Der Überflieger

Patrick Weber sorgte sich um Gerad­linigkeit, seine Lebensgefährtin Anita Riedler um Behaglich­keit – beide strebten nach Moderne. Entstanden ist, nahe Innsbruck, ein Wolf-Haus mit einem Dach wie ein Schanzen­tisch. Auch sonst ist der raffinierte Entwurf, den der Hausherr selbst plante, ein Überflieger auf 860 Meter Höhe in Tirols Bergen.

Patrick Weber ist ein echter Tiro­ler. Er stammt aus Oberperfuss bei Inns­bruck, dort, wo heute sein Haus steht. Er ist gelernter Bau- und Zim­mer­meis­ter, also geschaffen fürs Bau­en. Der stattliche, sympathische Mann ist zugleich ein Mann der leisen Töne und entschiedener Vorlieben. Er wollte ein Haus, das sich baulich wie ästhetisch durch klare, geradezu puristische Li­nien zu erkennen gibt.


In den Punkten herrschte absoluter Gleichklang mit seiner Lebens­gefährtin Anita Riedler (kaufmännische Angestellte), die ebenfalls für Geradlinig­keit, Holz und Helle im Haus plädierte. Auch sie betont das Tradi­tions­gefälle innerhalb Österreichs, spricht vom offenen Zusam­menwirken der ver­schie­denen Be­reiche im Haus und davon, dass Glie­derung nicht nur mit dem Stilmittel der trennenden Wand erfolgen sollte.


Doch sie sah ihre Aufgabe auch darin, die klare, eher kühle Archi­tek­turvor­stel­lung ihres Le­bens­­gefährten mit Har­monie und Wär­me zu ergänzen. Zu viel Gerad­li­nigkeit, Stahl und Glas, meint Anita Riedler, wären „einfach zu viel Härte und Kälte geworden. Das Haus soll ja nicht nur Behau­sung fürs Auge – es soll ge­­­müt­lich, wohnlich und einladend sein.“


So kam es, dass sich der Fußboden im Ess- und Sitz­bereich im warmen Rotton mas­­siver Lär­che zeigt, anstatt in grauem Natur­schie­fer, wie „Patrick, der Pu­ri­­taner“, es sich eigentlich ausgedacht hat­­te. So ist die grandiose, 4 Meter hohe Glas­wand zwischen Diele und Wohn­bereich bis zur Höhe der eleganten Schiebetür mit einem die Pri­vatheit wahrenden und Neu­gier erzeugenden Milch­gla­s-effekt ver­sehen worden, statt beim Be­treten des Hauses gleich auf einen und den ersten Blick alle Ge­stal­tungs-Geheim­nisse zu verraten.


So kam es, dass die mit lichtgrauen Eternit-Platten beschlagene, mit ausladenden Glasfronten und mit verzinktem Stahl gefasste Fassade Patrick Webers Wunsch widerspiegelt, Tiroler Tradition zu entjodeln und außerdem das Holzhaus und seine Kon­struk­­tion zu zeigen. Die Lamellen aus Lärchenholz bezeugen aber auch Anita Riedlers Verlangen nach Gefäl­ligkeit, Geborgenheit und Ge­die­gen­heit.



Von Anfang an einig waren sich die zwei, dass ihre Küche in einer offenen Bezie­hung zum Wohnumfeld stehen sollte. „Der Wohn­bereich im Zusam­menspiel mit der Küche bildet für uns den Lebensmit­telpunkt im Haus, und vor einer gelegentlichen Ge­ruchs-Belä­stigung haben wir schon deshalb keine Angst, weil das, was bei uns entsteht, sich riechen lassen kann.“


Doch Anita Riedler überzeugte ihren Patrick darüber hinaus von der Zweck­mäßig­keit ei­ner Speisekammer. Klug ausgedacht. Bei Pa­trick Webers beruflichem Hinter­grund (weiterführende Planungs-Infor­mationen: Bau­meis­ter Weber – Hört­na­gel, Oberperfuss, Ti­­rol, +49 5232 82298) war es kein Wun­der, dass er sein eigenes Haus selbst planen, ge­stalten und auch soviel wie möglich mitmon­­tieren wollte.


Das gestatten nicht alle Fir­men. Dies war ein Grund, weshalb die beiden mit dem deutsch-österreichischen Fer­tig­haus­unter­neh­men Wolf-Haus han­dels­eins wurden. „Die individuellen Lö­sun­gen, die uns Wolf-Haus ermöglichte, die herausragende und meines Erachtens einmalige Qualität ih­rer Wand­auf­bauten, was Natür­lichkeit und Wär­mespeicherung an­geht, und un­term Strich das Preis-Leistungs-Ver­hältnis“ – das hat das Abenteuer Bauen für die beiden Tiro­ler beherrschbar und zur ungetrübten Er­fah­rung werden las­sen.


Die Entscheidung für ein Fertighaus in Holz­rahmenbauweise war von vornherein un­strit­­­tig. In diesem Punkt sind Österreicher sowieso doppelt so aufgeschlossen wie ihre deutschen Nach­barn. Patrick Weber verweist auf die 200 bis 300 Jahre alten Bauernhäuser – das plausibelste Argument für die Unver­wüstlichkeit von Holzbauten.


Auch die Wär­me­dämmwerte eines Fer­tig­hau­ses sind unschlagbar. Dazu der Zeit- und Komfort­gewinn, der aus dem Trockenbau re­sultiert. Statt Trocken-Wohnen ist vom ers­ten Tag Wohlfühl-Wohnen angesagt. Der Überflieger auf 860 Meter Höhe in den Ti­­roler Bergen, umgeben von mehreren Zwei- und Dreitausendern, die die Aussicht nach allen Himmels­rich­tungen einfach traum­haft machen, hält 175 Qua­dratmeter Wohn­fläche bereit. Nicht ge­rechnet der ausgebaute Keller und das geräumige, gleichfalls von Tages­licht ge­speiste Einliegerbüro im Sou­ter­rain, das für sich noch einmal 90 Quadrat­meter misst.


Es hieße Österreich und Tirol zu unterschätzen, wenn man das Haus von Pa­trick Weber für ungewöhnlicher oder avantgardistischer erklärte, als es ist. Österreich präsentiert sich in mancherlei Hinsicht architektonisch frischer und experimentierfreudiger als verschiedene deutsche Landstriche.



Aber das Haus als Gesamt­kunst­­werk ebenso wie seine Bereiche und deren wechselseitige Beziehung hat das Paar ge­meinsam mit Wolf-Haus in einer Manier ver­wirklicht, die teilweise atemberaubend und durch­weg faszinierend ist. Unter den vielen feinsinnigen Detaillösungen fallen zum Beispiel auf: Die offene Küche mit der im Unter­schied zum angrenzenden Ess- und Sitz­bereich ab­ge­hängten, aber mit 2,30 bis 2,80 Metern eben­falls großzügig bemessenen Putz­decke.


Die wiederkehrende Sichtbalkendecke aus Na­turfichte mit lichten Höhen weit über dem 2,50-Meter-Gardemaß der Konvention.

Der mutige Einsatz von 2 Zentimeter star­kem Glas in Höhen von bis zu 4 Me­tern und an den überraschendsten Stel­len, wie der seitlichen Begrenzung der fe­schen In­nen­treppe. Die ausgeklügelte Sonnen­stands­be­rech­nung, die da­für sorgt, „dass wir im Winter von der Heiz­kraft der Sonne profitieren und im Som­­mer von ihr nicht geblendet werden.“ Die verschiedenen Terrassen, die das Haus mit Aus­sichtspunkten in die Alpen umlaufen, einer schöner als der andere. Die selbstverständliche Ent­schei­dung für ein sehr flach geneigtes 2-Grad-Pultdach.


Das schnittige Wolf-Haus ist mit einem Schönheits- und Qualitäts­anspruch entworfen worden, dass man über die Frage: Wohnst du noch oder lebst du schon?, allenfalls schmun­­zeln kann.


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