jahre altem Fachwerk.

Mittags herrscht in der spanisch-roten Küche von Gaby Wehling ein Kommen und Gehen wie auf einem Bahnhof: Nachdem die Sparkassen­an­gestellte ihren Bürotag hinter sich gebracht hat, kommt erst die siebenjährige Tochter Carina aus der Schule, danach läuft Julia (14), Tochter ihres Lebensgefährten Frank Kruner, auf. Später stößt auch der Mö­bel­designer dazu.


Alle steuern sofort den Esstisch am Herd an. „Die Tisch­lösung an der Kochstelle ist für eine berufstätige Mutter wie mich eine super Lösung: Ich kann die fertigen Mahlzeiten schnell rüberreichen und mich gleichzeitig beim Kochen mit den Kindern unterhalten“, schwärmt die Bauerstochter von ihrer neuen Ein­richtung. Und bleibt damit ganz in der Tradition des 300 Jahre alten Bau­ernhofs, in dem diese moderne Insel­küche steht. „Hier hat sich das tägliche Leben abgespielt“, so die Haus­herrin, die auf dem Hof groß geworden ist.


Drei Jahre lang hat Frank Kruner das alte Gemäuer seiner Schwiegereltern renoviert. In Eigenregie legte er die Holzbalken frei, sandstrahlte den Putz von den Wänden, ersetzte Türen und Böden. Er gab damit dem alten Hof einen neuen, zeitgemäßen und ganz individuellen Stil. So musste auch die geerbte, weiße Bauernküche mit den roten Griffen der Idee weichen. Die Küchen­planung überließ der Möbeldesigner allerdings dem „Küche 3000“-Studio von Rolf Pantförder. „Das ist nicht meine Baustelle“, scherzt er.


Für den Küchen-Fachmann aus Reckling­hausen, der Ver­­waltungsratsvorsitzender im mittelständischen Küchen­spezialisten­verbund DER KREIS ist, war der Auf­trag eine besondere Herausforderung. „Den Spa­gat zwischen dem nostalgischen Äußeren und der Rationa­lität der Einrichtung hinzukriegen war eine tolle Aufgabe“, resümiert er. Zumal Wehlings eine kla­re Vorstellung von ihrer neuen Küche hatten. Die Vorgaben: ästhetisch, gradlinig, ohne Brüche, rot und für einen vierköpfigen Haushalt praktikabel.



Nach eingehender Beratung und ausgiebiger Be­sich­­tigung der Küchen in Pantförders Studio vertrauten die Auftraggeber seinem Urteils­ver­mögen. „Herr Pantförder war der einzige Küchenplaner, der uns zu­hörte, unsere Wünsche ernst nahm und uns nichts aufdrängen wollte“, betont Kruner. Weshalb sie sich auch heute noch über die hochglänzende, spanisch-rote Insel­lösung von Poggenpohl mit den integrierten Miele-Geräten und der Granit-Arbeits­platte von Schwanebeck freuen, bei der es durchaus Grund zu zögern gab. Kruner: „Freunde warnten uns vor dem knalligen Ton, an dem man sich schnell satt sehen könnte.“


Doch durch die Variation von Lack- und Edelstahlflächen wirkt das Rot nicht erschlagend, sondern schick und edel. Und auch die Milchglasvitrinen oberhalb der Arbeitsfläche lockern das Farbbild entscheidend auf. Eine Idee des Ex­perten Pantförder, dessen Know-how hier stellvertretend für seine Küchen­kollegen wie Tochter Claudia steht, die das vor 35 Jahren vom Vater und Onkel gegründete Unternehmen Pantförder & Jorch in die Zu­kunft führt.


Dass Küchen vom Planungsexperten immer auch Uni­kate sind, die den Hausherren geradezu auf den Leib geschnitten werden, zeigt die Dunst­abzugshauben-Lö­sung im Hause Wehling eindringlich. „Eigentlich hatten wir eine von der Decke abgehängte Haube angedacht“, erzählt Frank Kruner. Doch davon riet Rolf Pantförder ab: Über der Küche wohnt Toch­ter Carina. Spielt und tobt die Grundschülerin mit ihren Freun­dinnen in ihrem Zimmer, vibriert der alte Dielenboden.


„Eine hängende Dunstab­zugshaube hätte jeden Stoß mitbekommen und sich dabei be­wegt. Irgendwann wäre die Konstruk­tion mit Sicherheit aus ihrer Veran­kerung gerissen“, so der Experte. Als Alternative bot Pant­förder seinen Kun­den eine stehende Variante der Firma Hohmeier an, bei der die Abluft durch eine Kon­struk­tion im Boden geleitet wird. „Nicht nur dass diese Dunst­ab­zugs­haube sehr gut funktioniert, sie sieht auch super aus. Es ist viel mehr ein Wohnobjekt, das dort hingehört“, schwärmt der Designer.



Auch von manch anderen Vorstellungen der Familie riet Rolf Pantförder ab. „Wir hatten uns ursprünglich eine ästhetisch schöne Zwei­hebel-Armatur ausgeguckt und nicht daran gedacht, dass diese – mit einem Topf in der einen Hand und einem Löffel in der anderen – nicht zu bedienen ist“, erzählt die Hausfrau. Darauf machte der Küchenmann aufmerksam und überzeugte von einer Ein­hebelvariante. Ebenfalls Opfer seines kritischen Auges wurde der von Gaby Wehling angedachte Jalousienschrank. „Der Einbau eines solchen Moduls hätte die klare Linie der Küchenoptik zerstört“, bestätigt die Mutter im Nachhinein den Einwand.


Darüber hinaus erfüllte Rolf Pantförder seinen Kunden allerdings jeden Wunsch: Unter der Spüle installierte er ein Auszugsystem. Statt einem Abfalleimer ist hier Platz für Reinigungsmittel und Putzlappen. Den Müll sammelt ein separater Sorter mit 40 Litern Kapazität – ausreichend für die vierköpfige Familie. Ein intelligent durchdachtes Schubladensystem bietet viel Stauraum für Töpfe, Schüsseln und die Tupperwaren-Sammlung von Gaby Wehling. Der riesige, zweitürige Kühlschrank (O + F Amana A-Line Botto­n­mount) versteckt sich hinter trendigem Milchglas im Hoch­schrank-Bereich. Dort sind ebenfalls Back­ofen und Mikrowelle auf ergonomischer Höhe platziert. Und der Kaffeeautomat von Frank Kruner.


„Zum ,Inhalt‘ der Küche hatte ich nicht viel zu sagen. Aber auf die integrierte Kaffee­ma­schine habe ich bestanden. Ein Knopf­druck, und ich habe eine frisch gebrühte Tasse vor mir stehen.“ Einziger Haken bei der Sa­che: Der Hausherr ist zur Rei­ni­gung des Geräts ver­donnert worden. Doch das ist auch die einzige Kritik, die der Familie Wehling-Kruner einfällt. Ihr einstimmiges Fazit: „Nach drei Jahren Reno­vierungs­arbeiten ist die neue Küche das i-Tüp­fel­chen in unserem Bauern­hof.“


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