Hausbau-Planung: Welche Treppe passt zu welchem Haus?

Begehbares Glas kann im Innenbereich sowohl ästhetische als auch raumbildende Funktionen übernehmen. Wie bei dieser Treppe.

Treppauf, treppab – kaum etwas wird im Eigenheim so intensiv in Anspruch genommen wie die Treppe. Sie verbindet rein funktional gesehen mehrere Etagen miteinander. Doch sie ist mehr: Spiegelbild des guten Geschmacks. Material, Design und Formgebung geben deutlich sichtbar den Stil des Bauherrn wider.

Stufe für Stufe bildet sie das Herzstück jedes Hauses. In der Vergangenheit hatten Treppenhäuser neben ihrem praktischen Nutzwert durchaus auch repräsentative Ansprüche zu erfüllen. „Zeig mir dein Treppenhaus und ich sag dir, wer du bist“ – getreu diesem Motto ließ sich früher bereits an der Treppengestaltung der soziale Status der Bewohner ablesen.


Die hochherrschaftliche „Beletage“ unterschied sich deutlich sichtbar von den engen Stiegen einfacher Behausungen. Heutzutage sind es eher die feinen Unterschiede, auf die es ankommt – die Formgebung, die Qualität des Belags und die Wandgestaltung beispielsweise. Dabei ist längst nicht jede Treppenform für jeden Zweck geeignet.


Für alle Anforderungen


Ganz pragmatisch bezeichnet der Baufachmann die Treppe als „Erschließungsbauteil“. Welche Form die Treppe haben soll, hängt meist vom vorhandenen Raum ab. Grundsätzlich unterscheidet man gerade, gewendelte und Podest-Treppen. Die gerade Treppe ist die einfachste Form, die zudem einen geringen Platzbedarf hat und relativ schmal ausgelegt sein kann. Eine viertelgewendelte Treppe beschreibt eine 45-Grad-Kurve mit schräg angeschnittenen Treppenstufen, die sich am Antritt, am Austritt oder in der Mitte der Treppe befinden

kann.


Eine halbgewendelte Treppe beschreibt eine 90-Grad-Kurve. Daneben gibt es natürlich noch komplett gewendelte Varianten, die echte „Wendeltreppe“ etwa, die schneckenförmig verläuft – in hochwertigen Materialien realisiert, kann sie wiederum zu einem echten Blickfang werden, beispielsweise in Penthouse-Wohnungen.


Bei einer Podesttreppe befindet sich, wie der Name schon sagt, ein ebenes Podest an der Stelle, an der eine Kurve verläuft. Der Platzbedarf ist bei diesem Typ etwas größer, dafür ist sie wegen der durchgängig geraden Treppenstufen bequemer und trittsicherer zu begehen. Wer neu baut, muss sich also vorher genau überlegen wie und wo die Treppe stehen soll. Nachträgliche Änderungen vorzunehmen, wird richtig teuer.


Die schnellste und einfachste Variante im Neubau ist die Elementtreppe. Dabei handelt es sich um eine Rohbautreppe, die im Werk vorgefertigt und im Haus lediglich noch eingebaut wird. Schalungsarbeiten oder Behelfstreppen sind somit überflüssig, sie kann sofort genutzt werden und verkürzt wesentlich den Bauablauf.


Ebenfalls häufig im Hausbau verwendet wird die massive Laufplattentreppe. Auf eine Laufplatte aus Stahlbeton werden Stufenkeile aufgelegt oder direkt auf das Konstruktionselement betoniert. Mit am häufigsten werden im Haus so genannte Balkentreppen eingebaut. Dabei werden auf einen mittleren oder zwei seitliche Tragbalken beispielsweise aus Holz oder Beton Stufen aus Betonstein, Holz oder anderen Materialien aufgelegt.


Die Wangentreppe ähnelt dieser Form. Statt der Tragbalken kommen hier zwei Wangen zum Einsatz, zwischen denen die Stufen an beiden Seiten befestigt werden. Diese Konstruktion besitzt im Unterschied zur Balkentreppe geschlossene Stufen. Bei einer Tragbolzentreppe werden die meist aus Betonwerkstein hergestellten Stufen auf der einen Seite in der Mauer verankert und auf der anderen Seite über Stahltragbolzen verbunden. Diese Variante lässt sich auch frei tragend mit beidseitigen Tragbolzen oder als Wendeltreppe mit einer innenliegenden Spindel ausführen.


Optisch interessant und luftig wirkt wiederum die Kragtreppe. Einzelne Stufen oder eine Laufplatte werden auf einer Seite in die Wand oder eine Spindel eingespannt und ragen auf der anderen Seite offen ins Freie – sie „kragen aus“, im wahrsten Sinn des Wortes.



Materialien auswählen


Besonders für Bauherren, die viel Eigenleistung einbringen möchten, ist die Blockstufen- oder Blocktreppe interessant. Vorgefertigte Stufenelemente lassen sich in beliebiger Form mit dem Mauerwerk verbinden und sofort als Bautreppe nutzen. Den endgültigen Belag erhält sie wie die Elementtreppe beim Innenausbau.


Element, Laufplatten- oder Blockstufentreppen aus Beton sind in der Regel massive geschlossene Konstruktionen und geben bei der Wahl des abschließenden Belags volle Gestaltungsfreiheit. Holz, Naturstein, keramische Fliese, Teppichboden, Linoleum, Kork oder preiswertes PVC: Hier geht so gut wie alles.


Doch auch Beton kann sichtbar eingesetzt werden. Gefärbt, geschliffen, poliert oder einfach pur ist Sichtbeton derzeit ein Liebling der Innenarchitekten. Bei anderen Treppenkonstruktionen muss man sich frühzeitig entscheiden, da tragende Bauteile und Stufen sichtbar sind. Zur Wahl steht aber auch hier Vielfalt: natürlich der Klassiker Holz, aber auch Edelstahl, verzinktes Metall und sogar Glas als Stufenmaterial sind

zu finden.


Generell sollte bei der Materialwahl auch die künftige Nutzung berücksichtigt werden. Wo Kinder und Haustiere tagein tagaus auf der Treppe toben, sind harte Holzer, Fliesen oder Naturstein eine gute Wahl. Eine Wendeltreppe im Loft, die den Zugang zum Schlafbereich gewährt, verträgt bei geringer Beanspruchung auch empfindlichere Materialien.


Generell liegen im Eigenheim Massivholztreppen im Trend – sowohl ihrer Robustheit als auch der Optik wegen. Kombinationen mit anderen Materialien sorgen für dabei für interessante Kontraste, etwa mit matt verchromtem Stahl, Edelstahl oder Glas für das Geländer. Wenn es um eine Holztreppe geht, ist Kiefer aufgrund ihrer Eigenschaften besonders gut geeignet. Die langen Fasern sorgen zugleich für Elastizität und Festigkeit.


Wichtig ist dabei, dass das natürliche Baumaterial aus unbedenklichen Quellen stammt und zum Schutz der Wälder beiträgt. Dafür steht zum Beispiel das PEFC-Label. In PEFC-zertifizierten Wäldern wird nicht mehr Holz eingeschlagen als nachwächst, der Wald wird als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie für den Klimaschutz erhalten.



Robust und leise – beides geht


Doch nicht immer muss es Echtholz sein: Oberflächen aus Laminat, Linoleum oder Kork bieten vielfältige Möglichkeiten der Treppengestaltung, passend zum Einrichtungsstil des Hauses und dem eigenen Geschmack. Noch mehr Gestaltungsfreiheit und Individualität geben unterschiedliche Vorderkanten, die mit einem elegant geschwungenen oder einem geraden Abschluss der Treppenstufen vom Fachhandel angeboten werden. Sie sind passend zu allen Oberflächen verfügbar und können mit oder ohne Antirutschgummi gewählt werden.


Passend zur Farbe des Treppenbelags fällt ein Antirutschgummi kaum auf und gibt spürbar mehr Trittsicherheit. Ein weiteres sinnvolles Extra ist ein eingebauter Trittschallschutz, der Laufgeräusche vermindert. Knarrende Stufen gehören der Vergangenheit an.


Mit etwas Planung steht also einem sicheren, geräuschlosen und obendrein eleganten Aufstieg im eigenen Haus nichts mehr im Wege ...


Oliver Schönfeld

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