Stadtrandgeflüster

Außenansicht SchwörerHaus

Das Leben in Balance von Raum und Zeit: Stadtrandlagen-Idylle. Die Grundstücke dort sind teuer, also oft kleiner. Aber zwei Vollgeschosse schaffen den notwendigen Platz. Schwörer­Haus zeigt im Musterhaus­zentrum Mühlheim-Kärlich einen beispielgebenden Entwurf mit klaren Formen und energetischen Bestwerten.

MUSS man aufs Land ziehen, um ein Haus bauen zu können?


Allein beim Gedanken daran bekommen Groß­stadtpflanzen kalte Füße. Was ist denn dann mit dem Stammkino, der Oper und den Freunden ums Eck, werden sich Anhänger eines urbanen Lebensstils mit trommelnden Fingern am Küchentisch ratlos fragen. Und die Musik­stunden des Nach­wuchses, die so schön praktisch mit Bus und Bahn zu erreichen sind, und die Kinder wieder ein Stück selbstständiger machen?


Die Lösung: weder nahe City noch weites Land, sondern Stadt­rand. Der Haken: Sol­che Lagen sind beliebt und meist dicht bebaut. Aus der Not heraus fällt die Wahl dann häufig auf ein altes Haus. Doch Dämmung und Heiz­­technik genügen in der Regel nicht den An­forderungen der ak­tuellen Energieein­spar­verordnung (EnEV) und ziehen häufig teure Renovierungs­ar­bei­ten nach sich. Ge­rade des­halb sollten künftige Hausherren ge­nau prüfen und mit spitzem Stift nachrechnen, ob ein Abriss mit anschließendem Neubau nicht kostengünstiger wäre.


Erstens ist ein Abbruch meist weniger teuer als befürchtet, und zweitens besitzt man am Ende ein Eigenheim, in dem jeder Quadrat­meter nach eigener In­teressenlage geplant wurde. Eine flächenspa­rende und damit teu­re Grundstückskosten reduzierende Lösung: Häuser mit zwei Voll­geschossen. Haben die – wie das neue Schwö­rer-KfW 40-Haus im Muster­haus­zentrum Mühlheim-Kärlich – nicht nur regional überhitzte Grundstücks­märkte, sondern auch den Energie­verbrauch im Blick, sind schon mal zwei grundlegende Widrigkeiten aus der Welt geschafft.


Nach den Förder­richtlinien der Kreditanstalt für Wieder­aufbau (KfW) ist der Standard eines KfW-40 Hauses dann er­reicht, wenn der Primär­energiebedarf nachweislich bei nicht mehr als 40 Kilowatt­stunden pro Qua­drat­meter Nutzfläche und Jahr liegt. Basis der Haustechnik von SchwörerHaus ist das vom schwäbischen Unternehmen entwickelte Frischluft-Heizsystem, bestehend aus einer kontrollierten Be- und Ent­lüftung mit Wärmerückgewinnung, Kleinst­wärme­pum­pe und Direktheizele­menten. Damit kann die Temperatur ergänzend zur Grundwärme für jeden Raum einzeln gesteuert werden. Das System wird durch eine Brauchwas­serwärmepumpe unterstützt.


Ausschlag­ge­bend für den KfW 40-Standard ist neben der klugen Haustechnik zum einen die Syner­gietechnik mit einer extra Wind­sperre in der Außenwand, zum anderen eine zusätzliche Dämmung in der Außen­hülle. Das Fertig­haus­unternehmen hat schon zu Zeiten, als noch nicht alle Welt angesichts der Ener­gie­­preis-Lawine ängstlich den Kopf einzog, viel Geld und Forscher­geist in die Suche nach zu­kunfts­tauglichen Haus- und Heiz­mo­del­len ge­steckt. So kommt das Muster­haus ganz ohne konventionelle Öl- und Gas­heizung aus und benötigt zudem weit weniger Energie als ein normales Niedrigenergiehaus.



Weitsicht und Akribie bewies das Schwörer-Team nicht nur in haustechnische Belangen, auch beim Erschein­ungs­bild des Entwurfs hat es seine Maxime verwirklicht. Der schnörkellose, fast quadratische Kubus lehnt sich unübersehbar und durchaus im Trend an den Bauhausstil an, doch verleihen ihm das Pult­dach mit den sichtbaren Pfettenköpfen und die Teilverkleidung der Fassade mit echten Holzlamellen einen urban-tauglichen Charakter. Das warme, natürliche Holz bricht die Strenge des Körpers. Die bodentiefen Fenster und ein über die ganze Hausbreite verlaufender Balkon mit Glasgeländer sind Verweise auf einen kommunikativen, dem Leben zugewandten Wohn­stil.


Ähnlich wie die Fassade mit ihrem Wechsel von weißen Putzflächen und opalfarbener Holzverkleidung bezieht auch die Innen­ausstattung ihre Spannung aus Ge­gen­­sät­zen. So haben im privaten Rückzugs­be­reich des Obergeschosses alle Familien­mitglieder reichlich Möglichkeiten zur freien Ent­fal­tung. Mehr noch als den Luxus eines ungewöhnlich großen Schlafzimmers mit begehbarer Ankleide dürften Eltern das Wellness-Bad genießen. Die frei stehende rote De­signer-Wanne könnte den Auftakt für entspannende Mo­mente bilden, die 30 Qua­drat­­meter große Dachterrasse den krönenden Abschluss. Der kleine private Garten ist vom Schlafzimmer und vom Bad aus zu erreichen.


Auf der anderen Seite des Obergeschosses haben die Kinder ihr eigenes Reich – mit einem elf Meter langen Balkon und eigenem Duschbad. Die zusätzliche Schlafgalerie in einem der beiden Kinderzimmer ist ein fantasiestiftender Ort: Wer hier die Leiter er­klimmt, wird schnell zur Prinzessin eines Märchenschlosses.


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