Der Eiermann

Der Hamburger Roberto Baldi restauriert Designklassiker wie den Eggchair von Arne Jacobsen und kleidet sie in perfekte Gewänder.

Das Ei lehnt, angeschlagen, an seiner Ateliertür. Wartet auf den Meister: Der Hamburger Roberto Baldi restauriert Designklassiker wie den Eggchair von Arne Jacobsen und kleidet sie in perfekte Gewänder.

Das Atelier im Hamburger Grindel­viertel hat was von einem Wallfahrtsort. Hin­ter der Ateliertür versammeln sich Re­li­quien. Zehnmal Modell „3107“, daneben angeschlagene Eier. Und gerade eingetroffen: ein Schwan, sein weißes Tuch be­schmutzt und ramponiert. Auf dem Atelier­tisch einer der Eggchairs mitten in einer Aku­punk­tursitzung. So sieht es jedenfalls aus, denn akkurat halten in immer gleichem Ab­stand kleine Nadeln den Rücken- und den Vorder­bezug an der Naht zusammen. See­lig­ machend dieser Ort für den, der für einen Jacobsen sein letztes Hemd geben würde …


Der Hohepriester des Ateliers ist Roberto Baldi. Mit 17 Jahren erlernte er das Hand­werk des Polsterers in Italien, perfektionierte es in Berlin. Irgendwann wurde ihm sein erster Eggchair zum Aufpolstern anvertraut. Der heute 43-Jährige war infiziert, tüftelte besessen daran, das Geheimnis der Form und der Verarbeitung der dänischen Designikone zu enträtseln. „Eines Nachts wachte ich auf. Ich wusste plötzlich, welche Flüssigkeit es sein muss, um die neuen Bezüge in einem Stück glatt und perfekt zum Verkleben vorzubereiten.“ Seitdem sind Jahre vergangen und eine gewisse Routine hat sich beim Restaurieren eingestellt. Heute treffen aus ganz Europa Aufträge ein. Nicht nur für den Eggchair, auch der „3107“ oder der Schwan wollen von Baldi rausgeputzt werden.


Weltweit gibt es nur elf Polsterer, die diese Kunst beherrschen. In Deutschland ist Roberto Baldi der einzige. Sogar Fritz Hansen, der Exklusiv-Hersteller für Jacobsen, schickt seine Leute in die Hamburger Bogenstraße. Heute verlassen wieder zwei Eier das Atelier. Sie leuchten frisch um die Wette. Das eine Gewand in Bibogelb, das andere in Knatschorange, beide aus Lammfell. Einen Jacobsen kann wohl kaum etwas entstellen. Jedenfalls nicht, wenn er bei Roberto Baldi in Behandlung war.


aus: TUSH Magazine www.tushmagazine.com


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