Villenarchitektur: Wunsch und Wirklichkeit

Villa von Haacke Haus

Villenarchitektur – das ist ein Ort erlesenen Geschmacks, das ist stilbewusstes Leben, das sind großartige Privathäuser. Villen sind Porträts persönlicher Lebensentwürfe, finden Architekturkritiker Holger Reiners und Haacke-Haus-Geschäftsführer Detlef Bühmann und wünschen sich mehr dieser exklusiven und repräsentativen Familienanwesen. Keine Unmöglichkeit, wenn Bauherren die Erotik des Bauens wiederentdecken und Architekten die Wünsche ihrer Auftraggeber reflektieren.

In manche Häuser verliebt man sich spontan. Von anderen wen­det man sich ab, würdigt sie ungern eines Blickes und vergisst sie im nächsten Augenblick. Warum?


Holger Reiners: Architektur kann stil- und lebens­bildend sein, aber auch erschreckend gleichgültig und beliebig. Anerkenndes Wohl­wollen kann die Villenarchitektur für sich verbuchen. Auch heute noch gilt sie als Ausdruck gebauter Ästhetik. Sie hat sich behauptet, obwohl sie als Zeichen der Herrschaft­­sarchi­tektur nach dem Ende des Zweiten Welt­­kriegs als vepönt galt.

Detlef Bühmann: Villenarchitektur ist perfekt in der Formgebung und in ihren Proportionen. Sie erfüllt alle Ansprüche an Qualität und Charakter. Es ist eine Architektur mit Aura, die nicht nur repräsentativ, sondern auch voller Sehnsucht und Leidenschaft der Bau­herren und Erbauer steckt.


Wie viel Leidenschaft des Bauherren gehört in den Traum vom Haus?


Detlef Bühmann: Das Haus ist sein intimster Ort auf Erden. Es ist gewissermaßen die zweite Haut des Menschen und Bekenntnis seiner persönlichen Lebensvorstellung. Um diesem Traum eine stimmige Form zu geben, müsste sich eigentlich jeder Bauherr vor­ab wie auf der Couch des Therapeuten analysieren: Wo komme ich her, wo will ich hin, was erwarte ich, was tut mir gut – die Suche nach dem wohnlichen Ich.

Holger Reiners: Ohne eine klare und selbstbewusste Auftrag­ge­berhaltung gibt es keine architektonisch überzeugende Antwort. Erst dann kann zwischen Bauherr und Architekt so etwas wie Span­nung entstehen. Der überspringende Funke entzündet die Lust, begeistert und hingebungsvoll an diesem Projekt zu arbeiten. Erst die Erotik des Bauens füllt die Architektur mit Leidenschaft.


Warum führt die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bau­herr dennoch allzu selten zu herrausragenden Häusern?


Holger Reiners: Die Tradition des Bauens wird durch Marketing­stra­te­gien ersetzt. Da wird individuelles Bauen propagiert. Aber in der Realität sind die Bedürfnisse keineswegs individuell, lassen sich die Bauherren von schnelllebigen Trends verleiten: Was ist schick, was ist angesagt? Im Zweifel die vermeintlich individuelle Pro­duktlösung des Modells „Tirol“ – das meistverkaufteste Haus Süd­deutschlands. Übrigens wird ein Bauvorhaben nicht individueller, wenn innerhalb der Module nur die Fenster von rechts nach links ver­setzt werden.



Detlef Bühmann: Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann, dass sich die Bauherren vor der Planung darüber im Klaren sind, was für sie Wohnlust bedeutet. Gepaart mit unserer Kom­petenz lassen sich aus dieser Symbiose hervorstechende Ergebnisse entwickeln. Für andere zu entwerfen, verlangt Geduld, Feinfühligkeit, intensiven Dia­log, kritischen Einwand, aber auch, Herr Reiners sagte es be­reits, Ermunterung durch den Auftraggeber.


Holger Reiners: Ich treffe aber leider immer wieder Architekten, die die Wünsche ihrer Kunden nicht reflektieren. Nehmen Sie den Trend zur offenen Raumarchitektur: Die Bauherren folgen einer Mode­er­scheinung, ohne daran erinnert zu werden, dass zu viel Offenheit keinen Rückzug bietet. In solchen Räumen läuft stets der gleiche Film auf Großleinwand ab. Dagegen geben Räume von 20 bis 30 Quadratmetern den Bewohnern Privatheit und ermöglichen, das Leben in den vier Wänden immer wieder aus einer anderen Per­spek­tive neu zu entdecken.


Detlef Bühmann: Deshalb bemühen wir uns, beides, Trend und Le­bensform, unter ein Dach zu bringen. Dem Zeitgeist entsprechend sind in unserer Stadtvilla Küche, Wohn- und Essbereich offen gestaltet. Bei Bedarf kann der Hausbesitzer die einzelnen Orte aber auch durch raumhohe Schiebeelemente aus satiniertem Glas oder durch mobile Regalsysteme elegant separieren und dadurch ungestört von Gerüchen und Ge­räuschen für sich sein. So lässt sich die Architektur übrigens auch an die sich wandelnde Lebensform der Bewohner anpassen: Mit Kindern, die durch die Bude tollen, kön­nen offene Raum­struk­turen anstrengend werden. Dagegen finde ich es heute schön, dass zwischen mir und meiner Frau immer nur eine Tür ist.


Welche Vorstellung von einem perfekten Haus kommt der Ihren am nächsten?


Holger Reiners: Meine Vorlieben haben sich mit den Jahren immer wieder verändert. Ich habe in den 70er Jahren in einem urbanen Altbau gelebt. Zu meinem Familienleben heute passt das nicht mehr. Jetzt wohne ich in einem alten Haus mit Garten, das hier und da moderne architektonische Anklänge hat. Wenn ich könnte, wür­de ich mir aber eine Villa planen, die aus Holz, Stahl und Glas be­steht. Das elegante Villenanwesen des Amsterdamer Architekten Joe Coenen in Belgien käme meinen Vorstellungen am nächsten.


Detlef Bühmann: Unsere Stadtvilla ist derzeit meine ideale Vor­stellung vom Wohnen. Ich habe lange gebraucht, um meiner Frau diesen Traum zu zeigen. Denn sie war anfänglich eher skeptisch, wenn sie von unserem Projekt hörte – sie ist glücklich in dem Haus, in dem wir jetzt leben. Heute versteht sie, was mich an diesem Architekturkonzept von Anfang an so faszinierte.


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