Baumstark - Interview mit Massivholz-Spezialist Jürgen Lemmer

Blockhäuser erfüllen nicht nur die Sehnsucht nach naturnahem Wohnen, sondern auch nach moderner Architektur und Komfort.

Blockhäuser erfüllen nicht nur die Sehnsucht nach naturnahem Wohnen, sondern auch nach moderner Architektur und Komfort. Jedenfalls, wenn sie von Fullwood Wohnblockhaus sind. Ein Gespräch mit Jürgen Lemmer, Mitglied im Führungsquartett des größten deutschen Herstellers massiver Holzhäuser

Kennen Sie das Märchen von den drei Schweinchen Zilly, Billy und Willy? Zilly baute ein Haus aus Stroh, Billy eins aus Holz und Willy eins aus Stein. Der Wolf kam und pustete die ersten beiden einfach weg, lediglich das Steinhaus hielt stand.

Jürgen Lemmer : Bei einem massiven Fullwood-Blockhaus kann der Wolf pusten, bis die Lungen platzen, da fällt nichts zusammen. Ganz im Gegenteil: Auf unserem Firmengelände in Lohmar haben wir ein 300 Jahre altes Blockhaus aufgebaut, ein überzeugendes Beispiel dafür, was Holz kann. Wer mit massivem Holz baut, schöpft aus einer mehr als 1.000-jährigen Tradition und einem entsprechenden Wissen von diesem Baustoff. Mit so viel verlässlicher Sicherheit können andere moderne Materialien nicht dienen. Wenn das Holz von guter Qualität ist und fachgerecht eingesetzt wird, hält ein Haus daraus ewig.


Bleiben wir mal bei der Qualität und dem fachgerechten Einsatz. Was sollte ein Kunde, der sich für ein Blockhaus interessiert, wissen?

Jürgen Lemmer : Am besten eignet sich Holz aus kalten Regionen, aus alpinen Höhenlagen oder aus nordischen Ländern. Je niedriger die Temperatur, umso langsamer wächst das Holz und umso härter ist es. Generell gilt: Kiefer ist härter als Fichte. Wer mit uns baut, kann sich sein Holz grundsätzlich selbst aussuchen – etwa in seinem eigenen Wald. Vor der endgültigen Entscheidung bereden wir mit den Kunden ausführlich Vor- und Nachteile der Arten, sie sollen kompetent frei wählen dürfen.

Was die Qualität betrifft, bevorzugen wir eine spezielle Methode. Da das Kernholz in der Mitte des Stammes am härtesten ist, zersägen wir ihn und bringen das Kernholz bei den verleimten Balken nach außen. Das macht die Außenhaut noch widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse. Die Balken bleiben formstabil. Natürlich muss das Holz gut getrocknet sein, um zu verhindern, dass die Balken schwinden oder reißen, und damit sie ohne chemische Mittel resistent gegen Schädlinge sind.

Wenn dann noch auf ausreichend große Dachüberstände geachtet wird, also auf konstruktiven Holzschutz, kann das Wetter dem Haus nichts anhaben. Was bedeutet: Der Pflegeaufwand ist überschaubar, es muss, wenn überhaupt, allenfalls in großen Abständen gestrichen werden.


Genügt ein Holzhaus ohne zusätzliche Dämmung tatsächlich der strengen Energiesparverordnung?

Jürgen Lemmer : Ab einer Balkendicke von 20 Zentimetern ist keine zusätzliche Dämmung mehr nötig. Häuser aus derart massiven Balken glänzen darüber hinaus mit der Feuerwiderstandsklasse F90. Wir bieten auch 27 Zentimeter dicke Balken, das ist gewissermaßen die S-Klasse. Was viele nicht wissen: Bei solch starken Balken spricht man von „Massivbau“ – massiv bauen kann man also nicht nur mit Stein. Unsere Blower-Door-Tests beweisen, dass Fullwood-Häuser absolut winddicht sind, es folglich keine Ritzen zwischen den Balken gibt, aus denen Energie entweichen könnte. Auch das spricht für die Präzision unserer Fertigung.


Mit „Blockhaus“ verbindet sich immer auch das Bild vom Naturburschen. Wer sind Ihre Kunden?

Jürgen Lemmer : Zum einen ökologisch orientierte junge Familien. Zum anderen „Wiederholungstäter“ – gut situierte, ambitionierte Leute, die bereits ein eigenes Haus hatten und sich nun den perfekten Lebensraum schaffen wollen. Und zu uns finden Bauherren mit dem ganz besonderen Geschmack. Die sich eine charakterstarke, moderne Architektur mit allem Komfort, den man sich vorstellen kann, wünschen. Von unseren 1.500 gebauten Häusern ist keines wie das andere. Typenhäuser, starre Konzepte sind für uns kein Thema. Jeder Entwurf wird gemeinsam mit den Kunden entwickelt. Das Einzige, was architektonisch nicht möglich ist, sind runde Wände: Balken lassen sich nicht biegen.


Sie wohnen selbst in einem Fullwood-Blockhaus. Was schätzen Sie daran am meisten?

Jürgen Lemmer : Ein Holzhaus hat ein ganz besonderes Raumklima, denn Holz atmet, es kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben. Angst vor Schimmel erübrigt sich. Wenn ich nach Hause komme, ist das jedes Mal wie ankommen im Urlaub. An einem Blockhaus ist alles so ganz anders, sinnlicher, emotionaler als das, was uns im Alltag umgibt. Holz ist in der Lage, aus einem Betrachter einen Liebhaber zu machen. Und dieses Gefühl lässt nicht nach.


Firmenporträt


  • 1956: Firmengründung durch Helmut Lemmer
  • 1972:Beginn der Mitarbeit der Söhne Jürgen und Friedhelm Lemmer
  • 1973: Eintritt von Hans Peter Kessner als Gesellschafter; Beginn mit dem Fertigbau
  • 1974: Eintritt des späteren Gesellschafters im Bereich Holzbau, Bernd Fuchs
  • 1978: Einführung des formstabilen, verleimten Blockbalkens
  • 1979: Erstes Musterhaus in Lohmar bei Köln
  • 1990: Holztrocknung in allen Bereichen, damit Verzicht auf chemische Holzschutzmittel
  • 1995: Entwicklung vorgefertigter Wandelemente
  • 1996: Einführung von Blower-Door-Tests im Blockhausbau mit sensationellen Ergebnissen
  • 2004: Niederlassung in Wolpertshausen bei Schwäbisch Hall
  • 2005: Niederlassung in Werder bei Potsdam
  • 2006: Niederlassung in Sottrum bei Bremen

Das Gespräch führte Mara Kaemmel

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