Hoch hinaus – mit der Roto-Bodentreppe

Fotos: Roto Frank AG

Sie steckt heute in Millionen Häusern und ist doch erst 78 Jahre alt

Es gibt wohl nur wenige Tüftler, die gleich mit mehreren augenscheinlich unspektakulären, aber unseren Alltag prägenden Ideen aufwarten können. Zu ihnen gehört zweifelsfrei Wilhelm Frank. Als schwäbischer Erfinder par excellence gründete er mit dem Roto N Dreh-Kipp-Beschlag 1935 auch gleich seine erste Firma, damals noch als Einmannbetrieb. Zugleich avancierte er zum Pionier in diesem Bereich: Frank war der Erste, der einen Drehkipp-Beschlag in industrieller Fertigung herstellte. Die Idee dahinter war ebenso einfach wie genial: Mit einer Stahlkonstruktion ausgerüstet, konnten Fenster erstmals nicht nur gedreht und geöffnet, sondern auch in eine gekippte Stellung gebracht und der Raum über den entstehenden Spalt gelüftet werden. Ohne den Mechanismus würden wir vielleicht bis heute unsere Fenster nachts nur ganz öffnen können – so, wie es für unsere Großeltern noch Normalfall war.

Die Erfindung des Fensterbeschlags war erst der Anfang. Zwei Jahre nach Markteinführung des Roto N stellte der bodenständige

Vordenker Frank auf der Leipziger Messe 1937 eine weitere Weltneuheit vor: Die Roto-Bodentreppe. Schnell wurde sie zum Gattungsbegriff und setzt, als des Tüftlers größte und am meisten verbreitete Erfindung, bis heute Maßstäbe. Mit diesem praktischen, platzsparenden Alltagshelfer schloss Frank eine weitere Marktlücke: Er hatte erkannt, dass eine ungenutzte Bodentreppe schnell zum Staubfänger und damit zum Ärgernis wird. Kurzerhand verbannte er sie auf den Dachboden, in die Nachbarschaft von Kartons, Schlitten und anderen aus Sichtweite entfernten Dingen. Die Roto-Bodentreppe war schon damals so ausgereift, dass sie – abgesehen von der verbesserten Dämmung –, im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert wurde. Noch immer wird die Konstruktion aus Holz als zwei- oder dreiteilige Schiebetreppe mit optionalem seitlichem Brüstungsschutz gefertigt und mit einem Stock geliefert, an dessen Ende sich ein Haken zum Herunter-ziehen aus der Bodenluke befindet.



Im Jahre 1968 hatte Wilhelm Frank eine weitere große Idee und erfand mit dem Roto Wohndachfenster die weltweit erste Dachfensterkonstruktion zum Kippen. Jedes heute aufklappbare Dachfenster geht also auf ihn zurück. Inzwischen ist die Roto Frank AG ohne Fusionen oder hektischen Aktionismus solide groß geworden. Ihr Stammsitz ist Bad Mergentheim, wo sie für 700 Mitarbeiter Arbeitsplätze bietet. Europaweit arbeiten inzwischen 1.200 Menschen für das Familienunternehmen. Die Produktpalette umfasst Fenster- und Türbeschläge sowie Wohndachfenster und Solarsysteme. Die gesamte Treppenproduktion findet seit 1968 unter dem Dach der in die Firma integrierten Columbus Treppenmanufaktur GmbH statt. Dieses Unternehmen stellte einst das größte Konkurrenzprodukt zur Bodentreppe her – die Scherentreppe. Hinter dem interessanten Namen steckt eine Metallbodentreppe, die sich wie eine Ziehharmonika öffnen und schließen lässt und Raumhöhen bis zu 4 Metern abdeckt. Dank der Integration des Konkurrenten Columbus werden heute in Neusäß die unterschiedlichsten Treppenformen traditionell in Handarbeit in der Hightech-Maschinen Manufaktur hergestellt. Hier produzieren 70 Mitarbeiter neben der klassischen Bodentreppe auch Spindel-, Außen-, Wangen und Flachdachausstiegstreppen. Eine der ersten Roto-Treppen von 1938 ist heute im Gebäude der Firma zu besichtigen. Sie war noch bis 2005 in Betrieb – und durfte erst zehn Jahre vor dem 80-jährigen Firmenjubiläum der Roto AG in Rente gehen – als Ausstellungsstück.


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Lesen Sie den ausführlichen Bericht ab Seite 124 in der Ausgabe November/Dezember 2015 mein schönes zuhause°°°


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