Das Richtfest: Tradition für Bauherren und ihre Helfer

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Als Bauherr ist die Zeit bis zur Fertigstellung des Eigenheims mit viel Organisation, Koordination und Arbeit verbunden.

Mittlerweile bieten zahlreiche Webseiten ausführliche Informationen und Checklisten zum Thema Hausbau an, so auch bauen.de. Ein Termin, den der Bauherr organisiert und der in mancher Checkliste fehlt, ist das Richtfest. Nach Fertigstellung des Rohbaus bietet dieses Fest mit langer Tradition eine Gelegenheit, allen Handwerkern und Helfern danke für ihre Unterstützung zu sagen.


Ein Fest mit langer Tradition


Richtfeste fanden bereits im Mittelalter statt und hatten die Funktion der Danksagung, denn mehr als heute waren damals die ganze Familie, Freunde und Nachbarn beim Hausbau involviert. Zum anderen dienten sie der Begleichung offener Rechnungen, damit das Haus beim Einzug nicht mit Schulden belastet ist. Während des Richtfestes beteten die Gäste um den Schutz des Hauses vor einer Zerstörung durch Unwetter oder Feuer.


Das Richtfest findet bis heute direkt auf der Baustelle während der Arbeitszeit statt, damit alle Beteiligten daran teilnehmen können. Traditionelle Bräuche bestimmen den Ablauf:


  • Richtkranz, Richtkrone oder Richtbäumchen: Je nach Region schmücken Nachbarn, der Bauherr oder die Zimmerleute einen Kranz, eine Krone oder ein Bäumchen mit bunten Bändern und Blüten. Dies symbolisiert den Stolz des Bauherrn auf sein neues Heim. Die Zimmermänner befestigen das Bäumchen auf dem Dachfirst.
  • Der letzte Nagel: Danach fordern die Zimmerleute den Bauherrn auf, den letzten Nagel in das Gebälk zu schlagen. Landet der Nagel krumm im Holz, muss der Hausherr eine Extrarunde ausgeben. Ein absichtlich gereichter zu kleiner Hammer oder ein zu kleines Loch fördern das falsche Einschlagen.
  • Richtspruch: Der Zimmermeister übernimmt den Richtspruch. Darin lobt er zunächst den Bauherren und alle Beteiligten und bittet um Gottes Segen für dieses Haus. Im Anschluss prosten sich alle zu und der Redner wirft sein Glas entweder zu Boden oder gegen die Giebelwand. Scherben bringen Glück.
  • Festschmaus: Niemand erwartet ein luxuriöses Menü bei einem Richtfest. Eine ausreichende Getränkeauswahl mit Bier und alkoholfreien Getränken sowie eine bodenständige Verpflegung wie Grillsteaks und Salate sind richtig für diesen Anlass. Dazu passen Biertischgarnituren und Papiertischdecken. Für ausreichend Geschirr, Besteck und Mülltüten sorgt der Gastgeber ebenfalls.

Vor dem Richtfest: Das ist zu beachten


Sobald ein Termin feststeht, lädt der Bauherr seine Gäste zum Richtfest ein. Dazu gehören Handwerker und Helfer – auch die, die erst später zum Einsatz kommen. Des Weiteren lädt man den Architekten, Kreditgeber, Notar und Bauleiter ein. Bei besonderem Einsatz für das Bauvorhaben heißen einige Bauherren auch Mitarbeiter aus dem Bürgermeister- oder Bauamt willkommen, manche sogar den Bürgermeister höchstpersönlich. Natürlich freuen sich Familie, Freunde und die neuen Nachbarn über eine Einladung zur Feier.


Bei schönem Wetter findet das Richtfest vor dem Rohbau statt, bei schlechtem Wetter darin. Vor Beginn des Festes kümmert sich der Gastgeber um die Absperrung von Gefahrenstellen und verhängt Fenster- und Türöffnungen mit Plastikfolien, um Zugluft zu vermeiden. Heizlüfter, Kerzen und Lampen helfen, die Räume zu erwärmen. So kann einem gelungenen Richtfest nichts mehr im Wege stehen.


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