Das Zweitbad- nützliches Raumwunder

Diverse flache Abläufe der Firma Heiler, wie hier das Modell „High-Line“, ersetzen traditionelle Ab­lauf­gitter.

Bei der Planung oft als Stief­kind behandelt, im Alltag täglich genutzt, für Familien die morgendliche Rettung des Zeitmanage­ments. Zweitbäder mit Vollaus­stattung sind praktisch, komfortabel und gefragt. Doch was geht auf vier Qua­drat­metern? Alles!

Irgendwann und meist zu spät stellen viele Hausherren fest, dass der morgendliche An­sturm der Familie auf das Bad einen dicken Stau verursacht. Bleibt also nur das Aus­weich­­manöver auf die kleine WC-Bude, ur­sprüng­lich als Gäste-WC schnell mit eingebaut. Wä­­­re dessen Umwandlung in ein Zweit­­bad mit dem vollen Komfort von Dusche, Waschtisch und Ablagen nicht eine familienfreundliche Groß­­­­tat?


Diverse Hersteller bieten kompakte Bad-Serien an, doch die Kunst liegt in der rich­tigen Planung. Unter dem Qualitätssiegel „Aqua Cultura“ finden Kunden zu Experten mit Er­­fahrung und Know-how. Ines Tanke ist seit 2001 Bad­pla­nerin und als Aqua Cultura-Mit­glied stolz auf die Re­fe­ren­zen ihrer Bä­der­­werkstatt.


Mit welchen Vorstellungen über das Zweit­bad finden Ihre Kunden den Weg zu Ihnen?

Ines Tanke: Für ein Zweitbad braucht es viel Fantasie und das Hintergrundwissen passender Produkte. Die Grundrisse sind so unterschiedlich, dass es jedesmal eine Heraus­for­­derung ist, alles nötige Interieur zu integrieren. Wir reißen manchmal fast neue Bäder in Häusern wieder heraus, weil sie, fürs Alltags­treiben zu kurzatmig gedacht, einfach nur mit einem WC ausgestattet wurden.


Wie wird ein kleines Komplettbad so gestaltet, dass es täglich sowohl für Kinder benutzbar als auch für Gäste funktional ist?

Ines Tanke: Das ist ein Balanceakt. Es gab mal den Versuch eines „mitwachsenden“ Waschtischs eines großen deutschen Her­­stellers. Der hat sich nicht durchgesetzt. Bei Kleinkindern reicht eine Fuß­bank aus, um an die Arma­turen zu kommen. Die Spiegel da­rü­ber sollten lang sein, damit sich alle Kör­­pergrößen darin bewundern können. Auch kleine, flexible, dreh­ba­re Spie­­gel sind eine Lösung, wenn es nicht anders geht. Ganz wichtig scheinen mir Ther­­mos­­tate, die verhindern, dass Verbrü­hungs­gefahr die Dusch­­freude trübt.


Für die Klei­nen bietet die Firma Spirella viele Haken und Halter in witzigem Design. Da weiß jedes Kind: Am Delfin hängt mein Hand­­tuch. Solche Haken sollten unbedingt ge­klebt werden, damit später nicht leidige Lö­cher in den Fliesen zurückbleiben. Heu­­ti­ge Kleber halten sogar schwere Hand­­tuch­hal­ter locker aus und können trotz­­dem rück­­standslos entfernt werden.



Gibt es universale Grundregeln für die Ausstattung kleiner Räume?

Ines Tanke: Natürlich wirkt ein aufgeräumtes, modernes und sparsam eingerichtetes Bad luftiger. Entweder sehr große Fliesen mit wenig Fugen oder kleine Mosaikteilchen ge­­ben auch vier Quadratmetern Dimension. Eine Farbe sollte sich durch das ganze Bad ziehen. Naturfarben sind zeitlos und funktionieren fast immer. Ich bin kein Freund von durchgängigen Fliesen, sondern setze damit lieber Akzente. Asym­me­trische Formen lo­ckern einen kleinen Raum auf. Indirekte Be­leuch­­tung ist ein Muss für Behaglichkeit, Neon­röhren oder zen­trale De­ckenlampen sollten der Vergangenheit angehören.

Die Fir­ma Heiler bietet sehr schöne und flache Dusch­­abläufe. Durchgängige Böden wirken besonders raumweitend. Kom­­pakte WC-Anla­gen und entsprechend kleine Ar­ma­­turen für Hand­waschbecken drängen sich nicht so auf, angepasste Schränke oder eingearbeitete Ablagen in den Fliesen verstecken Schmink- und Pfle­ge­produkte geschickt. Die Liste lässt sich noch endlos verlängern.


Ist es aber nicht schwierig, ein bereits bestehendes Bad umzugestalten, ohne es komplett aufzureißen?

Ines Tanke: Genau da liegt das Problem. Oft hilft nur ein kompletter Umbau. Wie im oberen Beispiel deutlich wird, müssen Toiletten versetzt oder neue Ständer­wände eingezogen werden. Die Belohnung dafür ist dann ein doppelt so groß wirkendes Bad. Mit entsprechend hochwertiger Ausstattung wurde es schon oft zum „Erstbad“ meiner Kunden. Es ist nicht der schöne Waschtisch oder die teuerste Fliese, sondern das Wissen um Al­ter­­­­­nativen, Farbkombi­nationen, Ober­flä­chen­­­struk­turen, optische Achsen, die solch ein Raum­wunder entstehen lassen.


Mein Tipp: Setzen Sie sich vor dem Bau mit einem professionellen Badplaner zusammen, Un­wis­­sen­heit kann im Nachhinein viel Geld kosten.


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