haacke / sonderentwurf in winkelbauweise
Statt eines Blumenstraußes ist hier allerdings ein schöner alter Baumbestand das natürliche „Accessoire“ für diesen...

Nach Berechnungen des Verbandes Privater Bauherren entsprechen mehr als 40 Prozent der neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland nicht einmal den gesetzlichen Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Andere Fachleute behaupten, die eine Hälfte der sogenannten Energieausweise ist technisch falsch angelegt, während die andere Hälfte von technischen Leistungen im Haus ausgehe, die zwar im Vertrag oder anderswo auf dem Papier behauptet, aber praktisch überhaupt nicht verwirklicht wurden.
Wie erleben Sie das in der Branche?
Detlef Bühmann : Ähnlich wie Sie es beschreiben. In der Regel findet wirklich keine sehr verlässliche und aussagekräftige Prüfung statt. Auch in den veranstalteten Bau-Wettbewerben um Energieeffizienz sieht das nicht viel anders aus. Der einzige Wettbewerb, in dem nach meiner Kenntnis tatsächlich genau geprüft wird, ist der alljährliche der Fertighausbranche um den „Großen Deutschen Fertighauspreis“ („Golden Cube“). Da setzt sich das Fraunhofer Institut für Bauphysik ran, prüft fach- und interessenneutral.
Ihr Unternehmen war diesbezüglich eine frühe Ausnahme von der Regel der Unverbindlichkeiten und Schönfärberei.
Detlef Bühmann : Das dürfen wir mit Fug und Recht behaupten. Seit Gründung durch Senator Albert Haacke vor 130 Jahren hat sich die Firma um Ressourcenschonung und Energiesparen beim Bauen gekümmert. Dieses Ziel war die Gründungsidee unseres Unternehmens. Die Wiege hierfür stand in Celle, für Haacke ist das Thema seit 1879 eine Selbstverständlichkeit. Auch deswegen sehen wir heute manches ein bisschen anders – weniger schlagzeilenhungrig, mehr faktenorientiert. Tatsache ist beispielsweise, dass der Bau des bundesweit ersten, nach EnEV zertifizierten Drei-Liter-Hauses 2001 bei Haacke stattfand, ebenso im Jahr darauf der Bau des ersten, nach EnEV zertifizierten Passivhauses.
Vor solchen baulichen und technischen Reifeprüfungen drückten sich früher und drücken sich heute viele Mitbewerber. Wie kommt das eigentlich?
Detlef Bühmann : Das fragen wir uns auch immer wieder, obwohl es uns schon lange nicht mehr überrascht. Ich erinnere an das bundesweite Fraunhofer-Forschungsvorhaben „Drei-Liter-Haus“ vor einigen Jahren: Als erster deutsche Hausanbieter haben wir damals zwei unserer Eigenheime in Celle vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik zwei Jahre im Praxistest prüfen lassen ......
und waren am Ende einziger Teilnehmer.
Detlef Bühmann : Leider. Das Ganze sollte schon damals eine Art Olympiade der Energiesparer im Hausbau sein. Doch als es so weit war, stand Haacke-Haus allein am Start – alle anderen zehn, zwölf Mitbewerber, zunächst willig, hatten sich dann aus dem Staub gemacht.
Aber Ironie beiseite: Wir setzen nach wie vor auf Verbraucherschutz und Transparenz und haben keine Angst vor fairem Wettbewerb. Wir fordern die Anbieter aller Bauweisen – sowohl des Fertig- wie des konventionellen Baus – auf, sich solchen Qualitätsprüfungen durch außenstehende, kompetente Dritte zu stellen. Nie war das so wichtig wie gegenwärtig, da alle vom Energiesparen reden, aber noch längst nicht alle bereit sind, ihre Leistungen neutral prüfen zu lassen.
Hat jenes Fraunhofer-Projekt nicht damals schon etwas anvisiert, was seitdem noch wichtiger geworden ist: für die Beurteilung der energetischen Klasse eines Hauses die Summe aller Faktoren zu berücksichtigen - und zu bewerten?
Detlef Bühmann : Das kann man so sagen. Sinn und Zweck des Projektes war es, nicht nur einzelne Bauteile oder Faktoren eines Hauses, also Wände, Dach, Fenster, Heizung, Warmwasser etcetera, sondern die Summe zu betrachten und darüber hinaus die Anschlusspunkte zu beurteilen: Wie ist ein Fenster eingebaut? Wie sieht es an der Stelle aus, wo Wand auf Dach trifft, wo sind Wärmebrücken entstanden?
Wie geht der Kunde in solchen Fragen beim Kauf eines Hauses eigentlich vor, welche Erfahrungen machen Sie in diesem Punkt?
Detlef Bühmann : Meist ganz logisch und sehr vernünftig: Er möchte ein schönes, wertiges Haus, mit dem er sich verwirklichen, in dem er sich wohlfühlen und wiederfinden kann. Und Energie soll es auch noch sparen. Zu diesen Erwartungen gibt es viele Informationen, bei den Anbietern, in Musterhäusern, im Internet.
Trotzdem ist der Kunde oft nicht voll im Bilde. Viele leiden daran, dass sie mit Informationen zugeschüttet werden, aber sich am Ende trotzdem kein klares Urteil bilden können, was ein Hausangebot und seine Parameter tatsächlich taugen ...
Detlef Bühmann : Das stimmt. Es gibt Anbieter, die reden von „1-Liter-“, von „2-Liter-“ oder von „Superenergiesparhäusern“. Mit solchen Etiketten wird dem Kunden Informiertheit oft nur vorgegaukelt. Dabei erfährt der Käufer häufig nichts Verlässliches. Diese zwiespältige Situation besteht, sie ist nach unserer Erfahrung in der Praxis sogar die Regel.
Und was machen Sie anders?
Detlef Bühmann : Wir bestimmen gemeinsam mit unserem Kunden sein Wunschziel. Wir reden dabei jedoch nicht von 1-, 2-Liter-Häusern oder anderen Mogelpackungen. Wir gehen von einem 3-Liter-Haus aus, wie es vom unabhängigen Fraunhofer Institut definiert wurde.
Das bezieht sich aber nur auf den Energiebedarf für die Heizung. Dann gibt es noch die Definition „KfW 60“, „KfW 40“, „Passivhaus“, und es gibt den Energieausweis. Wir haben ihn unseren Kunden schon vor Jahren offeriert. Ein vergleichbares Angebot haben damals nur sehr wenige Firmen unterbreitet. Uns war und ist wichtig, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb packe ich jetzt mal meine Kiste aus ...
(Detlef Bühmann demonstriert dazu an stilisierten Bausteinen die in der Praxis anzutreffenden unterschiedlichen Energieverbräuche für Heizung und Warmwasser – siehe dazu die Grafik auf Seite 85.)
Worauf sollten sich Ihrer Meinung nach die ersten Bauherren-Ausgaben in punkto Energieeinsparung oder Sanierung richten?
Detlef Bühmann : Immer in die Wärmedämmung. Das ist die nachhaltigste Investition, weil sie sich auf ein ganzes Häuserleben erstreckt. Die Haustechnik kommt verglichen damit immer erst an zweiter Stelle.
Warum tun sich vor allem Ihre Mitbewerber aus dem konventionellen Bau bei der Energieprüfung so schwer?
Detlef Bühmann : Weil zu guter Wärmedämmung und Dichtheit der Gebäudehülle gute Bauausführung gehört. Auch Sie haben schon Baustellen gesehen, auf denen es an Exaktheit, Präzision und Qualitätssicherung fehlt. Es ist ein Unterschied, ob man zahlreiche Gewerke unter freiem Himmel koordinieren muss oder das Ganze qualitativ sauber in einer Halle vorfertigen kann. Die Konstanz der Qualität lässt sich im zweiten Fall einfacher gewährleisten als im ersten. Das ist Tatsache.
Ein anderer Vorzug kommt hinzu: Große vorgefertigte Elemente weisen nicht die Fehler kleinteilig zusammengefügter Elemente auf, außerdem ist beim vorgefertigten Holzrahmen- und Holzständerbau Dämmung schon integriert – bei Haacke ist das Fachwerk bereits mit 20 Zentimeter Dämmung ausgefacht. Das trifft auf den konventionellen Bau vergleichbar nicht zu, denn eine Kalksandsteinwand stellt für sich genommen keine Wärmedämmung dar. Die muss erst außen aufgebracht werden. Mit anderen Worten: Obwohl auch wir weitere Dämmung außen aufbringen, steckt der größte Teil unserer Wärmedämmung bereits in der Konstruktion. Ein großer Vorteil. Er hat zudem das Plus, dass wir viel schlankere Wände bauen können – mit entsprechendem Gewinn an Wohnfläche.
Anhänger des Stein-auf-Stein-Baus halten dem ein besseres Wohnklima in ihren Häusern entgegen.
Detlef Bühmann : Auch dieses Argument überzeugt nicht. Wenn Sie sich auf eine Bank aus Holz setzen, müssen Sie sich kein Kissen unterlegen, bei einer Steinbank schon eher. Und wenn Sie ein Steingebäude aufheizen müssen, braucht es viel länger als in einem Holzrahmen- oder Holzständerhaus für ein Behaglichkeitsgefühl. Auch Kirchgänger im Winter können von diesem Phänomen ein oft verschnupftes Lied singen.
Wie entscheiden sich in der Heizungswahl die meisten Ihrer Bauherren?
Detlef Bühmann : Für eine Kombination mehrerer Elemente. Vielfach Brennwerttherme plus Solaranlage plus Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Ohnehin geht in die Energieeffizienz eines Hauses mehr ein als das, was auf dem Papier steht. Auch die Heizkostenabrechnung ist bei genauer Betrachtung nur eine grobe Kontrolle des Leistungsversprechens eines Hausanbieters.
Subjektive Verhaltensweisen beeinflussen diese Rechnung erheblich. Der eine hält sein Schlafzimmerfenster 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr gekippt, der nächste will unbedingt etwas mehr Raumtemperatur, ohne sich immer darüber klar zu sein, dass – Pi mal Daumen – 1 Grad höhere Zimmertemperatur 6 Prozent mehr Heizenergie bedeuten. Im Grunde lebt kein Mensch nach der Norm. Der eine lebt drüber, der andere drunter.
Und alle eint der Wunsch nach Schönheit.
Detlef Bühmann : So ist es. Jeder wünscht Symmetrie und Harmonie. Das schließt das Moment der unsichtbaren Schönheit ein. Damit meine ich eine Stimmigkeit der Architektur, die man vielleicht nicht bewusst erkennen oder messen kann. Man nimmt sie aber als Ganzes wahr, und es tut dem Auge gut, wenn sie da ist.
BAUKLÖTZE STAUNEN
Innovationsgeist, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind nicht nur Leitmotive der gegenwärtigen Arbeit von Haacke, sie waren auch der Gründungsimpuls des Unternehmens vor 130 Jahren. Die Firma sieht darin die Verpflichtung, Kunden gerade heute die baulichen und energetischen Leistungen ihrer Häuser fasslich zu erläutern.
Von dieser Grundeinstellung ist es nur ein kleiner Schritt, Haacke-Interessenten, selbst wenn sie noch in Kinderschuhen stecken, ganz anschaulich Zusammenhänge zu erklären. „Bauklötze staunen“ bekommt unter solchen Umständen eine aufklärerische Note.
Das Unternehmen aus Celle/Potsdam hält sich gern zurück, wenn es um wenig aussagekräftige Werbegags geht. Doch es ist vornan, wenn solide, kompetente Information ansteht – wie im Fall des Energiebedarfs ein und desselben Hauses bei ganz unterschiedlichen Dämm- und Heizungsvoraussetzungen (Grafik oben).