Von Kopf bis Fuß auf Diva eingestellt ...

Marlene Dietrich 1933; Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-14627 / CC-BY-SA

Sie erschien im eng anliegenden, hautfarbenen Kleid, als lebe sie mit bestickter Haut. Sie kam im Silberglanz, in wallenden Orgien weißer Pelze: eine leibhaftige Königin des Tags wie der Nacht. Marlene Dietrich (1901-1992) war die prunkendste Erscheinung dessen, was eine Frau aus sich machen kann, umhüllt von Traum und Ruhm. Diese Mischung von Girl und Dame war einzigartig. Zu ihr gehörten vor allem das Elektrisierende ihrer Auftritte, ihr Sinn für Schnitt und Farbe ihrer Kostüme. Sie war sich selbst ihr bestes und geliebtestes Material.

Nach wie vor hören wir sie: „Ich bin von Kopf bis Fuß ...“ So sah es aus, das gewisse Etwas, das in einer einzigen Szene das lustfeindliche Jahrhundert zu Bruch gehen ließ. Ohne das Elektrisierende eines neuen, aufregenden weiblichen Wesens wäre 1930 aus dem „Blauen Engel“ nur eine Studie über die Borniertheit eines alten Schultyrannen geworden.


Die Lola der Marlene Dietrich ist noch immer ein offenes, durchsichtiges Geheimnis für jedermann. Mit Sexualität geht sie unverblümter um als alle Männer. Das macht sie ihnen mysteriös, schleierhaft, attraktiv.


Sie ist weder verworfen noch die kindlich Unschuldige. Sie lässt sich einfach nicht berühren von der Wertewelt der Männer. Wenn sie Emil Jannings als bramarbasierenden Pauker von seinen tönernen Füßen stößt, dann geschieht das beiläufig, fast unabsichtlich.

Wann immer Marlene Dietrich in ihren späteren Rollen Soldaten verführte, Staatsgeschäfte störte, ihr Vaterland verriet, wenn sie lieber einem Habenichts in die Wüste folgte, als bei einem reichen Mann zu bleiben – dann war es immer derselbe Wind der Unordnung des Lebens, der in die verknöcherten Systeme blies. Hahnenfedern, Boas, Pelze, blonde dünne Locken, Spitzen, Schleier – gegen Uniformen mit Rangabzeichen und Zylinder.


Marlene Dietrich spielte nicht das Böse, wie früher die vampirischen Frauen, sie spielte mit der Grazie des souveränen Nebenbei jene Bewegung, die Veränderung bringt. Marlene Dietrich erschien als Eros in vielerlei Gestalt. In den Armenkleidern der Huren, in den juwelenbesetzten Kostümen der Großmächtigen, in den Negliges im Boudoir, im Rausch der Pelzgarderoben, in den strengen Kostümen der Moralistin.


Als sie nach ihrer Filmkarriere lange schwieg und dann eines Tages doch wieder auf die Bühnen zurückkehrte, war sie der Star ihres eigenen Mythos. Wenn sie nun aus dem Vorhang trat, wiederbelebte sie Traumbild und Berühmtheit, und das in den fantastischsten Drapierungen, um sich auf das Schönste, Verführerischste, Ästhetischste zu zeigen.


So blieb uns das Bild vom weiblichens Faszinosum aus Anziehungskraft, Selbstsicherheit und Intelligenz, ein Wunschbild im amerikanischen Traum, der auch Europa erobert hatte.


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