Bauhausstil – Die Seele des Schönen

Bauhausstil – Die Seele des Schönen

Hat das Schöne Gemeinsamkeiten? Womöglich sogar Regeln? Fragen wir Auskennerinnen. Die eine versteht etwas von Architektur und Bauen, die andere von Mode und Design. Die eine wird für ihr Bauhaus-Projekt in Köln gefeiert, die andere bekam für ihren „Bauhaus“-Modeentwurf einen 1. Preis in Italien.

Das kleine Schwarze steht Ihnen sehr gut, Frau Seufert. Schlicht, aber auffallend raffiniert gemacht.


Carolin Seufert: Das Kompliment gebe ich gern an Christine Wolf weiter – es ist eins der Kleider aus ihrer „Bauhaus“-Kollektion.


Was fasziniert denn eine junge kreative Designerin in einer wahrlich weit gespreizten Modewelt von schräg-schrill bis business-korrekt an den Bauhaus-Ideen?


Christine Wolf: Einerseits das Formale. Die Grafik. Die klaren Linien. Andererseits das Handwerk. Die Bauhäusler liebten bei aller Experimentierfreude und ihrer Hoffnung auf die ganz großen industriellen Durchbrüche handwerkliche Perfektion über alles. Das gefällt mir sehr: über handwerkliches Können zur Kunst, zum Design zu finden.


Auch guter Architekturgeschmack beruft sich gern aufs Bauhaus.


Carolin Seufert: Dass ausgerechnet die Bauhaus-Ideen unsere Vorstellung von Schönem selbst nach 80 Jahren noch so intensiv beeinflussen, hat damit zu tun, dass sie unseren Sehnsüchten nach modernen, gern auch ein wenig avantgardistischen, oft exklusiven, in jedem Fall aber eigenen, subjektiven Alltagsformen einen Namen geben.



Die Bauhäusler suchten das Glück der schönen Form in der industriellen Großserie. Das war gut gemeint, ist aber erstens als Massenbeglückung gescheitert und zweitens auch konzeptionell das Gegenteil individueller Lebensart – müsste also eigentlich total von gestern sein.


Carolin Seufert: Ist es aber nicht. Auch die jeweils „gültigen“ Bauhaus-Interpretationen kommen immer mit Haltbarkeitsdatum auf die Welt. Bauhaus ist kein Regelwerk, es ist ein Ideenkosmos, den sich jeder selbst erschließen muss. Im Übrigen suggeriert „Fertighaus“ bei manchen immer noch industrielle Serie. Tatsächlich aber lebt individuelle Architektur von handwerklicher Meisterarbeit.


Christine Wolf: Bauhaus ist für mich eine nie gestillte Lust am Ausprobieren von Neuem, Neugier auf die Einfälle von morgen, der starke Wunsch, Handwerk, Kunst und Architektur zu leben, sie als Formen gesellschaftlicher Selbstbestimmung wieder ernst zu nehmen. Und unter all dem gleichmacherisch Schnelllebigen das Wesentliche herauszufinden. Das ist die große Herausforderung.


Eins der simpelsten Schlagworte für Bauhaus lautet: Reduktion! Purismus! Viele setzen das gleich mit kalt, streng, unemotional.


*Carolin Seufert*: Bauhaus ist für mich unbedingt – Freundlichkeit. Wer vor einem LUX-Haus steht, soll denken: Das möchte ich näher kennenlernen. Moderne Bauhaus-Architektur ist ja auch mehr als Kubus und harte Kante. Gut gemacht, ist sie ein Gewinn an sinnlichen Erlebnissen. Und das Versprechen, dass man sich auf besondere Art zu Hause fühlen kann in solchen Räumen: Freiheit und Geborgenheit, Aufgeräumtheit und Lässigkeit, Inszenierung und Selbstverwirklichung.


Christine Wolf: Alles Überflüssige wegzulassen, das war mir schon immer ein angenehmes und wichtiges Prinzip. Meine bevorzugte Arbeitsweise ist: Möglichst klare Schnitt- und Linienführung. Gern im Detail raffiniert, aber nicht übertrieben verspielt. Das betrifft neben der Form genauso die Wahl der Farben und noch mehr des Materials.


Die Konzentration auf möglichst wenige Farben und Materialien gehört gewissermaßen zum Bauhaus-Markenkern.


Carolin Seufert: Das Spannende und Reizvolle ist, dass es keineswegs langweilig, eintönig, einfältig wirkt, wenn man solche Grundvorgaben für eigene kreative Gestaltungsfreiheiten nutzt. Klarheit bedeutet nicht zwangsläufig kantig, weiß nicht automatisch kühl – unser „Frame“-Musterhaus in Köln-Frechen ist gewissermaßen der raumgewordene Beweis, wie warm und häuslich sich Bauhaus-Architektur heute anfühlen kann. Ein hochfloriger Teppich, eine Kuscheldecke neben der Wanne, eine Felltapete machen einfach Spaß. Mein Hauptkriterium für diese Auswahl: Sieht gut aus – und fühlt sich auch noch gut an.



Christine Wolf: Der Gedanke, Bauhaus-Ideen in Bereiche wie Mode zu übertragen, war ja auch der Grund für die Einladung, die mich und andere junge Modedesigner aus dem italienischen Textilmuseum in Prato erreichte. Natürlich kam das Grafische, Funktionale und auch das Puristische dieser Wettbewerbsausschreibung meiner Arbeitsweise sehr entgegen. Ich lasse mich gern von Architekten inspirieren. Beispielsweise von den organisch-futuristischen Brücken von Santiago Calatrava.


Mein Entwurf zum Thema „Bauhaus“ schaffte es bis in den Endausscheid. Ich wurde anschließend zum Workshop in die italienische Textilmetropole Prato eingeladen. Dort hatten wir eine ganze Woche lang Gelegenheit, Textilfirmen zu besichtigen und uns die passenden Stoffe für unsere Entwürfe auszusuchen – in meinem Fall die edlen und hochwertigen Gewebe von Faliero Sarti. Danach hatten wir einen Monat, um daraus unseren „Bauhaus“- Entwurf anzufertigen ... Ich freue mich immer noch sehr, dafür den 1. Preis bekommen zu haben.


Sie bevorzugen Naturmaterial.


Christine Wolf: Ich liebe natürliche Stoffe, ihren Charakter, ihre Haptik. Baumwolle. Leinen. Seide. Kaschmir. Schurwolle.


Welchen Anteil hat das Repräsentative, auf Außenwirkung Zielende?


Christine Wolf: Das ist individuell sehr verschieden. Der eine sucht Bestätigung, dem anderen geht es allein darum, sich selbst gut zu fühlen.


Carolin Seufert: Den meisten unserer Bauherren sind beide Aspekte wichtig – sowohl die Selbst- als auch die Fremdbestätigung. Genau genommen sind das zwei Seiten derselben Medaille: Anerkennung der eigenen (guten) Entscheidung.


Der Bauhaus-Anspruch gilt schon immer als etwas elitär, exklusiv, abgehoben.


Carolin Seufert: Ausdruck von Besonderem, von anspruchsvoller Lebensart trifft es besser. Den Bauhäuslern ging es ums Schöne und Gute als solches. Ausdrücklich nicht um Einzelanfertigungen für Reiche.


Christine Wolf: Wobei die Stückzahl immer ein Spagat bleibt – wo hört bei einer Kollektion das handwerklich gefertigte Einzelstück auf, wann beginnt die industrielle Serienfertigung?


Carolin Seufert: Das ist in der Architektur nicht anders – individuelle Unikate sind von besonderem Wert.



Wie stellen Sie sich die Wohnwelt von Leuten vor, die Ihre Sachen tragen, Frau Wolf?


Christine Wolf: Definitiv kein Sammelsurium vom Flohmarkt. Ansonsten viel Holz – für die Fußböden, für schnörkellose Möbel. Ausgesuchte Einzelstücke machen die Räumlichkeiten elegant, an der Wand hängt abstrakte Kunst. Könnte auch Fotokunst sein. Dieses Interieur vereint ganz unterschiedliche Stimmungen: die Durchlässigkeit von Glasfronten, die Wärme von Holz, die Kühle von Edelstahl, das Ordnende grafischer Details, die Vertrautheit der Natur vor der Tür ...


Carolin Seufert: Das hört sich nach jemandem an, der ein LUX-Haus bauen will ...


Auf den Punkt gebracht:


Was ist der beeindruckendste Raum, den Sie je betreten haben?

Christine Wolf: Die Moskauer U-Bahn, die unerwartete und opulente Architektur beeindruckt und überwältigt.


Carolin Seufert: Gerne betreten würde ich das Louvre Projekt in Abu-Dhabi, entworfen von Jean Nouvel, durch dessen Kuppel aus durchbrochenem Metall (einem aus Palmenplättern geflochtenen Hüttendach nachempfunden) sich ein Lichtregen über die Besucher ergießt.


Was ist für Sie die misslungenste Mode, der Sie begegnet sind?


Christine Wolf: Wenn Stil und Ästhetik zur Persönlichkeit passen, kann selbst die gruseligste Mode authentisch und gelungen sein.


Carolin Seufert: Keine Mode ist schlimm, solange sie stimmig ist. Schlimm ist mal ein Zuviel, mal auch das Zuwenig. Schlimm ist aber auch, wenn sich jemand keine Gedanken macht – „nicht nackt“ heißt noch lange nicht „gut angezogen“.


Ihr wichtigster Vorschlag, die Welt zu verbessern?


Christine Wolf: Vielleicht sollte jeder erstmal seine Talente dafür einsetzen, die Welt in seinem Bereich etwas schöner zu gestalten.


Carolin Seufert: Mehr Feinsinn, Lebensart und Herzenstakt – das sind doch die weltverbessernden Komponenten des Schönen.


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