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Eine Fassade in der Kombination von Holz und Putz, dazu ein in den Korpus integrierter dritter Giebel über beide...

/Ein mit der Terrasse zur Sonnenseite, nach SüdenSüdwesten orientiertes Grundstück gilt in unseren Breiten als ideal.
Gerd Kallentin: Klar. Aber in sieben von zehn Fällen ist das nicht so. Es gibt nun mal Grundstücke, deren Schokoladenseite nach Osten oder Westen weist. Das spielt keine Rolle: Die Himmelsrichtung ist sowieso nicht das allein selig Machende.
Sondern?
Gerd Kallentin: Viel wichtiger ist die Umgebung, der schöne Blick aus dem künftigen Haus. Wie viel Platz ist rundherum? Was sehe ich aus den in der Regel bodentiefen Fenstertüren zum Garten? Wo sind Freisitze denkbar? Nicht nur einer, besser zwei oder drei: einen für die Morgensonne und einen für den Feierabend. Und möglichst geschützt vor Wind und Wetter. Erst wenn das geklärt ist, kann man anfangen, ernsthaft über das Haus nachzudenken.
Womit fangen Sie an?
Gerd Kallentin: Mit der Hauptkommunikationszone, dem zentralen Raum im Erdgeschoss. Der sich heute weniger durch Wände als durch die Nutzung in drei Zonen gliedert: Kochen und Essen, dann ein „öffentlicher“ Bereich für die ganze Familie und ihre Gäste und drittens die eher intime Zone für die Abende.
Wie groß ist schön?
*Gilt für diesen neuen Livingroom die simple Regel: je größer, desto besser? Wann führt der Wunsch nach Aufhebung alter Beengtheiten und nach dem Erlebnis großzügiger Offenheit in die Falle ungemütlicher XXL-Formate?
Gerd Kallentin: Aller Erfahrung nach sind 60 bis 70 Quadratmeter für diesen zentralen Raum nicht zu viel. Auf 100 Quadratmetern fühlt man sich auch bei gediegenster Einrichtung schnell verloren.
Sie geben mit der Architektur dieses Raums dessen Aufteilung vor?
Gerd Kallentin: Umgekehrt – die Nutzungsvorstellungen der Bauherren diktieren die Architekturidee. Ich beginne immer bei der Küche: Wer kocht wann für wen? Wer isst dann wo mit wem? Jeden Morgen? Und abends? Wie läuft es sonntags? Vergessen wir nicht den Lauf des Jahres: Ein Sommermorgen-Frühstück auf der Terrasse verläuft naturgemäß anders als ein Familienfrühstück im Winter.
Küche zuerst?
Wozu wollen Sie das alles wissen?
Gerd Kallentin: Mit der Küche ist ein Fixpunkt gesetzt. Von hier aus lassen sich erste Bewegungs- und Blickachsen für diesen wichtigen Raum festlegen. Mit der Anordnung der Fenstertüren zum Garten hin hängt die Ausbildung der weiteren Nutzungsbereiche zusammen: Wo ist der ideale Platz für ein repräsentatives Sofa? Wieder die Frage nach dem Drinnen und Draußen:?Welche Ausblicke habe ich von diesem Sofa aus? Zur Küche, zum großen Esstisch mit den vielen Stühlen, raus bis ans Ende des Gartens – und an Winterabenden zum flackernden Kaminfeuer?
Wir nehmen uns in dieser Phase viel Zeit für die Erkundung der zu erwartenden Lebensabläufe in diesem Haus. Wie wichtig ist die große Runde mit vielen Gästen? Wie läuft sie ab??Wie oft kommt sie vor? Gibt es eine berufsbedingt besonders intensive Nutzung bestimmter Funktionen an den Wochenenden, die zu berücksichtigen wären? Das sind extrem wichtige Vorarbeiten, damit sich das Haus in den Dienst seiner Bewohner stellt: Man muss sich gedanklich auf jeden vorgesehenen Platz setzen, dessen Kommunikationspotenzial checken und die Wirkungen für den Familienalltag prognostizieren: Wenn jeder von seinen Tagespflichten auf Trab gehalten wird, muss eine Gelegenheit gegeben sein, wenigstens das Wochenende gemeinsam zu erleben. Da kann man als Architekt gar nichts falsch machen: Am Ende weiß man auch, wo der Eingang hingehört.
Zur Straßenseite?
Gerd Kallentin: Aber an welcher Stelle des Hauses? Das wissen Sie erst, wenn die zentrale Achse des Hauses feststeht. Die Eingangssituation wird oft unterschätzt. Sie bestimmt aber, welcher Eindruck vom Stil und von der Qualität des Hauses sich beim Betreten vermittelt.
Je höher, desto schicker?
Hängt der Eindruck von der Klasse eines Hauses nicht auch von der Raumhöhe ab? Die überkommenen Bauträger-Höhen von knapp 2,50 Meter folgen der Logik, möglichst viele Wohnetagen auf möglichst kleiner Grundfläche unterzubringen – das ist ja wohl das Gegenteil ambitionierter Einfamilienhausarchitektur.
Gerd Kallentin: So streitlustig würde ich das schon wegen immer noch gültiger baurechtlicher Vorgaben nicht formulieren. Wenn die örtlichen Bauvorschriften zum Beispiel entsprechende Traufhöhen zulassen, ist wegen der Proportionen für die angesprochenen großen Räume eine lichte Höhe von 3 Metern angemessen. Konsequenterweise folgen in unseren Planungen auch die Maße der Fenster und Türen den neuen Raumhöhen: 2,13 Meter statt der üblichen 2,01 Meter als Türhöhe wirkten hier einfach besser. Bodentiefe Fenster mit Rollläden sind heute 2,26 bis 2,50 Meter hoch.
Große Glas- und Fensterflächen machen ein Einfamilienhaus unbestritten zum Erlebnis. Könnte man wenigstens hier sagen: Viel hilft viel?
Gerd Kallentin: Nein. Ein extremes Glashaus hat extreme Energieprobleme: Mal heizt es sich durch die Sonne unerträglich auf, dann wieder muss man aufwändig zufeuern. Gerade an diesem Punk geht es ums Gefühl für das richtige Maß, für die richtige Stelle – und für gute Proportionen. Baurechtlich sind 1/8 bis 1/10 der Grundflächen für Glas vorgesehen. Das sagt erst einmal nur, dass ein Wohnhaus sinnvollerweise mehr geschlossene Außenwände als Glasflächen hat, folgt aber sowohl energetischen Notwendigkeiten als auch dem uns allen innewohnenden Urinstinkt nach der Geborgenheit der schützenden Höhle.
Harmonie durch Symmetrie?
Sie berufen sich auffallend oft auf das gebieterische Gesetz der Proportion. Gibt es das wirklich?
Gerd Kallentin: Selbstverständlich. Wie in der Physik die Goldene Regel der Mechanik existiert in der Architektur der Goldene Schnitt. Wenn Sie so wollen, eine der wenigen wissenschaftlich exakten Vorgaben für guten Geschmack. Damit lässt sich zum Beispiel das im Sinne der Wirkung auf den Betrachter „stimmige“ Verhältnis zwischen Breite und Höhe finden.
Entsteht diese „stimmige“ Wirkung nicht in erster Linie durch Symmetrie?
Gerd Kallentin: Das Auge sucht die Harmonie. Das kann auch auf dem einfachsten und direkten Weg durch Symmetrie erreicht werden. Muss aber nicht.
An Ihren Entwürfen fällt das gekonnte Spielen mit dem Nicht-Rechtwinkligen, oft auch mit runden Formen auf.
Gerd Kallentin: Es fasziniert mich immer wieder, welch überraschende Spannung eine überlegt platzierte Rundung in die naturgemäße Geradlinigkeit eines Hauses bringen kann. Die Treppe bietet sich dafür geradezu an. Sie ist ein exklusives Architekturelement. In den meisten Häusern nur ein einziges Mal einsetzbar, so sollte man diesen Solitär auch behandeln. Das betrifft nicht nur die Platzierung, sondern auch die Wahl der Form und des Materials der Treppe. Die konventionelle Massivholztreppe finden Sie in den von mir geplanten Häusern kaum noch.
Nicht wenige Ihrer Pläne setzen auch außen auf Rundungen.
Gerd Kallentin: Das Viereckige als Grundform ist vom Zuschnitt der Grundstücke wie von der klassischen Erwartung der Bauherren in Ordnung. Als alleiniges Stilmittel aber auch schnell ausgereizt, langweilig. Es ist ja nicht neu, dass man seinen Stil durch einen gekonnt gesetzten Stilbruch nicht zerstört, sondern betont. So geht mir das mit den Rundungen in der Welt des Eckigen. Ich freue mich sehr, dass Viertelkreise für die Gestaltung der Terrassen unserer Häuser in den letzten Jahren immer beliebter werden. Das bringt nicht nur optisch eine gewisse Exklusivität, sondern erweitert auch die Nutzungsmöglichkeit des Sonnenlaufs für das Hausinnere.
Entwerfen Sie eigentlich auch ganz normale Einfamilienhäuser?
Gerd Kallentin: Wenn Sie damit austauschbar beliebige Einheitsarchitektur meinen – da bin ich nicht der Richtige. Meine Kunden sind Bauherren mit Ansprüchen, Ambitionen und tollen eigenen kreativen Ansätzen. Und auch bereit zu den notwendigen finanziellen Aufwänden.
Was kostet bei Ihnen ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus?
Gerd Kallentin: Im Schnitt 280.000 Euro. Reine Baukosten, also Nebenkosten für Anschlüsse, Genehmigungen und Gebühren sind nicht dabei. Die Aufwendungen für den Grundstückserwerb auch nicht.
Wie groß sind die von Ihnen geplanten Häuser?
Gerd Kallentin: Ab 150 bis 300 Quadratmeter Wohnfläche, in neun von zehn Fällen mit Keller und Garage.
Landhaus passé?
Das Rheinland, wo Sie die Mehrzahl Ihrer Häuser bauen, gilt als klassische Domäne konventioneller Landhäuser. Sind Krüppelwalmdach, Sprossenfenster, Klinkerfassade Architekturschnee von gestern?
Gerd Kallentin: Für die meisten meiner Kunden schon. Die anspruchsvollere Klientel sucht ein zeitgemäßes Haus in der Vorstadt. Ein wenig exklusiv, modern, aber von gediegener Wertbeständigkeit. Weniger sollten Sie nicht verlangen. Jedenfalls nicht von mir.