Das dicke deutsche Hausbuch 2012
Alles über gute Einfamilienhäuser. Die wichtigsten Schritte auf dem Weg ins eigene Haus. Architekturentscheidungen,...
Wohnhäuser aus der Zeit der (vorigen!) Jahrhundertwende haben oft den besonderen Charme bester Innenstadtlage, Stil und Charakter – geraten in den meisten Fällen aber an ihre Grenzen, wenn den Bewohnern der Raum darin zu knapp und zu eng wird. Das Glück nähte in diesem Fall mit doppelter Naht: zum Ersten, weil auf dem Grundstück überhaupt noch Platz für einen genehmigungsfähigen Anbau war.
Zum Zweiten fanden die Besitzer des Hauses in Matthias Freimuth von Livinghouse einen Auskenner, dessen Herangehen an Architektur weniger von Äußerlichkeiten wie der Fassade herrührt, sondern vom Kern des Ganzen, vom Innersten kommt: dem Raumdesign.
Die Auftraggeber wünschten den Erweiterungsbau als lupenreinen Sprung in die moderne Architektur, mit frischer, geradlinig klarer Formensprache, dezenten Farben, wertigen Materialien. Livinghouse dachte sich einen eingeschossigen Kubus mit raumhohen Fenstern aus, angedockt an eine der Schmalseiten des alten Gebäudes.
Die offene Küche mit zentralem Kochblock und Funktionswand ist mit dem Ess- und Wohnbereich zu einem großen Livingroom verbunden, optisch betont durch den durchgängig warmen Merbau-Ton des Holzfußbodens.
Wenn man den Raumdesigner Matthias Freimuth nach seinen Idealvorstellungen von einem modernen Bad fragt, gleicht die Antwort einem Postulat: „Das Maximum an Emotionen mit Funktionalität und Flexibilität verbinden. Ohne dabei aus dem Gleichgewicht zu geraten.“ Im vorliegenden Fall schiebt sich das Bad aus dem Altbau in das neue Bauteil, was die opulenten 28 Quadratmeter für diesen wichtigen Raum ermöglichte. Gegliedert in mehrere offene Bereiche, folgt es dem Raum-im-Raum-Konzept. Waschtisch, WC und frei stehender Badewanne wurde der zentrale Platz zugewiesen.
Der extralange Waschtisch ist eine Spezialanfertigung. Trotz seiner stattlichen Größe wirkt er eher schwebend als wuchtig. Die großen Ablageflächen rechts und links sind mit robustem, trotzdem edel wirkendem Mineralwerkstoff beschichtet. Der Dusche mit dem bündig eingelassenen Boden wurde eine geräumige Nische zugesprochen. Eine Wandscheibe separiert sie vom übrigen Raum. So entstehen rechts und links davon Zugänge zur Dusche; Glastüren oder ähnliche Abtrennungen sind unnötig.
Für den Boden im Bad wurden großformatige (60 x 60 Zentimeter) anthrazitfarbene Steinzeugfliesen mit einer verblüffenden Textiloptik an der Oberfläche gewählt. Travertintöne geben dem Ambiente farblichen Schliff, sie gehören zu Matthias Freimuths bevorzugten Farben. Die von ihm ausgewählten Bodenfliesen harmonieren in diesem Bad mit einem travertinfarbenen Wandputz von erkennbarer Raffinesse, der auch in der Dusche verwendet wurde. Mit Kalkmarmor-Presstechnik bekommen solche Wände eine glatte, wasserdichte Putzoberfläche mit mattem Glanz und feiner Marmormaserung. Highlight im besten Sinn des Wortes ist das Lichtkonzept für dieses Bad: so hell, so weitläufig – dabei nur ein einziges kleines Fenster.