Design-Show "100 % Design" in London: Zehn ausgewählte Stücke
„100% Design“, einmal im Jahr in London, ist die wichtigste britische Design-Schau mit Kreativköpfen aus aller Welt.

Der Stardesigner ist auch Vorsitzender der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel. Er will dem Kunden mit Schönheit und Originalität immer zugleich Zuverlässigkeit und Unbedenklichkeit bieten - einfach das Beste von Benz.
Im September wird Rolf Benz 70. Aus dem aktiven Geschäft hat er sich deshalb ein wenig zurückgezogen. Dennoch bleibt er präsent, berät, hat viele Funktionen und kümmert sich vor allem um die handwerkliche Berufsausbildung. Von der er überzeugt ist, dass sie auch im Informationszeitalter uneingeschränkten Stellenwert hat: der Polster-Pionier und Unternehmer aus dem schwäbischen Nagold, der Qualitäts-Mann, dessen Namen jeder dritte Deutsche kennt - Rolf Benz.
Herr Benz, worin unterscheiden sich, vom Preis mal abgesehen, billige und teure Möbel?
Rolf Benz: Besonders in vielen Details von Verarbeitung und Komfort scheidet sich Qualität von Durchschnitt, Perfektes vom Mittelmaß - oder Schlimmerem. Ein weiterer Unterscheidungspunkt ist die Ergonomie eines Möbelstücks, also die Gesundheitsdienlichkeit eines Polstermöbels. Sie können einfach Schaum in ein Sofa füllen, aber Sie können eben auch für einen ordentlichen Innenaufbau sorgen, der dem Möbel Halt und Form, seinem Nutzer anhaltenden Komfort gibt.
Die Marke Rolf Benz ist ein klares Bekenntnis zu schönem Wohnen. Wie reagiert der Qualitäts-Mann Benz auf neue Werbe-Slogans wie "Geiz ist geil"?
Rolf Benz: Gelassen. Jede Zeit hat ihre Ausdrucksformen. Slogans kommen und gehen. Sie sollen den Kunden ansprechen und - in diesem Falle - dem kleineren Geldbeutel Rechnung tragen. Das ist in Ordnung. Es ändert aber nichts daran, dass wir heute aufgeklärte Verbraucher haben mit besseren Informationsmöglichkeiten als früher. Insofern verwundert es nicht, wenn sie ihre Kaufentscheidung sorgfältiger und kompromissloser treffen. Das macht es für uns härter, aber dem stellen wir uns gern.
Kann sich der Kunde nur über einen hohen Preis Qualität ins Haus holen?
Rolf Benz: Hier müssen wir zunächst "Qualität" definieren. Sie kann offenbar nicht nur "Haltbarkeit" heißen. Da bekommt man schon für relativ wenig Geld ein gutes Möbel. Wenn Sie jedoch Komfortansprüche haben oder Verarbeitungsdetails sehen, wenn Sie klassische Formen und Modelle genießen wollen, die lange Jahre gut aussehen, müssen Sie schon nach Möbeln Ausschau halten, in die viel Sorgfalt investiert wurde.
Woran erkennen Sie auf Anhieb, dass es einem Polstermöbel an Qualität fehlt?
Rolf Benz: Bei der Sitzprobe. Da spürt man sofort, ob es eine Qualitätsstruktur hat und man auch nach zwei, drei Stunden noch gut sitzt. Schlampigkeiten und Unsauberkeiten sind untrügliche Anzeichen dafür, dass mit wenig Sorgfalt und Zeitaufwand gefertigt wurde. Glatt und schnell verarbeitete Bezüge versprechen gleichfalls kaum Freude von Dauer.
Qualität, sagen Sie, verbinde sich mit Sinnlichkeit. Ist es nicht ein bisschen pathetisch, ein totes Möbel auf eine Ebene mit, sagen wir, seiner Angebeteten zu stellen?
Rolf Benz: Nun, mit einem Polstermöbel treten Sie schon in einen körperlichen Kontakt, eine Zweier-Beziehung: Sie setzen sich rein, Sie berühren und streicheln es, es hat Arme und Füße, tatsächlich etwas Körperliches, Identifikation Stiftendes. Das allein rechtfertigt eine emotionale Begrifflichkeit. Hinzu kommt der künstlerische Charakter, der aus gelungener Form, Proportion und Ausstrahlung entsteht und ein gutes Stück zu einer Art Skulptur macht.
Manches deutet auf eine neue Lust und Liebe an einer größeren Fülligkeit von Möbeln. Zeugt das nur von wachsendem Ruhe- und Luxusbedürfnis oder von gestiegenem Imponiergehabe?
Rolf Benz: Wir sind im öffentlichen Sprachraum heute von vielen vereinfachenden Polarisierungen umgeben: zu dünn - zu dick, zu groß - zu klein, zu teuer - zu billig. Das sind Alternativen, die so oft nicht zutreffen. Nach meinem Dafürhalten haben wir zurzeit keinen neuen materialistischen Trend, sondern eher eine Haltung des "Ich kauf' nur das, was mir passt", einen Trend zur Individualität.Die Menschen entscheiden unkonventioneller, je nach Lebensumständen kurz- oder längerfristiger. Das ist auch eine Antwort auf die Demokratisierung der Gesellschaft, beginnend mit Ludwig Erhards "Wohlstand für alle" oder Willy Brandts "Lebensqualität", in der eine hedonistische Haltung zum Ausdruck kam, ein: "Macht das, was euch Spaß macht!" Dies hat zum Abbau von Konventionen beigetragen und eine ungeheure Welle ausgelöst.
Anti-Baby-Pille, zunehmende Berufstätigkeit der Frau usw. haben Lebensstrategien verändert, ebenso wie neue Mobilität und flexiblere Berufsplanung. Leute fragen sich in solcher Lage oft, können wir überhaupt den Bau eines Hauses planen, wo wir gar nicht wissen, ob wir morgen hier bleiben können? In dieser Situation sagt sich zugleich mancher: Dann kaufen wir uns wenigstens ein schönes Möbelstück, das wertvoll ist, unserem Stil und unserer Persönlichkeit entspricht, etwas, mit dem wir uns identifizieren, das uns Behaglichkeit bedeutet.
Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel wird dieses Jahr vierzig. Ihr Markenzeichen ist das goldene M. Sie sind seit 1984 ihr Vorsitzender. Was hat die DGM für den Verbraucher zum Schutz seiner Qualitätserwartungen geleistet?
Rolf Benz: Die Gütegemeinschaft hat sich weniger Fragen von Stil oder Design als vielmehr der Sicherung deutscher Qualitäts-Tradition gewidmet. Dabei haben wir immer darauf geachtet, dass Qualität nicht teuer sein muss. Die rund 100 DGM-Mitglieder, Möbelhersteller und ihre Lieferanten, haben einen großen Spielraum, damit sie auf Basis einer guten Grundqualität ihren Erzeugnissen eine individuelle, preisgerechte Qualität verschaffen.
Unsere Erfahrung: Geprüfte Qualität ist sehr viel mehr wert als eine Absichtserklärung. Erst Prüfung und Kontrolle sichern Qualität. Deshalb verlangen wir von unseren Mitgliedern nachgewiesenes Qualitätsmanagement. Auch für die ökologische Unbedenklichkeit der Produkte hat die Gütegemeinschaft Vorbildliches geleistet. Ihre Vorschriften sind so streng, dass die DGM hier unangreifbar ist. Pointiert: Deutsche Möbel sind sicherer als deutscher Kopfsalat.
Die Hälfte aller Reklamationen rührt aus ungenügender Information vor dem Möbelkauf. Woran liegt das vor allem - am bequemen Kunden, am arglistigen Hersteller oder am durchtriebenen Verkäufer?
Rolf Benz: Ausnahmen gibt's immer, Scharlatane auch. Doch im Grunde geht es seriös zu. Zum guten Ergebnis gehören einfach immer zwei. Das ist wie beim Hausbau. Wenn Sie dem Architekten lediglich sagen: Mach irgendetwas, werden Sie kaum zufrieden sein. Es geht um eine bedarfsgerechte Kaufentscheidung! Das schließt die Notwendigkeit für den Kunden ein, sich vorab zu informieren und sich klar zu werden, was er wofür wünscht.
Ich empfehle jedenfalls jedem ausdrücklich, von den sich ständig verbessernden Informationsmöglichkeiten Gebrauch zu machen - sowohl unter innenarchitektonischem Aspekt, wie ein Möbelstück in den Raum passt, als auch unter dem Blickwinkel eines abgestimmten Farbkonzepts. Leute gehen vor einem Möbelkauf gewöhnlich zu sieben, acht Händlern, eine Kaufentscheidung wird in der Regel ein Jahr lang vorbereitet.