leonwood / neu-finnland
"Neu-Finnland“ heißt dieser Entwurf der Firma LéonWood®, der zwei Qualitäten vereint: eine ambitionierte Architektur...

Kiefern im märkischen Sand, ein Kanal, auf dem ein Spreewaldkahn zwischen den Spiegelbildern der Pustewolken schaukelt. Eine hölzerne Brücke, die sich über das Wasser spannt und das Festland mit einer kleinen Insel verbindet – einem Fleckchen Erde im Wald, das so unwirklich schön aussieht, als wäre es gemalt. Auf diesem Inselchen in der Bilderbuchlandschaft von Wendisch-Rietz rekeln sich ein paar schmucke Neubauten glücklicher Familien in der Sonne. Hier haben auch Wolfgang und Brigitte Schaller ein zweites Zuhause gebaut – ganz aus Holz –, eine Maßanfertigung fürs Idyll.
Ein 220 qm großes, modernes Blockhaus auf einem 5.000-Quadratmeter-Grundstück mit Seeblick als zweites Zuhause? Wer sich wundert, steckt schon mitten drin in der turbulenten Lebensgeschichte des Ehepaars Schaller. Doch der Reihe nach: Er, 70 Jahre alt, ein Mann voller Energie mit freundlichen Augen und offenem Wesen, hat lange als Tourismusmanager gearbeitet. Sein Job führte ihn nach Bulgarien, Rumänien, nach Afghanistan, den Iran, nach Neuseeland und Australien. Sie, 64, eine warmherzige, gefühlvolle und kreative Frau, war Lehrerin und arbeitet heute als Märchenerzählerin. Für beide ist es die zweite Ehe, sie sind seit 15 Jahren zusammen. Gemeinsam lebten sie fünf Jahre in Australien, wo er sich als Teilhaber einer erfolgreichen Tourismusfirma eingekauft hatte. Doch die Geburt ihres ersten Enkelkindes und das Heimweh zogen Brigitte Schaller zurück nach Deutschland, nach Berlin bzw. ins Umland. „Ihn hat die Liebe zurückgeholt“, sagt sie lächelnd. „Was sollte ich auch allein in Australien mit einem großen Haus“, sagt er.
Der Wunsch wuchs nach etwas Ländlichem, nach körperlicher Betätigung als Ausgleich zum großstädtischen Trubel und Schlendern. Wendisch-Rietz wurde ihnen von einem Bekannten empfohlen, das Grundstück durch Zufall gefunden. Und das Haus? „Wir wollten nicht das Übliche“, sagt Wolfgang Schaller. „Wir wollten etwas Besonderes für diesen herrlichen Ort.“ Etwas Natürliches. Ein hochwertiges Holzhaus. Keines mit Dämmmaterial, sondern ein massives, absolut langlebiges. Bei seinen Recherchen im Internet stieß er auf Fullwood, eine Firma mit Sitz in Lohmar und vier Niederlassungen in Deutschland.
Fullwood, Vollholz. „Schon das Wort hat es mir angetan“, sagt er. Was dahintersteht umso mehr: Die Fullwood-Häuser werden aus Polarkiefer gefertigt, sofern die Kunden nichts anderes wünschen. Das Holz dieser Kiefer ist sehr hart und widerstandsfähig, da die Bäume im hohen Norden nur sehr langsam wachsen. Besonders enge Jahresringe sind ein Zeichen für die Qualität dieses Holzes. Doch damit nicht genug. Bei Fullwood werden die Stämme auseinandergeschnitten und so verleimt, dass das harte Kernholz außen liegt. Dieses Verfahren macht die Balken noch widerstandsfähiger. Frost und Sonne können ihnen nichts anhaben. Sie quellen und schrumpfen kaum. Was ebenso als Argument für massives Holz als Baumaterial spricht, sind die hervorragenden Dämmeigenschaften. Eine Haushülle aus 20 Zentimeter dicken Balken braucht keine zusätzliche Dämmung, um der Energieeinsparverordnung zu genügen. Auf Wunsch bietet Fullwood sogar 27 Zentimeter dicke Balken an.
Was den Schallers außer den technischen Details imponierte, war die menschliche Komponente, die Philosophie des Familienunternehmens, das die Individualität anspruchsvoller Kunden schätzt. Kein Fullwood-Haus gleicht dem anderen, jedes wird nach den Idealvorstellungen der Bauherren gestaltet. Auch das in Wendisch-Rietz. Wolfgang Schaller hat es selbst entworfen. Ein modernes Haus mit versetztem Pultdach. „Nur die bodentiefen Fenster mit blauen Rahmen waren meine Idee“, sagt Brigitte Schaller.
Das Innere wünschten sich die beiden mit luftigen drei Metern Deckenhöhe, einem Wohnzimmer über die gesamte Hausbreite mit offener Küche und einem großen Balkon, im Obergeschoss eine Galerie mit Arbeitsplatz, einem Schlafzimmer mit Seeblick. Und einer Gästewohnung im Untergeschoss. Als Ruhepol zu der bewegten Holzoptik der Decken und tragenden Wände sollten die nicht tragenden Wände rein weiß gehalten sein. Wolfgang Schaller fertigte ein Modell im Maßstab 1:33 an und stellte es dem Fullwood-Team vor. „Wir haben uns vom ersten Augenblick an verstanden“, erzählt er. „Das Haus wurde genau so gebaut, wie wir es haben wollten.“
Seine Einzigartigkeit gewinnt es aber auch aus vielen einzelnen Details, die Geschichten aus dem Leben der beiden erzählen. Da wäre zum Beispiel der Fußboden aus dunklem, rotbraunem australischem Jarrah. Mit diesem Eukalyptusholz wollte Wolfgang Schaller eigentlich ein neues Haus in Australien bauen. Vorbei. Er ließ die 1.000 Balken per Schiff nach Deutschland transportieren. Bei jedem Schritt erinnert ihn der Boden jetzt an seine ehemalige Wahlheimat. Auch der Esstisch im Wohnzimmer, Tisch und Stühle auf dem Balkon sind aus diesem Holz gefertigt, das in schönem Kontrast zum Honigton der Kiefernbalken steht.
Für den Platz im Erker, direkt neben dem runden Kaminofen aus israelischem Sandstein, ließ er sich eine steinerne Liegebank bauen, die vom warmen Wasser der Fußbodenheizung durchflossen wird. Ein wunderbarer Platz, um im Winter dem Schnee beim Rieseln zuzuschauen. Über der Bank hängen Erinnerungsstücke von seinen vielen Reisen. Ein Teetablett aus dem Iran, eine Nomadenkette, getrocknete Eukalyptusblüten. Sogar in die Gestaltung des selbst gefliesten Badezimmers sind Erinnerungen eingeflossen. Das Mäandermuster an der Wand hat Wolfgang Schaller dem Mosaik eines griechischen Tempels nachempfunden.
Fünf Tage die Woche wohnen die Schallers jetzt hier. Genießen den Duft nach Holz in ihrem Haus, den Blick über die Wiese bis zum See. Wandern oder rudern. Meistens baut Wolfgang Schaller irgendetwas, ein Backhaus zum Beispiel. Und wenn sie Lust auf das Stadtleben verspüren oder Brigitte Schaller mal wieder Kindern und Erwachsenen Märchen erzählen will, dann setzen sie sich einfach ins Auto. „Ein schönes Gefühl“, sagt Brigitte Schaller, „so von zu Hause nach zu Hause zu fahren.“
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