Stroh im Haus spart viel Chemie

Was gemeinhin nur als Einstreu für Kuh- oder auch für Hühnerställe gilt, erweist sich im Hausbau als hochinteressanter Dämmstoff: effektiv, brandsicher, nachhaltig und preiswert.

Wenn die dicken Wände nicht wären, erschien am Haus der Familie Küng im Schweizer Dörfchen Muri im Kanton Aargau allenfalls das Gründach ungewöhnlich. Doch die wirkliche Überraschung befindet sich woanders – hinter dem Kalkputz der Außenwand. Denn die dicken Wände bestehen aus Strohballen – geplant und errichtet durch Werner Schmidt. Der Architekt aus Graubünden befasst sich schon seit fast zwei Jahrzehnten mit dem Strohballenbau. Das Haus der Familie Küng ist bei weitem nicht das einzige, das er mit diesem Naturmaterial errichtet hat.

Errichtet – dieses Wort ist nicht falsch gewählt. Denn so manches Gebäude des Schweizers steht in der Tat auf Wänden, die zuvor Ballen für Ballen gebaut wurden – ganz so, als hätte er überdimensionale Legosteine zur Hand. Die Dachkonstruktion liegt auf diesen massiven Strohwänden und sorgt dafür, dass die Halme ausreichend zusammengepresst werden und so zur ausreichenden Stabilität kommen. Gebäude, die auf so archaische Weise entstehen, müssen deshalb keinesfalls vorsintflutlich aussehen. Die Entwürfe des Schweizers Schmidt sind da beredtes Zeugnis. Von Licht durchflutete moderne Baukörper kennzeichnen seine Arbeit – mehrstöckig und sogar mit Dachgärten ausgerüstet. Das Design vieler seiner Bauten ist mehrfach preisgekrönt.

Auch in Deutschland beschäftigen sich eine Hand voll Architekten mit dem Bau von Strohballenhäusern. Dirk Scharmer, der sein Büro in Südergellersen unweit vom niedersächsischen Lüneburg betreibt, ist einer der Vorreiter dieses Bauprinzips in der Bundesrepublik. Er errichtet seine Häuser aus einem Skelett aus Holz, in das er dann die Strohballen stellt. Mit Hilfe von Seilzügen und Wagenhebern presst er nach dem Einbau die Ballen zusammen, die er vorzugsweise aus der Region bezieht, in der das jeweils neue Haus entsteht. Scharmer ist sich der Qualität dieses Bauprinzips sicher. „Vor vielen Jahren waren es einzelne, mutige Bauherrn, die sich auf die entsprechende Idee einließen. Heute wissen wir, dass es geht.“


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Lesen Sie den ausführlichen Bericht mit vielen Infos ab der Seite 30 im Magazin "Mein schönes zuhause September/Oktober 2014"


Michael Schweer

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