Felix Austria

Lebhafte Esche bestimmt das Bild der Innentreppen und -türen, Nussbaumparkett den Wohn-Ess-Bereich.

Als sie ihre furchteinflößende Baugrube am Hang sahen, befielen sie Zweifel, ob es eine gute Idee war, überhaupt zu bauen. Heute schreckt Renate Schwarzinger und Dr. David Schmelzer das Ende einer Urlaubsreise weniger als deren Beginn ... denn zu Hause in Hartberg, in der östlichen Steiermark, warten 120 Quadratmeter Terrasse. Unter anderem.

Letztlich war es unvermeidlich, dass Arnold Schwarzenegger irgendwann zum quasi Grünen wurde. Die Wurzeln des heutigen Gouverneurs von Kalifornien liegen bekanntlich in der Steiermark, und das Bundesland gilt als Österreichs grünes Herz. Was ja etwas heißen will angesichts der Tatsache, dass schließlich ganz Österreich eine Grünlage ist ...


Ein Haus bauen im Herzen der Steiermark


Die Bezirksstadt Hartberg, vermeintlich Österreichs Ort mit den meisten Sonnenstunden im Jahr, tut dem Ruf der Steiermark keinen Abbruch, während Haus und Grundstück von Renate Schwarzinger und Dr. David Schmelzer einfach nur wie eine Vorlage für das Kompliment „Felix Austria“ wirken.


Der Ausspruch bezieht sich ursprünglich ja auf die geschickte Politik Habsburgs, seine Macht weniger durch Kriege als durch Heirats- und Erbverträge auszuweiten. Doch auch eine besonders glückliche Lebensart wird Österreichern damit gern nachgesagt. Im Falle Schmelzer/Schwarzinger wäre die Behauptung an der richtigen Adresse.


Der Allgemeinmediziner (32) mit Spezialisierung Kurbetreuung und Akupunktur und Lebensgefährtin Renate (33), die Kindergärtnerin gelernt und mit ihrer Schwester den Sprung zur selbstständigen Schlossermeisterin im eigenen Geschäft mit 35 Angestellten geschafft hat, leben seit gut einem Jahr in ihrem Wolf-Haus oberhalb der malerischen Kleinstadt mit ihrem Resthauch von k. u. k.-Atmosphäre.


Das Grundstück ist 1.200 Quadratmeter groß, das Flachdachhaus besitzt 184 Quadratmeter Wohnfläche, Keller und Garage steuern weitere 124 Quadratmeter Nutzfläche bei, und die terrassenartigen Balkone auf den beiden Wohn- und Schlafetagen sind mit zusammen 120 Quadratmetern viel reichlicher bemessen als die gesamte Mietwohnung, in der das Paar mit seinem heute zweijährigen Sebastian gelebt hatte.



Dem Haus liegt Hartberg majestätisch zu Füßen. Im Südosten, wohin es ausgerichtet ist und von wo aus die natürlichen Frühaufsteher mit Morgensonne verwöhnt werden, sieht man die Bergkette vor der ungarischen Grenze. Vor und seitlich des Hauses erstrecken sich zwei Weinberge in Griffweite, und im Rücken des Domizils, den Hang hinauf, geht es zur Kuppe des Ringkogel, dem höchsten Berg der Umgebung. Für die drei ist er Hausberg und Hauswanderroute, wobei ihn Sebastian noch in der Kraxn, Papas Tragegestell auf dem Rücken, meistert.


Renate Schwarzinger und David Schmelzer gehören zu den Bauherren, die lange vorm ersten Baggeraushub wussten, wie ihr Haus beschaffen sein soll. Der Mann wollte es „nicht zu groß, sehr offen, hell und mit fließenden Übergängen zwischen innen und außen“. Die Frau freute sich vor allem auf den Garten („Ich mag mir kein Kind ohne einen Garten vorstellen“), auf eine größere Küche, die mehr Geselligkeit mit Gästen erlauben würde, und „auf das Leben nach vorn hinaus“ – auf die Terrassen, den fantastischen Ausblick übers Hartberger Land und die freie Lage insgesamt. „Eine Reihenhaussiedlung, in der ich von allen Seiten bedrängt werde, wäre meine Sache nicht.“


Die steile Lage führte zu einer Baugrube, die die Bauherren anfangs regelrecht erschreckte. Sie hat maßgeblich die Architekturwünsche geformt: das Flachdach, die Ausrichtung nach Südosten, die raumhohen Fixverglasungen auf der Aussichtsseite, die komfortablere Deckenhöhe von 2,70 Metern auf beiden Wohnetagen, die an drei Seiten umlaufenden Balkone, bis hin zu der Überlegung, deren Brüstungen mit 12 Millimeter starken Sichtglassegmenten zu versehen.


„Sollte uns das irgendwann doch zu offen werden, können wir sie immer noch bekleben oder mit Sandstrahl weniger transparent gestalten. Der umgekehrte Weg wäre nicht möglich,“ sagt die Hausherrin und gibt Einblick in die auf Funktionalität bedachten Überlegungen der Handwerksmeisterin. Auch die Frage nach der zeitgemäßen Beschaffenheit eines neuen Hauses mochte Renate Schwarzinger in erster Linie handfest beantworten.



„Ein Haus, das modern sein will, sollte sich nicht mehr mit Öl oder Gas schmücken. Wir haben auf eine Kombination aus Erdwärme – zwei Bohrungen in 80 Meter Tiefe – und Solarheizung gesetzt und machen damit gute Erfahrungen. Die Jahresheizkosten liegen bei rund 700 Euro.“


David Schmelzer hat durchs Bauen das Architektur-Interesse in sich entdeckt. Er schließt nicht aus, später mal ein altes Haus zu restaurieren. Für das jetzige, bei dem sie mit dem österreichisch-deutschen Anbieter Wolf Haus aufs Angenehmste zusammenarbeiteten („Der Verkäufer war kompetent, schwatzte uns nichts auf, der Umgang der Firma war bodenständig, realistisch und entgegenkom- mend“) schwebt ihm ein weiterer Schritt zur energetischen Unabhängigkeit vor. „Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, um Fotovoltaik nachzurüsten und selbst Sonnen- in Elektroenergie umzuwandeln.“


Doch schon heute ist nach dem anfänglichen Baugruben-Schreck „die Kosten-Nutzen- Rechnung unseres Wolf-Hauses schon hundertmal aufgegangen“. Neben dem Haus betrachtet der Mediziner „die Umgebung am Hang von Hartberg als Riesengewinn. Im Haus haben wir alles nach unseren Vorstellungen organisiert und arrangiert. Das macht ein gutes Gefühl, und auch der Umstand, dass wir nach einem Jahr noch nicht mit allem fertig sind, beunruhigt mich kein bisschen.


Im Gegenteil: Renate, Sebastian und ich kommen gerade von einem Kurzurlaub in einem Hotel in Kärnten zurück. Dort hat es uns gefallen. Aber noch mehr haben uns dort, vom ersten Tag an, Gedanke und Vorfreude auf die Rückkehr nach Hause gefallen.“


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