Öko? Logisch!

Effizienzhaus 55 „Villingen-Schwenningen“ von OKAL

Wärmepumpen, Lüftungsheizungen und Solaranlagen verdrängen zunehmend Gas- und Ölanlagen. Doch bei der Flut von Angebotsalternativen, Förderprogrammen und Ökorechungen verliert man schnell den Überblick. Der neue „Heiztyp­navigator“ von OKAL und Buderus erstellt auf Knopfdruck Vergleiche – und führt aus dem Dickicht der Möglichkeiten. Wir zeigen drei Varianten mit allen Vor- und Nachteilen.

Das Zauberwerkzeug von OKAL heißt „Heiztypnavigator“. Glaubt man den Versprechungen von Projektleiter Oliver Dümcke, revolutioniert und vereinfacht der den modernen Hausbau. Die von OKAL in Zusammenarbeit mit Buderus entwickelte Software berücksichtigt sämtliche relevanten Bedingungen für eine effiziente und op­timal angepasste Heizungs­anlage.


Durch Einbeziehung aller Faktoren können auf Mausklick recht genaue Heizenergie­bi­lanzen für jedes von OKAL geplante Haus erstellt werden. Oliver Dümcke: „Diese um­fang­reichen Berechnungen sind selbst für einen Experten sehr zeitaufwendig, verursachen enorme Kosten und hätten zusätzlich den Nachteil, dass ein direkter Vergleich der einzelnen Heizungs­alternativen dennoch un­möglich ist.“


Der Clou der neuen OKAL-Idee: Man hat nicht nur sofort die entstehenden Inves­ti­tions­kosten im Vergleich, sondern auch die eingesparten CO2-Emissionen und die jährlich entstehende finanzielle Er­sparnis gegen­über einer einfachen Gas–Brennwerttherme. Ein weiterer Vorteil: Die jeweilige KfW-Förder­klasse wird mit der jeweiligen Heizungs­anlage sofort angezeigt.


Oliver Dümcke: „Das Tool dient dem Ver­käufer als Beratungshilfe bei der Ermittlung der optimalen Heizungs­kombina­tion. Das Revolutionäre und Praktische an dieser Software ist die Chance, dem Kun­den diese konkreten Zahlen zu präsentieren, bevor er bei uns einen Kaufvertrag unterschrieben hat. Das bietet nur OKAL.“ Dabei werden von der Software Fragen be­rücksichtigt wie: Legt der Kunde Wert auf Unabhängigkeit von Öl und Gas? Ist er bereit, höhere Investition­s­kosten für umweltfreund­liche Technologien zu tragen? Oder ist er doch eher konservativ und bevorzugt preiswerte, unkomplizierte und damit wartungsärmere Systeme?


Diese und andere Wün­sche der Bauherren werden im Ver­kaufs­ge­spräch analysiert und fließen mit in die Soft­ware ein. Das Ergebnis: Auf Knopf­druck er­hält der Verkäufer komplexe Be­rech­nungen der unterschiedlichen Kosten-, Nutzen- und Umwelt­bilanzen und kann so faktennah und kompetent argumentieren. Wir haben am Beispiel des neuen OKAL-Hauses „Villingen-Schwenningen“ drei mög­­liche Heizungs­kombinationen zusammengestellt, an denen zu erkennen ist, dass eindeutige Empfeh­lung­en nicht so leicht sind. An finanzieller För­de­rung gibt es für alle drei Varianten einen KfW-Kredit von 50.000 Euro mit 10 Jahren festem Zinssatz von 2,8 Pro­zent und einer Tilgung von 2,25 Prozent, oder 2,25 Prozent Zinsen bei einer Tilgung von 5.000 Euro pro Jahr.



Grundbegriffe für direkte Vergleiche


Jahresheizwärmebedarf

Dieser Faktor stellt die Wärmemenge dar, die in einem Raum bereitgestellt werden muss, um diesen auf der geforderten Raum­temperatur halten zu können. Man geht von einer Durchschnittstemperatur von 19 Grad Celsius aus.

Der Heizwärmebedarf ergibt sich somit aus dem Aufrechnen von Wärmever­lusten, die durch Transmission und Lüftung entstehen, zu den ­Wärme­gewinnen, die aus solarer Einstrah­lung und internen Gewin­­nen – durch elektrische Geräte wie Com­puter, Fernseher, Herd oder Lampen.


Jahresprimärenergiebedarf

Er beziffert die Energiemenge, die zur Ab­de­ckung des jeweiligen Endenergiebedarfs gebraucht wird. Unter Berücksichtigung der noch benötigten Energiemenge, die aus vorgelagerten Prozessketten, wie der Ge­win­nung, Umwandlung und Verteilung des je­weiligen Brennstoffes. Bei ökologischen Bewertungen, wie zum Beispiel CO2-Emissionen, wird die Primär­ener­gie eingesetzt, da hier der gesamte Energie­aufwand für die Gebäudeheizung beachtet wird.


CO2-Ersparnis (kg/Jahr)

Dieser Wert ergibt sich aus dem Vergleich zu den Emissionswerten einer Gas-Brenn­wert­therme. Hier wird nicht nur der entstehende CO2-Ausstoß während der Verbren­nung von Holz oder Gas, sondern auch die an­fallende Emission während der Herstel­lung und der Lieferung der Energie berücksichtigt. Eine Pelletsheizung beispielsweise hat deshalb eine niedrigere CO2-Emission, da das Holz während des Wach­sens eine bestimmte Menge Sauerstoff erzeugt hat. CO2 entsteht aber während des Pressens der Pellets und des Transports zum Haus.


Amortisierung der Heizungsanlage

Mit diesem Begriff sollte bei der Ent­schei­dungsfindung sehr vorsichtig umgegangen werden. Steigende Rohstoffpreise, War­tungsanfälligkeit, Ökobilanz der Anlage, unterschiedliche staatliche För­derungen, persönlicher Umgang mit Wärme (Raum­temperatur, Lüftung, Warm­wasser­verbrauch) verfälschen diesen Wert erheblich.

Eine Jahreszahl sagt nichts über spätere preisliche und vertragliche Ab­hängig­keiten von Energieversorgern aus.



Lüftungsheizung mit Trinkwasser­wärmepumpe


Das Prinzip:

Abluft wird aus den Feuchträumen wie Kü­che, Bad und WC sowie aus Hausanschluss- und Haus­wirtschaftsraum abgesaugt und durch das Zentralgerät nach außen geleitet. Gleichzeitig wird Frischluft von außen angesaugt und den Wohnräumen zugeführt. Eine Vermischung der Luftströme ist ausgeschlossen. Im Gerät wird die Energie der Ab­luft zunächst über den Wärmetauscher und dann über die Wärmepumpe auf die Zuluft übertragen. Zur Trinkwasserbereitung wird eine Trinkwasserwärmepumpe (Luft/Wasser) eingesetzt, die mit der Lüftungs­heizung ge­koppelt ist.


Investition Mehrausgaben: 8.410 Euro

jährliche Ersparnis Heizkosten: 254 Euro

CO2-Ersparnis pro Jahr: 1.473 kg

Jahresprimärenergiebedarf: 37 kWh

Amortisation mit Förderung: nach etwa 6 Jahren


Vorteil:

– durch kontrollierte Luftzirkulation optimales Raumklima, deshalb geringe Risiken, wie Bildung von Feuchtigkeit oder Schimmel im Wohnraum

– Unabhängigkeit von Öl- und Gasversorgern


Nachteil:

– höhere Betriebslautstärke (durch Schall­schutz behebbar)



Pelletskessel mit solarer Trinkwasser­erwärmung

Prinzip:

Aus Holzabfällen, wie Sägespänen oder Sä­gemehl, werden Pellets gepresst. Diese sind 10 bis 25 Millimeter lang und haben einen Durchmesser von 6 bis 12 Milli­meter. Der Ofen wird über eine elektrische För­der­schne­cke oder ein Ansaugsystem mit den Holz­­pellets versorgt. Diese verbrennen, ein Wärmetauscher erzeugt die nötige Heiz-Temperatur. Ein Solarkollektor heizt bei günstigem Wet­ter zusätzlich den Speicher für das benötigte Warmwasser auf.


Sole-Wärmepumpe mit solarer Trink­wassererwärmung

Prinzip:

Die Erdwärme wird durch eine Tiefen­boh­rung angezapft. Eine spezielle Sole fördert diese nach oben, und durch die Kom­pression der Sole/Wasser-Wärmepumpe wird die notwendige Heiztemperatur erreicht. Bei einer Fußbodenheizung ist nur eine niedrige Vor­lauftemperatur erforderlich. Unterstützt wird das System durch eine Solaranlage mit Brauchwassererwärmung für die Pufferung an sonnenstrahlungsarmen Tagen.


Investition Mehrausgaben: 20.000 Euro

jährliche Ersparnis Heizkosten: 529 Euro

CO2-Ersparnis pro Jahr: 1.573 kg

Jahresprimärenergiebedarf: 31 kWh

Amortisation mit Förderung: nach etwa 12 Jahren


Vorteil:

– sehr hohe Heizkostenersparnis

– Unabhängigkeit von Öl- und Gasversorgern

– geringer Platzbedarf


Nachteil:

– hohe Investitionskosten



Fazit

Die Wahl der effektivsten Heizungs­anlage ist nicht auf Anhieb eindeutig zu definieren. Der Kosten-Nutzen-Faktor ergibt oft erst einmal eine große Diskrepanz. In diesem Fall hat man mit der Pelletsheizung eine sehr preiswerte Alternative, aber mit der Lüf­tungs­heizung und der Wärmepumpe die Un­ab­hängigkeit von Rohstoffen in der Zukunft. Letztere ist allerdings vom In­ves­titions­aufwand erheblich.


Wer sich heute noch für eine Gas- oder Öl­heizung entscheidet, denkt eher kurzsichtig, denn Rohstoffe werden knapp und damit teurer. Die neuen Techniken sind sicherlich von ihrem Wirkungsgrad noch nicht am En­de ihrer Entwicklung, stellen aber die einzige (öko-)logische Alternative dar. Genau darin scheint OKAL seinen Kon­kurrenten voraus zu sein. Sicher kann ein erfahrener Ver­käufer aus dem Bauch heraus schätzen, aber der neue „Heiztypnavigator“ zeigt wesentlich ge­nauer, welche Technik zum jeweiligen Haus und dessen Bauherren passt. Und: Wer ist schon gleichzeitig genialer Verkäufer, Umwelt­experte, Architekt und Bauingenieur? Als letztes Universalgenie, das den gesamten Wissens­schatz der Menschheit für sich er­schlossen haben soll, wird in der Regel Gott­fried Wilhelm Leibniz (1646–1716) genannt. Der heizte übrigens auch mit Holz.


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