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Eine Stadtvilla sollte innen wie außen überzeugen. Wie dieser Entwurf „Köln“ von Fingerhut.

Die Eheleute machten eine Entdeckung, die sie selbst verblüffte: Als die Töchter Melanie (heute 27) und Nicole (25) so weit waren und das Elternhaus verließen, hegten der Verleger Dr. Jörg Stiebner (58) und seine Frau Karen (58), gebürtige US-Amerikanerin aus Philadelphia und ausgebildete Lehrerin, nochmals Baupläne. Aber anders als gedacht („Falls wir noch mal bauen, dann bestimmt kleiner.“), zeigte sich, dass Erwartungen nicht schrumpfen, bloß weil man die 50 überholt hat. Im Gegenteil.
Das Haus, in dem die Kinder groß geworden und alle vier über zwei Jahrzehnte glücklich gewesen waren, stieß immer öfter an Grenzen seiner Möglichkeiten. Stiebners nahmen sich Zeit. Sie wussten: Wenn das Fundament der Stadtvilla gedanklich nicht steht, wird die beste Baufirma nicht helfen. Hand in Hand mit der Grundstücksuche in einem Münchner Vorort vervollständigten Karen und Jörg Stiebner Punkt für Punkt ihre Checkliste: wie das neue Haus sein, was es enthalten, wo der Kamin stehen, wohin die Terrasse reichen sollte.
Die Liste wuchs. Sie widerspiegelte, dass reife Menschen ausgereiftere Wünsche haben. Dennoch: Frau Stiebner, seit 35 Jahren in Deutschland, verspürte in dieser Phase „manchmal auch Angst, ob wir wirklich alles richtig machen. Wo deutsche Freunde besorgt fragten, wieso wir ,in unserem Alter‘ noch einmmal bauen wollten, wunderten sich die amerikanischen Landsleute, dass wir‘s längst nicht wieder getan hatten.“ Zwei-Länder-Ehen erlauben manchmal Vergleiche, in denen deutsche Vorsicht nicht automatisch glänzend abschneidet.
Karen Stiebner durchpflügte Bau- und Wohnzeitschriften. Dabei sah sie erst einen Beitrag über die 2005 mit dem Deutschen Fertighauspreis gekrönte Stadtvilla von Haacke und mit ihrem Mann in Kleinmachnow bei Berlin bald darauf die Musterhaus-Villa in Lebensgröße. Der Entwurf gefiel beiden auf Anhieb. Grundriss und Anmutung kamen Frau Stiebner geradezu wie eine Kopie ihrer Gedankenskizzen vor – schön, wenn Leben und Traum sich so verlieben und nicht aneinander vorbeigehen.
In Bauberatung und -ablauf bestätigte der Fertighausanbieter Haacke den starken Anfangseindruck. Auf- und Innenausbau der Villa „gingen deshalb schnell und schlank durch“, wie Dr. Stiebner sagt. Die Zeit vom Richten des Hauses Mitte Juni 2006 bis zum Einzug im Oktober war angenehm kurz. Das Montage-Team aus Celle, wo das auf Klasse gepolte Familienunternehmen Haacke zu Hause ist, habe „absolut eingespielt und kompakt gearbeitet“. Es trug so entscheidend dazu bei, dass die Belästigung durch Baulärm für das Nachbargrundstück, auf dem Herrn Stiebners Vater seinen Alterssitz hat, überschaubar kurz und vernachlässigenswert gering blieb.
Heute spürt man: Die Münchner Bauherren fühlen sich mit der Stadtvilla im richtigen Film. Gerad so, als hätten sie mit dem Haus selbst ihr Meisterstück gemacht. Die Fotos auf diesen Seiten sprechen für sich. Sie erübrigen rhetorische Arabesken. Erwähnenswert sind aber einige Gedanken der Hausherren, die die Kamera nicht ohne Weiteres ins Bild holen kann.
Zum Beispiel die Überzeugung der Stiebners, dass man beim Bauen nach Auszug der Kinder „immer wieder an Platz und Bequemlichkeit für eben diese Kinder denken sollte“. Die Begründung von Mutter Karen im Hinblick auf die Töchter, die im oper-verliebten Haushalt „gleichermaßen mit Richard Wagner und den Rolling Stones aufwuchsen“, ist praktisch und logisch: „Wir haben auch in der Stadtvilla wieder zwei eigene Zimmer für Melanie und Nicole reserviert. Die können wir als Gästeräume nutzen, wenn sie nicht da sind, und als Töchterzimmer, wenn sie uns besuchen. Jedenfalls betrachten wir es überhaupt nicht als einen Luxus, auf diese Weise zwei Zimmer mit jeweils eigenem Bad ,vorzuhalten‘. Denn ohne solche Aufmerksamkeit würden die Kinder weniger gern nach Hause kommen. Sie haben ja nicht weniger Bedürfnis nach Privatheit als ihre Eltern.“
Ebenso entschieden ist die Fernseh-Auffassung der kundigen Wagner-Freunde: Weder im alten noch im neuen Haus wurde der Fernsehapparat ins Wohnzimmer vorgelassen. In der Stadtvilla schließt sich an den üppigen Wohn-Ess-Bereich mit Deckenhöhe 2,75 Meter und einem Luft- und Galerieraum bis unters Dach eine separate Bibliothek mit reichem Buch-, Platten-, CD- und DVD-Bestand, mit zwei Ledersesseln – und einem Flachbild-TV an.
Die Stiebners sind keine Fernsehfeinde. Sie sind nur der unüblichen, aber vielleicht gerade deshalb bedenkenswerten Meinung, dass fernsehen eine Freizeit-Beschäftigung ist, der man gezielt, bewusst und wählerisch nachgehen sollte. „Das Platzieren des Fernsehers im Wohnbereich jedoch“, findet Dr. Stiebner, „führt in aller Regel dazu, dass dieses Möbel sofort den gesamten Raum beherrscht. Und das ziellose Berieseln von Mensch und Raum ist eine Belastung und Zumutung. Im Wohnbereich soll Leben und Gespräch sein. Dem stehen Fernseher meist im Wege.“
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