Die Frau an der Seite ihres Mannes

Jackie Kennedy; Copyright: Toni Frissell Collection (Library of Congress)

Jacqueline Kennedy (1929–1994): eine Mischung aus Unsicherheit und Anspruch, aus Debütantinnen-Charme und Grande-Dame-Attitüde, aus kindlicher Begeisterungsfähigkeit und einem standesgemäßen Hauch Kühle. Mit ihr zogen Jugend und Schönheit ins Weiße Haus. Amerika, demokratisch bis ins Mark, hatte endlich seine Ersatzmonarchin gefunden – und dieses Geschenk der Fügung anbeterisch angenommen.

Sie war reich, sie war schön, sie war elegant, sie war klug, sie war scheu – und sie war tragisch. Zehn Jahre lang war sie die Gemahlin von John Fitzgerald Kennedy, bis zu seiner Ermordung im November 1963. Sie gehörte der Nation, ob sie wollte oder nicht. Sie wollte nicht.


Jacqueline Lee Bouvier suchte zeit ihres Lebens nur sich selbst – und Schutz vor Bewunderern, Staunern, Hassern. Was sie niemals hinderte, vor jeder Kamera mit Grazie zu bestehen. Staunend hängt die Nation am Fernsehschirm, im Frühjahr 1962, als die First Lady einem CBS-Reporter das Weiße Haus vorführt: von ihr neu eingerichtet und doch mit unbestechlichem Perfektionismus jenen Bestimmungen von Festlichkeit folgend, wie sie der Führungsmacht der westlichen Welt entsprechen.


Auf staubigen Speichern war diese Frau herumgeklettert, um die passenden Möbel zu finden, in Fragen des Geschmacks unbeirrbar und zielsicher – bisweilen auch gnadenlos. Sie bringt Eleganz ins Weiße Haus. Unter Kennedys Vorgängern Eisenhower und Truman zum Altherrensitz geworden, macht sie es zur elegantesten Adresse des Landes. Schriftsteller und Showstars geben sich die Klinke in die Hand.


Mrs. Kennedy brilliert als Gastgeberin. Als ob sie alle Trauer stellvertretend für das Land übernehmen wolle, so souverän handelt sie vom Augenblick des Mordes an John F. Kennedy in Dallas bis zu seiner Bestattung auf dem Heldenfriedhof in Arlington: Sie trägt, für alle sichtbar, das blutbespritzte Chanel-Kostüm, als sie zehn Stunden nach dem Attentat aus dem Flugzeug steigt; sie schreitet dann, Sohn John an ihrer rechten Seite, Tochter Caroline an der linken Hand, zur dumpfen Trommel hinter dem Sarg.


Das Ritual hatte Trostverheißung zu sein – für eine Welt, die schockiert die Verwundbarkeit der mächtigsten Demokratie durch einen einzigen Todesschützen zur Kenntnis nahm. 34 Jahre alt war Jacqueline Kennedy da, und sie stand für eine Ära. Ihr Gesicht war, wie Schriftstellerin Susan Sontag schrieb, „die beständige Erinnerung an eine Zeit der Hoffnung“. Eine Freundin hatte die junge Jacqueline einmal gewarnt: „Du wirst eines Tages von deinem Podest fallen!“ Jacquelines Antwort: „Immer noch besser, als darauf zu erfrieren.“


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