buedenbender / klassisch-modernes kundenhaus
Man muss nicht lange rätseln, welcher Architekturidee die Hausherren gefolgt sind. Die Klassische Moderne hat bis...

Eine weiß verputzte Kubatur, unterbrochen von großen, dunklen Fensterrahmungen und Flachdach, ist eine Variante von Bauhaus-Architektur, die sich aber ebenso bunt zeigen und Rundungen aufweisen kann. Der Stil der Moderne polarisiert, bis heute. Die Architektur des Bauhauses steht weitgehend für die klassische Moderne und besitzt nach wie vor Anziehungskraft und Vorbildfunktion für Generationen von Architekten.
Der Einfluss der Lehranstalt ist so bedeutend, dass mit dem Begriff „Bauhaus“ oft auch eine Parallele mit der Moderne in Architektur und Design gezogen wird. Aus kunsthistorischer Sicht ist dies allerdings heikel: den Bauhausstil und die Entwicklungen in Deutschland abgekapselt zu behandeln und „Bauhaus“ als Stilbegriff, als Architektur- oder Möbelstil, zu handhaben. Die Institution Bauhaus war keine reine Architekturschule. Architektur spielte am Bauhaus nur eine untergeordnete Rolle. Eine Synthese von Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk unter einem Dach war angestrebtes Ziel. Erst 1927 wurde eine eigene Architektur-Abteilung eingerichtet.
Einen spezifischen Bauhaus-Stil hat es in der 14-jährigen Existenz der „Schmiede der europäischen Moderne“ nie gegeben. Die Bauhäusler hätten sich auch dagegen verwahrt. Variationen der Moderne: Vom esoterischen Expressionismus über die weiße Eleganz eines Walter Gropius oder Erich Mendelsohn hin zur Vielfarbigkeit Bruno Tauts und zur dunklen Extravaganz eines Mies van der Rohe – dies alles demonstriert die Mannigfaltigkeit der architektonischen Bauhausidee.
Doch die künstlerische Vielfalt und die reale Umsetzung der Gebäude standen im gegensätzlichen Verhältnis: Das Bauhaus hatte insgesamt nur 1.250 Schüler. Außerdem wurde kaum etwas konzipiert, das auch tatsächlich realisiert wurde. Und die verwirklichten Häuser sorgten wegen Bauschäden und überzogenen Budgets nicht nur für Begeisterungsbekundungen. Trotz solcher Querelen erfuhr die am Bauhaus ausgebildete Ästhetik internationale Verbreitung.
Was versteht man unter dem „Erbe Bauhaus“, wie mit ihm verfahren?
Prof. Eckardt: Das Bauhaus der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat eine Vielzahl verschiedener Impulse und Ideen für die Stadt der Moderne entwickelt, die maßgeblich auch die Architektur, das Produktdesign und den Städtebau beeinflusst haben. Auf einen Nenner gebracht, kann man vielleicht sagen, dass das Bauhaus eine Antwort gibt auf die Frage, wie anspruchsvolles Wohnen und Leben in einer Massengesellschaft möglich sein kann. Heute gilt es, im gleichen Geiste für eine veränderte Gesellschaft diesem Anspruch gerecht zu werden. Das Bauhaus des 21. Jahrhunderts sollte deshalb kein Museum werden, sondern eine lebhafte Anstrengung für eine lebenswerte Stadt der Zukunft.
Das Klischee der weißen Architektur funktioniert bis heute, das lag auch an der Schwarz-Weiß-Fotografie von damals. Woher rührt das „Missverständnis in Weiß“?
Prof. Eckardt: In der Abkehr von bis dahin bestehenden Architekturformen, die zumeist einen bürgerlichen Lebensstil nachahmten, entwickelte die moderne Architektur jener Jahre neue Formen und Farben. Mit denen sollte ein fortschrittlich gedachtes, rationales und transparentes Wohnen möglich werden. Die Farbe Weiß wurde hierfür als Ausweis gesehen, sie ist aber keineswegs für das gesamte Bauhaus als unumstrittenes Charakteristikum anerkannt worden.
Auch das Flachdach, ebenfalls häufig dem Bauhaus zugeschrieben und mit ihm in einen Kontext gestellt, war nur ein Ausdruck der Bauhaus-Bewegung. Die ausschweifenden Feste am Bauhaus waren berühmt und berüchtigt. Mütter drohten ihren rebellischen Kindern mit den Worten: „Wenn du jetzt nicht brav bist, kommst du ins Bauhaus.“ Was hat den Ruf des Bauhauses so ruiniert?
Prof. Eckardt: Das Bauhaus brach mit vielen tradierten Vorstellungen über Architektur, Kunst, Gestaltung und Gesellschaft. Es war eine Avantgarde, die sich aufmachte, um mit Experimenten nach neuen Wegen zu suchen. Dies fiel in eine Zeit, als Deutschland sich durchaus noch traditionell und konservativ gegenüber der kulturellen Moderne verhielt. Das Umfeld, insbesondere in Thüringen, war von Anfang an gegenüber solchen Experimenten und wohl auch gegenüber der Lebensweise der Bauhäusler eher negativ eingestellt. Anfängliche Toleranz schlug schließlich in offene Ablehnung, Vertreibung und am Ende in politische Verfolgung um.
Wohnen für die „Massen“ lautete ein Konzept. Gibt es Quellen, die von der Zufriedenheit oder dem Missfallen der Bewohner von Bauhaus- Siedlungen zeugen?
Prof. Eckardt: Es sind ja leider nicht viele Wohnsiedlungen von den Protagonisten gebaut worden. Im Geiste der modernen Architektur, in der das Bauhaus aber nur eine Stimme war, wurden dagegen zahlreiche Siedlungen errichtet, etwa die May-Siedlungen in Frankfurt. Diese waren für die damalige Zeit fortschrittlich und auch beliebt. Problematisch wurde es erst, als nach dem Zweiten Weltkrieg für eine vollkommen veränderte Gesellschaft dieses Konzept im großen Stil dann ohne Rücksicht auf die neuen Bewohnerwünsche realisiert wurde.
Ist mit der Bauhaus-Architektur nicht eigentlich alles gesagt? Und ist dies nicht das Dilemma eines Architekten von heute? Wo liegen die Chancen des Neuen: im Material, in Bauaufgaben ?
Prof. Eckardt: Das Bauhaus stellt wahrscheinlich mehr Fragen, als es Antworten gibt. Damit erfüllt es aber eine sehr wichtige Funktion in der Architektur. Es darf nicht wieder passieren, dass an den Menschen vorbei geplant wird, nur weil man einmal ein Konzept gefunden hat, was vermeintlich die ewige Antwort für den Städtebau beinhaltet. Heute muss das Bauhaus fragen: Wie können wir Städte ökologisch nachhaltig, sozial stabil, im demokratischen Einvernehmen mit den Betroffenen und architektonisch anspruchsvoll bauen?
Das Bauhaus: Weimar – Dessau – Berlin
Die Schule für Architektur, bildende Kunst und Kunsthandwerk, die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wird, gilt als neuartig und kühn: Gropius will nicht nur die Einheit zwischen den visuellen Künsten und dem Handwerk wiederherstellen. Sein Ziel ist es, diese Symbiose in die moderne industrielle Welt zu integrieren, um so ihre Klarheit, Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit zu demonstrieren. 1925 siedelt das Bauhaus in den von Gropius errichteten Bau nach Dessau um. 1928 wird der Schweizer Architekt Hannes Meyer neuer Direktor. Mit der Devise „Wohnmaschinen statt Kathedralen" intensiviert er die Zusammenarbeit mit der Industrie. 1930 folgt Mies van der Rohe als Leiter der Bauakademie. 1933 wird die Institution von den Nationalsozialisten zur Selbstauflösung gezwungen. Viele Architekten, so van der Rohe, Gropius oder Mendelsohn, emigrieren in die USA. Paradoxe Konsequenz: Die Schließung der Schule verhilft indirekt zur Verbreitung der Bauhausideen. Sie gilt bis heute weltweit als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Künste.