Fehlermeldung

Bau-Tipps

Der Traum vom eigenen Haus ist immer auch der Traum von der Insel der Seligkeiten – mit einem Wort: vom perfekten Lebens­raum. Er muss gebändigt, in Form gebracht werden – und ist dann häufig zu sehr Kompromiss, Halb­herzigkeit: zu kurz gedacht, zu uninspiriert, zu wenig detailversessen?

Architekt Gerd Kallentin, kreativer Planer ambitionierter Hausinszenierungen aus Mönchen­gladbach, kennt die Stolperstellen auf dem Weg zur Perfektion.


Schubladendenken:


Das Kennenlern-Gespräch zwischen Baufirma und Kunden beschränkt sich häufig auf ein Haustyp-Aussuchen. Dabei ist die gemeinsame Suche nach dem Unikat, nach dem familiären Fingerabdruck für das künftige Haus oberste Pflicht, um das Projekt auf den Punkt zu bringen.


Der Fragenkatalog an die künftigen Hausherren ist umfangreich, schafft aber Profil: Wie viele Personen werden in dem Haus wohnen? Wie lange soll das Haus bewohnt werden? Wie sehen die Tagesabläufe aus (Essen, Schlafen, Arbeiten)? Welche Hobbys gibt es? Wie präsent ist der Freundeskreis? Welche bisherigen positiven Wohn­erlebnisse gab es, welche negativen? Welche Farben, Gerüche, Geräusche werden gemocht? Wann wird wie viel Licht erwartet? Welche Materialien zählen zu den bevorzugten? Wie soll die technische und energetische Ausstattung sein?


Eingleisigkeit:


Zu selten werden Hausprojekte alternativ gedacht, also bewusst verschiedene konzeptionelle Ansätze gesucht. Die Kunst besteht da­rin, neue, andere Ideen in die bewährte Matrix zu integrieren. Das verlangt Zeit, Geduld und Arbeit – von beiden Seiten. Es ist ein Fehler, einen Entwurf fix nach zwei, drei Terminen abzunicken.


Fremdmuster:


Häuser von Bekannten und aus Musterkatalogen werden oftmals 1:1 übernommen. Verführt vom vermeintlichen Vorteil, Erprobtes nachnutzen zu können, geraten die eigenen Bedürfnisse zu schnell in die Mühle unnötiger Kompromisse.


Meinungspatchwork:


Wer als Bauherr vier Leute um Rat fragt, bekommt fünf verschiedene Antworten. Besser: Er sucht sich einen kleinen Kreis von kompetenten Fachleuten, denen er vertraut. Jeden selbst ernannten Spezialisten, Handwerker oder Gutachter einzubeziehen, führt in der Regel zu enormer Verunsicherung und oft zu totalem Verlust der eigenen, ursprünglich angestrebten Lösung.



Einrich­tungsorgie:


Um Räumen eine Seele zu geben, braucht es ein sicheres Händchen. Nichts ist unmöglich? Prima. Aber das Überangebot des Marktes verleitet zu fatalem Stilmix oder Patchwork, zu einem kunterbunten Durcheinander von Formen, Farben, Materialien. Da folgt einer diagonal verlegten grauen Steinzeugfliese im Eingangsbereich eine Cotto-Fliese in der Landhaus-Küche, ein dunkles Industrieparkett im Wohnbereich geht in Betonstein auf der angrenzenden Terrasse über.


Wände sind mal verputzt, fürs Gäste-WC wird eine Wischtechnik gewählt, das Treppenhaus zeigt sich in strapazierfähiger Glasfasertapete, die Kinderzimmer schmückt Raufasertapete, die Wände im Wohnzimmer leuchten in einem satten Gelb. Spiegel sind häufig überdimensioniert. Die Positionierung der Leuchten geschieht eher zufällig, die Beleuchtung ist viel zu grell, Lichtakzente werden vernachlässigt. Das Geld für Dimmer hängt in Gestalt von unnützen Halogenleuchten in überzähliger Stückzahl an der Decke. Wohnen verlangt nach einem Gesamtkonzept. Eine bewusste, gekonnte Reduzierung der Stilmittel ist der bessere Weg.


Auch hier muss im Vorfeld ein dicker Fragenkatalog abgearbeitet werden: Welcher Bodenbelag, wie wird er verlegt: rechtwinklig? Diagonal? Im Verbund? Wie viel Licht, wie zu schalten? Wände mit Tapete oder ohne, in Wischtechnik, mediterran oder cool? Welche Form bekommt die Treppe, welchen Belag, welches Geländer? Beispielsweise.


Kurzsichtigkeit:


Vorgarten und Garten werden nicht als Bühnenbild für die Hausinszenierung gedacht, sondern geraten zum grünen Anhängsel. Zum Ende der Bauarbeiten, wenn Geld, Lust und Energie ziemlich verbraucht sind, überfordert die Planung der Außenanlagen. Wer sie aber von Anfang an in das Projekt Hausbau einbindet, kann schon mit relativ geringen Mitteln zu ansprechenden Lösungen finden. Pflasterung, Bepflanzung und Beleuchtung des Hausgartens sollen den Baukörper unterstützen und nicht von ihm ablenken.



Der Garten kann die Sichtachsen des Hauses gekonnt aufnehmen. Auf welche Pflanzen möchte ich schauen, wenn ich im Wohnzimmer oder am Esstisch sitze? Verstellt ein gewaltiger Außenkamin die Sicht oder ermöglichen geschickt platzierte Blumen, Sträucher, Bäume, Leuchten freie Blicke in die Tiefe des Gartens, der sich zu jeder Jahreszeit, Tag und Nacht verändert? Versperren Gartenmöbel diese Szenerie oder korrespondieren sie mit den Blickachsen von innen nach außen? Ordnen sie sich dem Gesamtensemble unter oder dominieren sie es?


Entgleisung:


Ein häufiger Fauxpax, der seit Jahr und Tag gut konzipierte Entwürfe nahezu karikiert, sind nachträglich angebrachte Vordächer an Haustüren und Nebeneingängen. Highlights: schmiedeeiserne Vordachkonstruktionen an modernen Putzfassaden oder Edelstahl-Ausführungen mit Plexiglashauben an Land­häusern.


Mängel-Wirtschaft:


Wohin mit den Mülltonnen, mit dem Zweitauto, mit den Fahrrädern? Darüber wird gern viel zu spät nachgedacht. Man schaue sich in Neubaugebieten um: Zu 80 Prozent sehen die praktizierten Lösungen furchtbar aus – Mülltonnen sind der alles beherrschende Blickfang.


Auf den Punkt gebracht


Ist Perfektion für Sie wichtig?

Ein klares Jein. In manchen Lebensbereichen ist sie wichtig: Wie richte ich mich ein? Wie plane ich eine zeitlich begrenzte Reise? In der Freizeit stört Perfektion eher. Mal ohne Plan Zeit verbringen, Dinge ­einfach trudeln lassen – so schafft man ein Gegenwicht zu den Perfektionsansprüchen.


Hat Perfektion ein Verfallsdatum?

Entweder ist etwas perfekt oder nicht – das gilt für ewig. Ob man etwas durch eine fortgeschrittene Technik, eine neue Mode, einen anderen Zeitgeist modifiziert, neu erfindet oder aufwertet, ist lediglich eine Veränderung auf der „Zeitachse“. Gut gemacht, entsteht bestenfalls etwas neues Perfektes.


Welche drei Dinge sind für Sie perfekt?

Die Golden Gate Bridge in San Francisco. Ein Birdie an Loch 8 beim Golfen. Der Augenblick, bei dem alles stimmt: Wetter, Landschaft, Freunde, Musik, Essen, Gesundheit.


www.gk-architektur.de


Mehr zum Thema Bau-Tipps für das Eigenheim

Größere Fenster braucht das Haus

Größere Fenster braucht das Haus

Die neue Dreifach­-Standard­verglasung von Internorm macht Fenster zu Energiege­winnflächen. „Fenster schlägt hoch...

Viele Menschen müssen nicht mehr täglich ins Büro, sie erledigen ihre Arbeit daheim.

Home Office: So verbinden Sie Wohnen und Arbeiten

Zu Hause arbeiten – dank Internetkommunikation eine immer häufigere Option. Viele müssen nicht mehr täglich ins...

Das dicke deutsche Hausbuch 2012

Alles über gute Einfamilienhäuser. Die wichtigsten Schritte auf dem Weg ins eigene Haus. Architekturentscheidungen,...