Evita Peron - Vom Spatz zum Kondor
Evita, vergöttert im Leben, vergöttert im Tod. Eine Verführerin und eine mit klarer, rascher Logik begabte...

Weltbürger und tragischer Pazifist – der zum Bau der amerikanischen Atombombe rät. Wenn seine Frau „wir“ sagt, raunzt er sie an: „Rede von dir oder von mir.“ Er mochte Affären. Genie und Ruhm des Strubbelkopfes müssen unwiderstehlich gewirkt haben. Trotz Brecht-ähnlicher Neigung zu strengen Tabak- und Körperdüften. Die Damen stecken ihn gern ins Bett, vorher freilich ins Bad.
Nicht erst am Zürcher Polytechnikum fällt er durch Renitenz gegen Büffeln und Auswendiglernen auf. Die Lehrer auf der Volksschule nennt er „Feldwebel“, die auf dem Gymnasium „Leutnante“.
Einstein schult leidenschaftlich seine Fähigkeit zu Spekulation und Gedankenexperimenten: „Wie wäre es, wenn man neben einem Lichtstrahl herliefe? Wie, wenn man auf ihm reiten würde? Würde dann das Licht oder die Zeit stillstehen?“ Seltsame Fragen eines 16-Jährigen. Zehn Jahre später sollte er die Antworten finden. Zuvor aber ist er ein mathematisch-physikalischer Fachlehrer mit eher mäßigem Abschlusszeugnis, er arbeitet als Privatlehrer, als Angestellter im Berner Patentamt. Glücklicher Umstand für zwei Lebensnotwendigkeiten: die Familie zu ernähren und zugleich genügend Zeit für Privatstudien zu haben.
26 Jahre alt, gelingt ihm ein großer Wurf: In nur wenigen Monaten verfasst er seine Doktorarbeit, erklärt die Existenz der Atome und die Quantennatur des Lichtes, entwirft die spezielle Relativitätstheorie und notiert die berühmteste Formel der Physik E = mc2, wonach Masse nichts anderes ist als eine Form von Energie.
Einstein wagt zehn Jahre später einen zweiten Geniestreich, er entdeckt eine allgemeine Relativitätstheorie, die auch die Schwerkraft umfasst, und verblüfft die Fachwelt mit einer Vorhersage: Das Licht der Sterne soll im Schwerefeld der Sonne abgelenkt werden. Als Astronomen 1919 diesen Effekt tatsächlich beobachten, ist der neue Newton geboren. Einstein ist Mythos und lebende Legende. Vom Nobody zum Revolutionär der Wissenschaft. Aber den Nobelpreis bekommt er nicht für die Relativitätstheorie, sondern für die Erklärung des fotoelektrischen Effektes.
In seiner kreativsten Phase ist Einstein in der Welt der Physiker ein völlig unbeschriebenes Blatt. Vielleicht hat ihm gerade dieses Randständige geholfen, mit bestehenden physikalischen Vorstellungen aufzuräumen. Das Begriffsinventar der Physik wird durchleuchtet, als würfe ein Meisterdetektiv plötzlich hellste Sonnen ins Dunkle seines schwierigsten Falles. An Selbstvertrauen fehlte es dem Außenseiter nie. In trübsten, ergebnislosen Bewerbungsphasen für ein bisschen Brotarbeit hatte er verkündet, dann eben in Feierabendarbeit Großes zu schaffen: „Es lebe die Unverfrorenheit! Sie ist mein Schutzengel in dieser Welt!“
Er gründet auch einen Debattierclub. Fleiß, Beharrlichkeit, Ausdauer, dazu der Drang nach Unabhängigkeit und die Ablehnung jeglichen Spezialistentums vereinen sich mit der Gabe, die brennenden physikalischen Fragen der Zeit zum richtigen Moment zu stellen. Nie hat er seine kindliche Naivität verloren: „Der Erwachsene denkt nicht über Raum- und-Zeit-Probleme nach. Ich dagegen habe mich so langsam entwickelt, dass ich erst anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern, als ich bereits erwachsen war."