Bad Design-Serie des DDC für Kaldewei - Ein Bad für John Lennon
Ein Bad für den Visionär und seine YOKO – ohne die er nicht der geworden wäre, an den wir uns heute erinnern.

Seine Filme „Circus“ und „Goldrausch“ gehören zum Welterbe des Kinos, er war der populärste Schauspieler seiner Zeit, die Schwelle zum Tonfilm übersprang er leicht: „Lichter der Großstadt“ und „Moderne Zeiten“ gehören zu den erfolgreichsten Filmen der 30er-Jahre.
Das ist und bleibt Charlot: der unsterbliche, kleine, schmächtige Mann. In diesen zu weiten Hosen, in deren Taschen so viele Tragödien Platz
haben. In diesen zu großen Schuhen, in denen er gut über sich selbst stolpern kann. In dieser zu großen Welt, in der er die Verlassenheit
des Einsamen atmen muss, aber auch den Stolz des Außenseiters hervorkehren kann. Angetan mit einem Veston, der eng ansitzt, darunter
eine Weste; die Krawatte hochgeknöpft, ihr Knoten großgeschlungen; auf dem Kopf eine Melone, zu klein auch sie, und weil er mit seinen
Händen nichts anzufangen wusste, griff er zum Bambusstöckchen. Das Haar ist lang und krausig, auf der Oberlippe sitzt ein Bürstenschnauz.
Charlot ist der Dandy als Vagabund, der Vagabund als Dandy, und von beidem auch die Parodie. Zugleich die Inkarnation des Mannes von
der Straße: Die Melone soll ihm Würde verschaffen, der Schnauzbart demonstriert seine Eitelkeit; der Veston, das Stöckchen und seine Manieren wollen auf einer Wolke von Illusion den Eindruck von Galanterie begründen. Auch von Draufgängertum. Im koketten Wiegegang
möchte er vor der Welt bestehen, sie düpieren und sich dabei selbst bemitleiden. Das macht ihn schöpferisch: So hat er Millionen Menschen zum Lachen gebracht.
Aber Charlot ist auch der Luftmensch, der Entwurzelte, der sich listig durchs Leben schlägt, der Unglückliche, der Ungeschickte, der, obgleich unschuldig, alles Übel auf sich zieht. Er will glücklich sein und überlebt deshalb alle Katastrophen. Aber er liebt seine Katastrophen, auch wenn er dabei unglücklich ist.
Dieser Schnorrer, der um Barmherzigkeit redet, als sei sie sein Recht. Eine Figur des Komischen – das entsteht, weil Charlot mit der Feindseligkeit der Menschen konfrontiert wird. Diese Feindseligkeit weckt in ihm – Feindseligkeit. Das ist Realismus. Leider. Zwar ist Charlot gleichzeitig sentimental und gleichgültig, diebisch und ehrlich, ängstlich und tapfer, trunken und nüchtern, aber es steckt vor allem auch die Bösartigkeit der Schwachen in ihm. Denn die sind oft am wenigsten gut, sie können es sich nicht leisten.
Im Grunde ist er ein Kind, und zum Kind gehört, dass es kein Mitleid hat. Charlot ist aber auch Don Quichote, insofern er einem Idealbild von Frau nachläuft, und er ist Don Juan, der verführt. Nicht durch Erotik, sondern durch die Seele. Noch schöner: durch eine Trotteligkeit, die einem den Atem stocken lässt. Am Schluss des Films "Moderne Zeiten" sehen wir ein Paar von hinten, schon wird es eingekreist vom Schwarz der sich schließenden Kameralinse: die Wunderschöne mit luftigem Kleid und elegantem Hut. Daneben er, der Watschel, so arg kleiner als sie. Da feiert die Unwahrscheinlichkeit einen Triumph, von der wir im Leben so vergeblich Fantasieren: Wer findet schon seinen Traumpartner? Ach, wie sich die Paare der realen Welt mühen, trotzdem so zu erscheinen als passten nur sie zusammen...
Diese zwei, in ihren Äußerlichkeiten so krass auseinanderstrebenden Menschen tun nichts, um einander passend zu machen. Just das zu leben, was ist; nicht aber das, was so zu scheinen hat, als ob es wäre – vielleicht die gütigste aller Botschaften. Hitler ist zwar noch immer nicht zu bewältigen, aber wer sein Kino-Gesicht sieht, dem fällt sofort Chaplin ein. Das immerhin bleibt einer seiner größten Siege.
Nicht nur wegen des „Großen Diktators“ von 1940, sondern von Anfang an, wegen des Bärtchens, des mickrigen Ausrufezeichens auf der Lippe, das diesen Hitler gleichsam voraussagte. Ein kontrastierender Farbfleck, der Hölle ein willkommener Spott und peinlich selbst dem lieben Gott. Chaplin, Sohn eines armen Komödianten aus dem Londoner Whitechapel, war früh nach Amerika gegangen, hatte dort den „ewigen Tramp“ erschaffen und mit ihm so etwas wie eine ewige Wahrheit. Denn große Kunst kennt keinen Widerruf. Weil sie nichts behauptet, sondern erzählt. Sie hätte nichts zu verraten außer den Menschen – aber das ist bekanntlich keine Kunst.