British Bulldog mit Sieger-Gen

Bild: Library of Congress

Sir Winston Leonard Spencer-Churchill (1874–1965) war der unbestritten bedeutendste britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Antreibender Feldherr und romantischer Poet in einem; Weltenlenker und Lebemann, der auch in größter Not auf eine gute Zigarre zum Whisky, sein heißes Bad und ein ausgiebiges Frühstück im Bett besteht – so viel Zeit muss sein!

Churchill wird in Blenheim Palace geboren, ist Offizier und Kriegsberichterstatter, ihm gelingen aus Gefangenschaften spektakuläre Fluchten. Er wird mehrmals Minister, Erster Lord der Admiralität, Schatzkanzler – und 1953 von der Königin geadelt. Als er an die Spitze des Staates gerufen wird, sagt er den Satz, der das kriegsmüde Land vereint, die Zweifler stumm macht: „Ich habe nichts anzubieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß.“


Noch immer gehört sein Mammutwerk „Der Zweite Weltkrieg“ zu den großen Erzählbüchern der Geschichtsschreibung, abgekehrt von jener Art Historienbetrachtung, bei der zwar mitgeteilt wird, dass etwas faul sei im Staate Dänemark, aber: Hamlet fehlt. In Churchills Büchern ist der Blutkreislauf des Autors spürbar, 1953 bekommt er den Literatur-Nobelpreis.


In viele Teile der Welt hat er seinen Fuß als Soldat gesetzt, immer ist er der Behaupter seiner luxuriösen Ambitionen geblieben. Auch in den Bunkern, in die er im Bombenkrieg gezwungen wird, schläft er lange, frühstückt täglich im Seidenmantel im Bett; abends gibt‘s Champagner, man schaut sich Hollywoodfilme an. Als alter Mann sagt er: „Ich habe nicht gelernt, Popularität zu genießen. Ich bin immer misstrauisch geblieben gegen solcherlei Dinge, schließlich kenne ich mich.“


Churchill war unstet, fühlte sich oft unsicher, neigte zu Depressionen; in seinen Bunkern, Büros, Unterkünften standen stets Whisky-Gläser griffbereit. Militärhistoriker haben nachgewiesen, dass sich die Genauigkeit seiner Lagevorhersagen in Grenzen hielt. Aber er war ein glänzender Rhetoriker, die behäbige Fülle und pralle Grimmigkeit seiner Körpermasse konterte er mit blitzgescheiter Rede, und es muss den Briten in finsteren, todesnahen Stunden ihrer nationalen Existenz vorgekommen sein, dass nicht Waffenkraft hilft, sondern das geschliffene Hoffnungpredigen ihrer hochver- ehrten „Bulldoge“.


Er prahlte damit, erst nach mehreren Prüfungsversuchen die Hürden zur Kadettenanstalt Sandhurst genommen zu haben. Er konnte ohne Mühe Hunderte Verse von altrömischen Heldenliedern deklamieren. Im Krieger steckte ein Romantiker, und am meisten gefiel Churchill selbst, dass man ihm das auf den ersten Blick nicht ansah.


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