Evita Peron - Vom Spatz zum Kondor

Evita Peron; (Copyright of image in the public domain)

Evita, vergöttert im Leben, vergöttert im Tod. Eine Verführerin und eine mit klarer, rascher Logik begabte Politikerin. Sie war, wie der Tango, eine Emotion – eine Empfindung, die die Nation bis zum Erschaudern zwischen Hass und Liebe spaltete.

Argentiniens Volk hatte nur einen einzigen Namen für sie, aber der ist unübertreffbar: die „Unsterbliche“.


Evita Perón starb mit gerade mal 33 Jahren an Blutkrebs. Die Rockoper „Evita“ und das Lied „Don‘t cry for me Argentina“ haben sie auch außerhalb des Landes weltberühmt gemacht, aber viele Jahre durften ihre Anhänger beides offiziell nicht hören: Der Evita-Kult war politisch verpönt. Verhindern konnte ihn niemand.


Der 26. Juli, ihr Todestag, vereint jährlich alle: diejenigen, die einst, bevor sie noch „Mama“ sagen konnten, bereits „Perón“ sagen lernten; die „Grasitas“, die Arbeiter, die der Angehimmelten stets Fläschchen mit gesegnetem Wasser schickten, „damit sie nicht sterbe und Gott sie retten möge“; und die alt gewordenen „Descamisados“, wie die Peronisten sich nannten, für die Evita eine Heilige war.


Die Menge erzitterte jedes Mal, wenn Evita vom Balkon der Casa Rosada, dem Präsidentenpalast, ihre Reden hielt. Das Volk schluchzte und jubelte. Es versank in ein trauervolles Schweigen, als sie, schon vom Tod gezeichnet, sich zum letzten Mal zeigte. Aus der betroffenen Menge kamen Rufe: „Evita, wegen uns bist du krank geworden!“ Ihre letzten Worte: „Nichts von dem, was ich bin, habe oder denke, gehört mir, es gehört Perón. Ich bitte euch nur um eines: zu schwören, Perón zu verteidigen und bis zum Tode für ihn zu kämpfen.“ Großes Schauspiel. Ein Rührstück, als stünde diese Frau auf dem Balkon, den Shakespeare in „Romeo und Julia“ in die Berühmtheit schrieb.


Das kurze Leben der Evita Perón könnte ein Romancier erfunden haben. Als armes sechzehnjähriges Mädchen war sie nach Buenos Aires gekommen, vom Vater nicht anerkannt, von der Mutter verstoßen, ohne Kontakt und Bindung zu ihren sechs Geschwistern. Als Schauspielerin in kleinen Rollen schlug sie sich in der Hauptstadt durch, jung und schön – vornehme Herren kannten ihre Adresse. Begehrt war sie, geliebt wurde sie nicht.


Bis sie Juan Domingo Perón kennenlernte. Er machte die damals 26-Jährige gegen den wilden Protest der hohen Bonarenser Gesellschaft zu seiner Frau. Er erhob sie zur „primera dama“ Südamerikas, zu einer weltweit bewunderten Frau. Die zersetzende Krankheit überfiel Evita, als sie auf dem Höhepunkt nicht nur ihres Ruhms, sondern auch ihrer Schönheit war.


Wie ein Spatz war sie herumgeflogen im Leben, bis Perón sie lehrte, sich wie ein Kondor zu bewegen. Ihre Gegner verziehen ihr nie, eine „Herumtreiberin“ gewesen zu sein. Zu Galavorführungen im Colon-Theater, die Evita besuchte, schickten die Abonnenten der High Society aus Protest das Dienstpersonal.


Evita ... Modisch gekleidet, blond, lächelnd, mit Haarknoten – sie war die Mutter der Bittsteller, und in die Kassen ihrer Stiftungen flossen Millionen. Sie ließ Arbeiterhäuser bauen, Krankenhäuser, Schulen. Ihre glücklichsten Jahre, es waren freilich auch die diktatorischsten von Peróns Präsidentschaft. So wie nichts auf der Welt ohne sein Gegenteil wahr ist, so widerspiegelte das Präsidentenpaar den Grundwiderspruch zwischen humaner Zuwendung und rigidem Machtgebrauch.


Als sie ein letztes Mal vor die Öffentlichkeit tritt, ist sie eingebunden in ein Gipsgestell, bleich, auf 37 Kilogramm abgemagert. In Zeitungsannoncen hieß es: „Gott, ich biete dir mein Leben an für sie“, oder: „Unser Volk wird sterben, wenn dieser Stern erlischt“. Aufgebahrt wird sie fast nackt, ein präpariertes Objekt, zwischen den Brüsten eine kostbare Sammlung von Juwelen.


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