Holz: Die wachsende Alternative

Holz: Die wachsende Alternative

Die Zukunft baut auf Holz. Einst brachten deutsche und englische Zimmerleute den Holzbau nach Amerika, wo er bis heute boomt. Durch technische Entwicklungen und wegen seiner hervorragenden Öko-Bilanz erlebt Holz auch in Deutschland seit Jahren eine Renaissance.

In Berlin entsteht gegenwärtig zum Beispiel das erste Stadthaus ganz aus Holz – ein siebengeschossiges innerstädtisches Mehrfamilienhaus, nach den Plänen des innovativen Berliner Architekturbüros Kaden + Klingbeil. Bis auf zwei interne Versorgungsschächte ist das Wohnhaus, das eine Baulücke im Stadtbezirk Prenzlauer Berg schließt, vollständig in Holzbauweise konstruiert. Sein Tragwerk besteht aus Brettschichtholz ebenso wie Außenwände und Geschossdecken. Das städtische Gebäude ist ökologisch zukunftsweisend, da es, gefertigt aus einem nachwachsenden Rohstoff, eine sehr viel günstigere Kohlendioxid-Bilanz aufweist als herkömmliche Materialien.


Hand ans Holz!


Holz ist nicht gleich Holz, wenn es um seinen Einsatz im Garten, auf Balkon, an Terrasse oder Teich geht. Generell sollten außen nur widerstandsfähige Arten wie Eiche, Lärche und Kiefer eingesetzt werden. Bei richtiger Behandlung und einem Minimum an Pflege halten Fassadenverkleidungen, Balkone oder Fenster aus Holz nach Angaben des Holzabsatzfonds aus Bonn, der Absatzförderungsorganisation der deutschen Forst- und Holzwirtschaft, „der Witterung über Jahre problemlos Stand“. Fachkundig geplanter Holzbau benötigt keinen chemischen Holzschutz. Feuchteschutz im Außenbereich sichern heute intelligente Konstruktionen.


Das Haus schützt sich quasi selbst vor Nässe. Dafür sorgen zum Beispiel:


  • hinterlüftete Fassadenverkleidungen als Schlagregenschutz oder Putz auf Wärmedämm-Verbundsystem;
  • große Dachüberstände, die Regenwasser von den Hauswänden fernhalten;
  • luftdichte Gebäudehüllen zur Vermeidung des Feuchteeintritts in die Konstruktion;
  • ausreichender Abstand des Holzes vom Erdreich (Spritzwasserbereich);
  • sorgfältige Dichtung von innen liegenden Wasserrohren und Rohranschlüssen;
  • Selbst die Grundschwelle auf der Betonbodenplatte kann frei von jedem chemischen Holzschutz bleiben, wenn Kernhölzer wie Lärche oder Eiche verwendet werden.


Bei der Auswahl der Hölzer sollte auf ihre künftige Verwendung geachtet werden:


  • Haben die Holzbauteile eine statische Funktion?
  • Sind sie direkt Wind und Wetter ausgesetzt?
  • Stehen sie in ständigem Kontakt mit Erdreich und Wasser?

Für Holzteile, die direkt in die Erde kommen (Palisaden, Holzpflaster, Zaunpfosten, Beetrollis und Unterkonstruktionen von Terrassen), empfehlen sich die dauerhaften Holzarten Robinie, Eiche oder Lärche. Sie halten ohne ergänzende Schutzmaßnahmen auch starken Witterungs-Beanspruchungen stand. Bei Nadelholz wie Fichte, Tanne, Kiefer und Douglasie hat sich gegen Feuchtigkeit die Kesseldruckimprägnierung bewährt. So behandelte Produkte sind am RAL-Gütezeichen „Imprägnierte Holzprodukte" zu erkennen.


Das Berliner Beispiel ist längst kein Einzelfall: Die hiesige Holzbauquote bei Neubaumaßnahmen ist 2005, dem vorläufig jüngsten Jahr mit vollständigen Angaben, um 1,1 Prozent gestiegen – so das Ergebnis einer Studie der Heinze Marktforschung. Die überwiegend mit Holz errichteten Gebäude nehmen in Deutschland nun einen Anteil von 13,8 Prozent am Hochbau ein. Der natürliche Rohstoff setzt damit den positiven Trend der vergangenen Jahre fort. Nach wie vor stark ist das Marktsegment der Eigenheime: Ein Zuwachs von 1,1 Prozent steigert den Anteil des Holzbaus hier auf 13,8 Prozent. Die besten Quoten erreicht tendenziell Süddeutschland. Bei den Eigenheimen bleibt Baden-Württemberg mit 21,7 Prozent deutscher Vorreiter, gefolgt von Rheinland-Pfalz (19,8).



Wetterunabhängig bauen


Wer mit Holz baut, spart Zeit und Geld. Er muss keine Rücksicht auf schlechte Jahreszeiten, Witterungsfeuchte und Bautrocknungszeiten nehmen. Ganze Bauteile wie Wände, Dächer und Decken können inklusive Fenster und Türen in der trockenen Werkhalle präzise vorgefertigt und an Ort und Stelle rasch montiert werden. So reduzieren sich Bauzeiten und Kosten. Der Rohbau eines Holzhauses kann binnen 48 Stunden stehen. Dabei handelt es sich um kein Haus von der Stange, sondern um ein individuelles, nach eigenem Wunsch entworfenes.


Moderne Holzbauweise ist äußerst effizient, technisch ausgereift, vielseitig und obendrein ansprechend. „Das geringe Eigengewicht von Holz bei extrem hoher Tragfestigkeit zahlt sich in barer Münze aus“, sagt Architekt Tom Klingbeil vom Architekturbüro Kaden + Klingbeil. Der Holzbau bietet wegen seiner kostengünstigen Veränderbarkeit auch gute Voraussetzungen, um Gebäude jederzeit veränderten Lebensumständen und Ansprüchen anzupassen. So können nachträglich ohne großen Aufwand Wände versetzt oder entfernt werden. Weiterer Vorteil: Wände aus Holz sind schlanker als Mauerwerk, da sämtliche Dämmmaterialien für Schall- und Wärmeschutz im Wandaufbau untergebracht werden. Das führt zu einem Wohnflächengewinn von bis zu zehn Prozent gegenüber massiven Bauweisen.


Hohe Qualitätsstandards


Keine zweite Bauweise hat eine so gute und flächendeckende Qualitätssicherung und Güteüberwachung wie der Holzbau. Alle Firmen unterliegen einer Eigen- und Fremdüberwachung. Darüber hinaus sind zahlreiche Unternehmen freiwillig Mitglieder in Güte- und Qualitätsgemeinschaften. Deswegen stufen viele Banken und Kreditinstitute Holzhäuser bei der Wertermittlung inzwischen sogar höher ein als andere Bauweisen. „Immer mehr Banken berücksichtigen bei der Beleihung und Finanzierung, ob die Errichtung eines Hauses unter einem Qualitätssicherungssystem erfolgt. Und dies ist bei Holzbauten eher der Fall als im traditionellen Massivbau“, erklärt Professor Stefan Winter von der Technischen Universität München.


Guter Brandschutz


Auch der Brandschutz ist für den Bauherrn kein Grund, auf ein Holzhaus zu verzichten. Es erfüllt wie alle anderen Bauweisen die Brandschutzanforderungen. Holz wird in der Regel mit nicht brennbaren Gipsplatten verkleidet. Aber auch massive Bauteile, wie Balken und Stützen, brennen bis zum Eintreffen der Feuerwehr nicht ab. Sie verkohlen lediglich an der Oberfläche. Holzfenster wirken sich im Brandfall ebenfalls günstig aus, da sie nicht zerfließen und weniger Qualm entwickeln.


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