Christiane Paul im Portrait

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Christiane Paul: Eine ausgebildete Medizinerin auf erfolgreichem Weg – sie kommt aus der Heilkunst und fand ihr Heil in der Kunst.

Es gäbe Tage, hat sie einmal gesagt, da wäre sie gern wie Torwart Oliver Kahn. So ehrgeizig, so uneinsichtig selbstüberzogen, so leidenschaftlich leistungsstark. Als sei ein Ball, der da mit hohem Tempo heranfliegt, schon die ganze Welt, und man müsse sie unbedingt auffangen. Sie mag Besessene, die sich an ein Ziel verlieren, um ganz bei sich selber anzukommen. Aber sie ist nicht Oliver Kahn. Was der Welt ganz gut tut und ja auch schon wie eine kleine Rettung ist. Ein Kahn genügt.


Ein Kindfrau

Man muss die Welt im Übrigen nicht auffangen, die fliegt sicherer als unsere Sehnsucht. Die Erde fliegt, Sehnsucht schwirrt, und Christiane Paul hat etwas Schwirrendes. In feste, realistische Kreise tritt sie oft, in ihren Filmen etwa, wie ein staunender Fremdkörper. Man kann von nebenan kommen und doch von einem fremden Pla­neten. Die Paul kommt nicht selten mit Korrekturauftrag: Das viel beschworene Kind im Manne ist in Wahrheit eine Kindfrau, und wer die Paul anschaut, weiß, was gemeint ist.


Sie ist schön, aber noch immer hat sie etwas aufräumend Burschikoses in ihrem Wesen, etwas sanft Fragendes, das allem Festgezurrten, allem drohend Gesetzmäßigen nicht glaubt. Der Kumpel und die erotisierend Entrückte in siamesischer Bruderschaft. Bereits in zahlreichen Werken des jungen deutschen Films zur viel bewunderten Leistung geworden: „Workaholic“ von Sharon von Wietersheim, „Das Leben ist eine Baustelle“ von Wolfgang Becker, „Knockin‘ On Heaven‘s Door“ von Thomas Jahn, „Zucker für die Bestie“ von Markus Fischer, „Im Juli“ von Fatih Akin, „Marlene“ von Josef Vilsmaier, „Väter“ von Dani Levy, „Reine Formsache“ von Ralf Huettner.


Ärzte-Tochter

Christiane Paul, 1974 in Ostberlin geboren, aufgewachsen in Pankow, ist die Tochter eines Facharztes für Orthopädie und Chirurgie, ihre Mutter ist Fachärztin für Anästhesiologie. Da haben Berufswünsche früh eine vorgegebene Richtung. Wobei die Paul klarstellt: „Meine Eltern haben mich nie gedrängt, Medizin zu studieren, und ich wollte nicht nur deshalb Ärztin werden, weil meine Eltern Ärzte sind. Sie hinderten mich auch nie daran, beim Film zu arbeiten. Freilich musste Christiane im Arbeiter- und Bauernstaat, als Kind einer Intellektuellenfamilie, fürs besagte Studium ein besseres Zeugnis ablegen als andere. Der soziale Status als politische Bremse.


Also lernte sie mehr und ging weniger mit Freundinnen und Freunden aus. Verbittert hat sie das nicht. Da war ein früher Blick für das, was Kehrseiten interessant, erträglich, bedenkenswert macht: „Ich bin froh, dass ich im Osten aufgewachsen bin. Dadurch weiß ich, es gibt noch andere Dinge, nicht bloß Karriere und Egoismus, eine andere Lebensauffassung eben“, schrieb sie nach der Wende in dem Meinungs- und Erfahrungssammelband „Generation Ost“.



Nicht bloß Karriere und Egoismus

Und diese andere Lebensauffassung „hatten wir nicht etwa, weil wir eine Kellergemeinschaft waren, weil wir nicht ausreisen durften. Kann schon sein, dass ich da einiges romantisiere, schließlich bewegte ich mich nur in bestimmten Kreisen, unter Leuten, die ähnliche Ansichten hatten. Was am Osten anders war, kann ich so­wie­so nur schwer beschreiben. Das war einfach eine andere Sorte Mensch“.

Da war die frühe Fähigkeit, sich von der eigenen Schönheit und Intelligenz nicht überreden zu lassen, listig oder forsch, auf jeden Fall taktisch klug und beflissen, in jenen Vorwärtsgang zu schalten, mit dem Aufstiege absolviert werden. Da war beizeiten ein Gefühl dafür, dass der Ellenbogen nichts weiter ist als ein Körperteil unter vielen, nicht gedacht als Fortbewegungsmittel.


Die Misswahl

Aber etwas leisten, etwas Besonderes mit dem Leben anfangen, das wollte sie schon immer. Freilich, diese gewisse Grundbescheidenheit und Zurückhaltung hatte Folgen, die eher hinderlich als förderlich waren. Christiane wurde zur Außenseiterin, die auf Partys allein herumstand. Wer allein herumsteht, muss sich ins Grübeln retten, was meistens keine wirkliche Rettung ist, sondern nur die Vorstufe für panische Aktionen. Auch bei Christiane Paul blieb Grübeln nicht folgenlos, irgendwann musste etwas getan werden, und sei es nur etwas Verrücktes, Spleeniges, Spaßiges: Sie bewarb sich bei einer Miss-Wahl, initiiert von der Tageszeitung „Junge Welt“ und der Zeitschrift „Miss Vogue“. Aufs Bewerbungsfoto schrieb sie: „Ich bin zwar nur 1,72 Zentimeter groß, aber nicht gleich wegwerfen, bitte erst ansehen.“


Origineller gelber Zettel

Jemandem in München war der originelle gelbe Zettel aufgefallen, sie wurde eingeladen, von einer Model-Agentur herausgefischt – und ausgerechnet am 3. Oktober 1990 stand Christiane Paul für den Quelle-Katalog an einem Strand von Miami. Das war er, „der Kulturschock“. Sie sah einem Mädchen zu, das sich sehr merkwürdig benahm. Das würde sie selber nie tun. Irgendwie kam ihr das Mädchen bekannt vor, das sich wie in einem Film an ihr vorüberbewegte. Bis sie merkte, das war sie selber. Wie war sie hierher gekommen? Wer hatte sie in diesen Film verschleppt? „Nur nach dem Körper bewertet zu werden, und das sprachlos über mich ergehen zu lassen, das kam mir wie ein Rückfall vor, das war mir zu wenig, das wollte ich nicht.“


Das passte nicht ins Weltbild

An die Model-Zeit in München erinnert sie sich wie an ein kurzes fremdes Leben: „Ich war dort ohne einen Pfennig. Es muss gerade zur Währungsunion gewesen sein. Das war Horror, ich hatte keine Kohle, rein gar nichts. Und von dem Garnichts musste ich eine Set-Karte machen, 175 Mark Miete in der Woche zahlen, Kaution hinterlegen. Auf einmal hatte ich fast 10.000 Mark Schulden. D-Mark, D-Mark!“ Tagtäglich rennt sie in München von Fotograf zu Fotograf. Bei einer Fleischerei stellt sie sich vor, will dort frühmorgens sauber machen, das aber geht nicht ohne Lohnsteuerkarte. „Und dann lief es tatsächlich ein bisschen an. Einerseits hatte ich nun plötzlich alle Möglichkeiten, diese neue Welt von ihren angenehmen Seiten kennen zu lernen, andererseits haben mich ihre Gegensätze verwirrt und erschüttert. Das waren extreme Begebenheiten, die ich mit meinem damaligen Weltbild überhaupt nicht zusammenbekam.“


Die schwierigen Charaktäre

Hätte nicht Regisseur Niklaus Schilling 1991 für seinen Film „Deutschfieber“ die Kartei der besagten Model-Agentur durchwühlt, hätte es die Schauspielerin Paul nie gegeben, das Land wäre wohl „nur“ um eine Expertin für Knochen-Operationen bereichert worden. So aber kam es zu dem, was ist. Paul spielte Schlag auf Schlag. Die mit einem Fernfahrer liierte Radiomoderatorin, eine hysterische Karrieristin, eine von Zivilfahndern Gejagte, eine Prostituierte, eine sich von daheim abnabelnde Tochter, eine männermordende Femme fatale, eine psychotisch-rachsüchtige Jura-Studentin, eine Pianistin im Rollstuhl. Und, und, und. Überheblich, leichtfertig ist sie dadurch nicht geworden. Sie hat irgendwann nur gesagt: „Bis jetzt hat das alles gut funktioniert. Bei schwierigen Charakteren aber reicht es nicht, als ewiges Naturtalent zu gelten. Irgendwann muss ein Fundament her, auf dem richtige Arbeit aufgebaut werden kann. Seelenarbeit.“


Angst vor dem Stillstand

Christiane Paul wollte nicht der größten Gefahr des Films erliegen: dem Reiz der Oberfläche. Sie wollte nicht, dass eine Kamera, die auf sie gerichtet war, sich nur immer wieder Standard­bilder „holt“; frisch zwar, aber lediglich in Maßen einprägsam; momentan aufregend, aber ohne Hintersinn. Was sie spielte, war einprägsamer, als sie es selbst sah. Aber es schien, sie hatte Angst vor einem Stillstand, der sich mit dem gefährlichsten aller Begriffe tarnte: Erfolg. Sie erinnert sich in dem Zusammenhang an ihre Tauch-Leidenschaft. Als sie noch keinen Tauchschein hatte, war das die pure Freiheit, die totale Gelöstheit – nachdem sie diesen Schein in der Tasche hatte, tauchte sie mit klarem Wissen, mit Geboten, mit Fragen, mit der Kenntnis der Gefahren. „Lernen macht nicht sicher, sondern unsicher: Man entdeckt Probleme, löst sie und steht vor noch mehr Problemen.“ Sagt die Doktorin der Medizin, Trägerin des „Max-Ophüls-Preises“, der „Goldenen Kamera“, des „Bayerischen Filmpreises“.



Abitur mit eins

Sie hatte ihr Abitur mit Eins abgelegt, nun also versuchte sie die nächste Reifeprüfung: Filmen und gleichzeitig Medizinstudium. Die Arbeit an den Rollen wurde, so es ging, in die Ferien gelegt. Wenn das kalendertechnisch nicht möglich war: der übliche Rhythmus von Anstrengung und Überanstrengung. Sie kämpfte sich durch, und dieser Kampf kannte nur einen Sieg: Leichtigkeit. Kunst, der man die Mühe ansähe, wäre verlorene Liebesmüh‘. Das trifft auch auf die medizinische Kunst zu, sagt die Paul. Sie schaffte beides, aber sie geriet nie in die Gefahr eines zehrenden Strebertums an der Grenze zur Unleidlichkeit.


Vielleicht haben die Ernsthaftigkeit, die Durchhaltekraft mit dem Studienfach zu tun – eine künftige Ärztin, die sich schon als Studentin in der Mittelmäßigkeit einrichtet, möchte man sich eigentlich nicht vorstellen. Christiane Paul wollte sich das auch nie ausmalen, wobei sie lange darüber nachgedacht hat, wie wichtig Talent für einen Menschen ist, der später den weißen Kittel anziehen will.


Die Unverwechselbarkeit

Diese Fähigkeit, von einem Grundwissen aus die Unverwechselbarkeit jedes einzelnen Lebens und jeder einzelnen Erkrankung oder Verletzung zu erspüren – Heil-Kunst als etwas, das man wörtlich nehmen sollte, also: über Intuition verfügen, für einen fremden Körper, für einen Organismus. Ein Nachdenken über Berufe, die fähige Leute in solcher Menge brauchen, dass die Zahl der wirklichen Talente nie ausreicht. Bei Friseuren und Fahrradhändlern bestimmt nicht so problematisch wie bei Ärzten oder etwa Lehrern. Für Christiane Paul ein Beweggrund, sich irgendwann zu entscheiden.


Die Liste ihrer Filme wurde länger und länger, aber sie hat nicht gleichzeitig noch eine Dissertation über künstliche Hüftgelenke geschrieben, wie man immer wieder lesen kann – als steigere es einen gewissen Handelswert, wenn der Journalismus maßlos übertreibt. Doch wer sie interviewte, traf dennoch, meist mitten in den Anspannungen, eine Heitere und Quirlige der ungezügelten Ausblicke, der Überlegungen, was man noch alles machen könnte, machen müsste im Leben:


Die Seiteneinsteigerin

„Mich interessiert so vieles, Fremdsprachen, Umweltpolitik – ich könnte mir vorstellen, Ärztin auf einem Greenpeace-Schiff zu sein.“ Krisen blieben während ihrer Anfangszeit nicht aus. Als sie mit Regisseur Fatih Akin drehte, wies sie ihn bei verschiedenen Szenen darauf hin, sie sei ja eigentlich Medizinerin. Als wolle sie sich entschuldigen, als wolle sie die Seiteneinsteigerin betonen, als wolle sie von vornherein um mildere Urteile bei der Arbeit am Set bitten. Aber Film ist kein Ablasshandel. Irgendwann rastete Akin, eigentlich ein sonniges Gemüt, aus. Seine Hauptdarstellerin nervte ihn mit der ständigen Beschwörung ihrer Fluchtmöglichkeit: „Bin ich krank? Muss ich zum Doktor? Was soll das mit der Medizinerin? Ich habe dich als Schauspielerin verpflichtet, nicht als Chirurgin.“ Sie hat also ihr Dasein als Arzt-im-Praktikum in einem Berliner Krankenhaus eines Tages abgebrochen. Für drei Monate ging sie nach New York, ans Lee-Strasberg-Institut, eine kurze Zeit Schauspielunterricht.



„Nur noch“ Schauspielerin

Sie war fortan „nur noch“ Schauspielerin, hat sich ins Absolute eines einzigen Freiraums geworfen. An einer Schauspielschule in Deutschland, der Ernst-Busch-Schule in Berlin, hatte sie sich übrigens ein einziges Mal beworben, nachdem bereits zwei Filme mit ihr abgedreht waren. Sie verwechselte den Termin ihres Vorsprechens, sollte am nächsten Tag wiederkommen – da aber stand eine Anatomieprüfung auf dem Plan. „Na, dann ma­chen Sie mal Ihr Medizinstudium zu Ende“, so der Bescheid. Christiane Paul: „Ich habe schon verstanden, warum sie das sagten: Weil man bei ihnen seine ganze Zeit investieren muss, seine ganze Kraft. Danach habe ich es nie wieder versucht.“ Das Vierteljahr in New York hatte die Sehn­sucht geweckt, auf einer großen Bühne zu stehen, ins lebendige Dunkel eines Zuschauerraumes zu blicken und nicht immer nur ins tote Auge einer Kamera. Der Traum schien Traum zu bleiben, wer würde schon auf die Idee kommen, eine „ungelernte“ Filmschauspielerin an ein Theater zu holen. Da rief Ulrich Mühe an, der im Haus der Berliner Festspiele Heiner Müllers „Auftrag“ inszenierte. Christiane Paul sollte den „Engel der Verzweiflung“ spielen.


Der Engel der Verzweiflung

Seltsame Fügung. Schauspielerleben kommen einem auch deshalb zauberhaft vor, weil man oft von solchen Zufällen hört – der plötzliche Anruf, das unerwartete Angebot mitten in einer drückenden Leere, auch im Falle Paul gab es diese alles entscheidende, alles verändernde Plötzlichkeit, mit der sie als Hobby-Model in ein Film-Casting gerutscht war – und nun auch diese Anfrage im Rahmen einer hochkarätig besetzten Theaterinszenierung. Christiane Paul spielte diesen Engel, diese schwere wuchtige Poesie von Müller, und sie spielte, ohne zu verbergen, dass der Text, das ganze Theater um sie herum stärker war als sie.


Es schien, als müsse da ein Herz allein in der Luft schlagen, schutzlos. Wenn das nicht Hoffnung machte: Der Engel der Verzweiflung war ein – Mensch(lein). Bibbernd fast. Als Mühe sie angerufen hatte, um ihr die Rolle anzutragen, saß sie gerade im Auto. Sie musste rechts ranfahren, „mir zitterten die Knie“. Während dieser Probenzeit am Müller-Stück sagt sie Sätze, an denen man nachfühlen kann, wie sich einem das Werk dieses Dramatikers ins Leben bohrt, wie plötzlich kleine und große Welten zusammenprallen.


Die Dinge verlieren an Qualität

„Jeder Auftrag trägt die Möglichkeit des Scheiterns in sich, aber man muss es wenigstens versuchen.“ „Früher habe ich global gedacht, auch wenn das naiv war – heute bin ich froh, meine eigenen Probleme halbwegs in den Griff zu bekommen.“ „Als ich Müller las, habe ich gemerkt, wie sehr ich eine Idee fürs Leben vermisse. Ich habe empfunden, wie ich in meinem Mikrokosmos gefangen bin. Mir geht es gut, ich bin materiell sozusagen ruhig gestellt. Es ist erdrückend, manchmal diese Erstarrung um einen herum zu spüren. Man kann Bestätigung nur noch in sich selbst finden, nicht durch etwas, das darüber hinausreicht. Wo ist meine Verantwortung fürs Größere, frage ich mich.“


Da spricht eine junge, wache Frau auch über die Gefährdungen einer Medien­gesellschaft, die den Wert öffentlicher Aufmerksamkeit übertreibt. „Welchen Sinn soll es noch haben, eine Ausbildung zu machen, wenn man zu ,Big Brother‘ gehen, ein Star werden und eine CD aufnehmen kann? So verlieren die Dinge, die auch mit meinem Beruf zu tun haben, ihre Qualität. Es geht oft nicht mehr um Perspektiven, um Bleibendes. Vieles dreht sich nur noch darum, wie man hip, erfolgreich und bekannt wird und schnell Geld verdient.“



Ein Wunder an Disziplin

Sie hatte Ansprüche, und Ansprüche produzieren Widersprüche. Die wollen ausbalanciert sein. Sie kennt die heilende Kunst des Lebens, das Kino, und sie kennt die Medizin, die brutale Macht des Todes (eine Zeit lang arbeitete sie auch in der Rettungsstelle der Berliner Charité, 24-Stunden-Dienste, „das volle Programm und immer die Angst im Nacken, dass etwas schiefgehen könnte“). Sie schien stets ein Ausbund an Ausgelassenheit sein zu wollen, antwortet aber auf verdoppelte Arbeitsstunden möglichst mit doppelten Schlafstunden – ein Wunder an Disziplin.


Der Traum von der bürgerlichen Familie

Sie träumte immer schon von einer bürgerlichen Familie (ihr Freund ist Chirurg), stand jedoch mit dem Kinderwunsch schon bald an der Schwelle zur nächsten Belastung. Ihre fünfjährige Tochter – die Paul wohnt mit Partner und Kind in Berlin, liebt das Ungeschminkte, das Ruppige dieser Stadt – trägt den Namen Mascha, so heißt eine der „Drei Schwestern“ bei Tschechow.


Was aus einer Raupe wird, wenn sie sich verpuppt, weiß man. Aber was wird aus einem Schmetterling, der nicht aufhören will, die Gestalt zu wechseln? So kam sie sich vor. So wollte sie sich. „Manchmal finde ich meine Mitte nicht mehr“, hat sie früher gesagt, später dann: „Ich habe einen langen Atem.“ Und sehr oft hat sie sich an einen Satz ihres Vaters erinnert: „Jeden Fehler darf man nur ein einziges Mal machen.“ Die überrumpelnde Klugheit solcher Sätze lässt leicht vergessen, dass sie auch Plattitüden sind. Denn woher weiß man, das just das, was man tut, nichts wirklich Neues, sondern lediglich die Wiederholung eines Fehlers ist?


Wahrscheinlich, so Christiane Paul, wiederholt man immer wieder die gleichen Fehler. Was man vermeiden will, „klebt am Leben, mal als Pech am Kittel, aber oft auch als Honig auf der Zunge“.


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