John Lennon - Messias des Lebens und der Friedenslust

John Lennon

Er war der oberste Beatle, exzessiver Privatier und musikalisch predigender Klassiker der Lebens- und Friedenslust. Am Beginn seines Lebens ein schmächtiger, von bitterer Erfahrung geschlagener Junge, an dessen frühem, gewaltsamem Ende ein Genie der Musikgeschichte.

Wenn die Beatles Götter waren, dann war Lennon doch weit mehr: Gott. Gott und Bildnis, Gott und Mensch – das aber geht nicht zusammen. Sein verwirrter Mörder wollte in diesem Widerspruch Klarheit schaffen, und er schuf Klarheit mit seinen bösen Schüssen am 8. Dezember 1980 auf den Stufen des New Yorker Dakota Building.


John Lennon war ein Großkünstler, ein universeller Pop-Avantgardist, stets in Kontakt mit allen Strömungen der Zeit und doch zwischen allen Stühlen. Neu an den Beatles war jener angelsächsische Tonfall, zwischen Understatement und freundlichem Sarkasmus pendelnd, der die Popmusik so atemberaubend intelligent machte.


Am 9. Oktober 1940 war John Winston Lennon mitten in einen Bombenalarm in Liverpool hineingeboren worden. Als er ein Jahr alt ist, gibt ihn seine lebenshungrige, schöne Mutter zur Schwester, wo er aufwächst. Er weiß nicht, dass seine Mutter nur wenige Gehminuten entfernt wohnt, mit neuem Mann und neuen Kindern. Der leibhaftige Vater, ein Seefahrer, zwingt den 6-Jährigen, sich zwischen ihm und der Mutter zu entscheiden, John wählt die Mutter – die ihn erneut bei der Schwester parkt.


Erst mit 17 kommt er ihr näher, da wird sie vom Auto eines betrunkenen Polizisten getötet. Das Muster eines Albtraums. John ist laut Schulbefund desinteressiert, unbegabt, bösartig – die Eltern von Paul McCartney warnen ihren Sohn vor diesem neuen Freund. Sie tun es fast erfolgreich. In diesem „fast“ liegt der Glücksfall für die Musikgeschichte.


Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Cynthia heiratet Lennon in Gibraltar die Happening-Künstlerin Yoko Ono. Sie tritt nicht nur in Johns Leben ein, sie wirkt wie ein Katalysator, der den Zerfall der auf dem Höhepunkt stehenden Band befördert, und: Sie bringt Lennon zusehends in eine Phase der philosophischen Selbstfindung und masochistisch anmutenden Kauzigkeit.


Die Beatles werden aufgelöst, und er versucht mit demontierenden Interviews, seiner lästigen Idolstellung zu entfliehen. Mit „Bed-ins“ – mit Yoko Ono zehn Tage im Bett – glaubt er gegen den Unfrieden auf der Welt kämpfen zu können, und da die Devise „Make Love Not War!“ ihm selbst privat weitergeholfen hat, übernimmt er sie von der sonnigen Flower-Power-Bewegung San Franciscos.


Desillusioniert sinniert der Pop-Poet, umflort von der Melancholie eines enttäuschten Botschafters. Sein Jahrhundert-Song „Imagine“ freilich entwirft noch einmal die ergreifende Utopie des friedlichen Zusammenlebens. Lennon verzieht sich in sein Appartement am Central Park von New York, und erst parallel zur Produktion eines neuen Albums, „Double Fantasy“, zeigt er sich wieder in der Öffentlichkeit. Mit kurzen Haaren und im gestreiften Anzug der Wallstreet-Männer. So treffen ihn die tödlichen Schüsse. Als solle kein Mensch getötet, sondern nur ein unpassendes Erscheinungsbild aus der Welt geschafft werden.


Lennon war innerhalb der arbeitsteilig strukturierten Beatles die Cleverness. Sie stand ihm gut. Weit besser als die kragenlosen, schmalen Anzüge, die Brian Epstein der Band verschrieben hatte und in denen sie die Welt eroberte. Lennon sah darin am verkleidetsten aus. Im Erinnerungsbild rückt immer wieder alles zusammen: die Hippie-Hängerchen zu Vollbart und LSD, jenes Bed-in-Nachthemd, das Streetfighter-Barett in New York City, der Strickpullunder zur Urschrei-Therapie, das ständige Händchenhalten und Bäumepflanzen, das alles bleibt nach wie vor zusammen denkbar mit den spitzen Schuhen zur Rock-’n’-Roll-Tolle, mit der runden Sonnenbrille zur Plastic Ono Band.


Der Posterboy mit der Nickelbrille, großer Bruder und Guru, ist der zärtliche Punk und der todernste Komödiant gewesen, der verletzliche Macho und die anstrengende Überforderungsnatur. Er hat Aggressivität in Pazifismus verwandelt und den Weltbürger mit dem pantoffligen Hausmann gekoppelt – nichts ist eben denkbar ohne sein Gegenteil. John Lennon war ein Künstler, der auf unerreichte Weise sein Äußeres nach außen kehrte, konsequent von sich selbst sprach und dessen Lieder man trotz allem als Kunde von der ewig unerfüllten Hoffnung vieler hören konnte. Noch immer hören kann. Mehr ist nicht zu verlangen von einem Genie.


Mehr zum Thema Portraits von Prominenten

Evita Peron; (Copyright of image in the public domain)

Evita Peron - Vom Spatz zum Kondor

Evita, vergöttert im Leben, vergöttert im Tod. Eine Verführerin und eine mit klarer, rascher Logik begabte...

Liz Taylor als "Cleopatra"; Copyright: Impress/Hamburg

Cleopatra - Die Schlange am Schneebusen

Die Königin, die noch 2.000 Jahre nach ihrem Tod alle Welt als gekrönten, machtgierigen, durchtriebenen Vamp zu...

Mehr zum Thema Pioniere

Bad Design-Serie des DDC für Kaldewei - Ein Bad für John Lennon

Bad Design-Serie des DDC für Kaldewei - Ein Bad für John Lennon

Ein Bad für den Visionär und seine YOKO – ohne die er nicht der geworden wäre, an den wir uns heute erinnern.

Bad Design-Serie des DDC für Kaldewei - Ein Bad für Cleopatra

Bad Design-Serie des DDC für Kaldewei - Ein Bad für Cleopatra

Ein Bad für die Verführerin, die für ihre legendäre Schönheit Eselsmilch und eine Wanne für zwei brauchte...

Zeitschrift: Mein Schönes Zuhause³ – Hier bestellbar.

Mein Schönes Zuhause³

Schöne Häuser, schöne Gärten, schöner Leben. Hatte Ihr Mann nicht versprochen, dass Sie es schön haben werden …?