Design-Show "100 % Design" in London: Zehn ausgewählte Stücke
„100% Design“, einmal im Jahr in London, ist die wichtigste britische Design-Schau mit Kreativköpfen aus aller Welt.

Das Atelier im Hamburger Grindelviertel hat was von einem Wallfahrtsort. Hinter der Ateliertür versammeln sich Reliquien. Zehnmal Modell „3107“, daneben angeschlagene Eier. Und gerade eingetroffen: ein Schwan, sein weißes Tuch beschmutzt und ramponiert. Auf dem Ateliertisch einer der Eggchairs mitten in einer Akupunktursitzung. So sieht es jedenfalls aus, denn akkurat halten in immer gleichem Abstand kleine Nadeln den Rücken- und den Vorderbezug an der Naht zusammen. Seelig machend dieser Ort für den, der für einen Jacobsen sein letztes Hemd geben würde
Der Hohepriester des Ateliers ist Roberto Baldi. Mit 17 Jahren erlernte er das Handwerk des Polsterers in Italien, perfektionierte es in Berlin. Irgendwann wurde ihm sein erster Eggchair zum Aufpolstern anvertraut. Der heute 43-Jährige war infiziert, tüftelte besessen daran, das Geheimnis der Form und der Verarbeitung der dänischen Designikone zu enträtseln. „Eines Nachts wachte ich auf. Ich wusste plötzlich, welche Flüssigkeit es sein muss, um die neuen Bezüge in einem Stück glatt und perfekt zum Verkleben vorzubereiten.“ Seitdem sind Jahre vergangen und eine gewisse Routine hat sich beim Restaurieren eingestellt. Heute treffen aus ganz Europa Aufträge ein. Nicht nur für den Eggchair, auch der „3107“ oder der Schwan wollen von Baldi rausgeputzt werden.
Weltweit gibt es nur elf Polsterer, die diese Kunst beherrschen. In Deutschland ist Roberto Baldi der einzige. Sogar Fritz Hansen, der Exklusiv-Hersteller für Jacobsen, schickt seine Leute in die Hamburger Bogenstraße. Heute verlassen wieder zwei Eier das Atelier. Sie leuchten frisch um die Wette. Das eine Gewand in Bibogelb, das andere in Knatschorange, beide aus Lammfell. Einen Jacobsen kann wohl kaum etwas entstellen. Jedenfalls nicht, wenn er bei Roberto Baldi in Behandlung war.
aus: TUSH Magazine www.tushmagazine.com