Ärzte würden Haacke verschreiben

Bei Tag und Nacht eine Augenweide: die Musterhaus-„Stadtvilla“ in Kleinmachnow bei Berlin

Haacke-Häuser empfehlen sich nicht nur architektonisch, sondern auch wohnmedizinisch. Das 130-jährige Familienunternehmen aus Celle und Potsdam operiert in der Kompetenzspitze deutscher Hausanbieter als Energiepionier und „Anwalt“ für Wohnge­sundheit. Ein Interview mit Haacke-Geschäfts­führer Detlef Bühmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF)

Haacke zählt 130 Jahre. Nur wenige Unter­nehmen der Branche haben solches „Hinter­land“. Wie beurteilen Sie den Gesamt­wer­­d­egang – besonders die letzten zehn Jahre?

Detlef Bühmann: Das Unternehmen stammt aus Norddeutschland und ist von norddeutscher, vor allem ländlicher Bautradition ge­prägt. Haacke hat sich um die Themen Ener­­giesparen, Natur­ver­bun­denheit und Res­sour­censchonung aus Respekt vor der Schöpfung von Anfang an gekümmert. Dies waren stets Leitgedanken. Sie reichen zu den Wurzeln des Unter­nehmens 1879, als die Erfindung von Isolierstoffen für Dampf­er­zeuger und später für die Kühl­technik Grün­dungs­im­pulse wa­ren. In den vergangenen zwei Jahr­zehnten hat sich Haacke immer stärker deutschlandweit, darunter in die neuen Bun­­desländer und vermehrt auf das Bauen im städtischen Raum ausgerichtet. Heute sind wir bundesweit bekannt für energieeffizientes Bauen, wohngesunde Häuser und an­spruchsvolle Archi­tektur. Die Aus­zeichnung unserer „Stadtvilla“ mit dem „Gro­ßen Deut­schen Fertighauspreis 2005“, dem „Golden Cube“, ist ein Beleg dafür. Vor zehn Jahren haben wir zudem die Linie „Haacke natur“ ins Programm genommen ...


... und sich mit ihr einen Namen gemacht.

Detlef Bühmann: Ich glaube, das darf man sa­gen. Wir gelten geradezu als Spezialisten für Wohngesundheit. Wir waren diejenigen, die vor gut fünf Jahren erstmals Bauphysiker auf der einen sowie Umwelt-Hygieniker und Mediziner auf der anderen Seite zusammenbrachten. Das war völlig neu. Wir haben so dazu beigetragen, dass über den Tellerrand geblickt und im Dialog nach Mitteln und Wegen gesucht wird, Bauen und Wohnen ge­­sünder zu gestalten. Das bleibt un­ser An­lie­gen. Es trägt dazu bei, dass unter unseren Bauherren besonders viele Akademiker und überdurchschnittlich viele Mediziner sind. Ärzte würden sozusagen Haacke verschreiben, wenn es um das Le­bensmittel Luft im Haus, um Freiheit von Chemie, Schimmel­pilz- und Elektrosmog­ge­fahr geht und dar­um, solche Wohn­qualität neutral und unbestechlich zu prüfen.


Wir kennen nur wenige Hausanbieter, für die Bauen mit sozialer Kompetenz so im Vordergrund steht wie für Haacke. Besteht die Firmenspitze aus Weltverbesserern?

Detlef Bühmann: So weit muss man nicht ge­­hen, aber wir finden, dass ein Leitgedanke wie der Respekt vor der Schöpfung in der täglichen Arbeit seine Entsprechung haben sollte. Deswegen kümmern wir uns seit Jahr und Tag beispielsweise um kindgerechtes Bauen, um die Planung und Realisierung von Gebäuden für Behinderte und Senioren – in diesem Sinne um soziales Bauen.

Haacke hat sich einen Namen wiederholt auch mit mo­dernen Kindertagesstätten ge­macht. Hier sind ja besonders strenge ge­setzliche Vorgaben an Funktionalität und Wohnge­sundheit zu verwirklichen. Wir ha­ben uns mit hoher Qualität das Prädikat „Wohnme­dizinisch empfohlen“ erarbeitet und Archi­tektur als gebaute Päda­gogik um­gesetzt. Jüngstes Beispiel für unseren Ruf auch auf diesem Gebiet liegt, geografisch wei­ter weg von unseren Stamm­ländern Nie­dersachsen, Berlin und Branden­burg, in Ba­den-Württemberg: In Gaggenau im Schwarz­wald haben wir gerade den Zuschlag für eine architektonisch wie wohngesundheitlich be­sonders anspruchsvolle Kita mit 1.600 Qua­­drat­metern bekommen.


Gab es auch von Kundenseite her Impulse, sich mit dem Dreieck Bauen-Woh­nen-Ge­sund­heit zu befassen?

Detlef Bühmann: Unbedingt. Kunden, de­nen es nicht egal war, wie und womit ihr Haus gebaut wird, haben uns bestärkt. Wir waren eines der ersten Unternehmen, das den chemischen Holzschutz aus dem Haus verbannte, lange bevor das ein größeres The­­ma im Land war. Und wir haben frühzeitig für Al­lergiekranke gebaut.



Rechnet sich solches Engagement?

Detlef Bühmann: Solche Dinge rechnen sich nicht schnell in Euro. Doch das, was wir auf diesem Gebiet tun, unternehmen wir aus einer Grundüberzeugung heraus, und wir wol­­len uns ja qualitativ von Mit­bewerbern un­ter­­schei­den. Das Thema Wohn­gesundheit bietet dazu viele Möglichkeiten.


Fühlt sich Haacke in seiner Haltung nicht behindert von der Krise und der eingeschränkten Kaufkraft vieler Interes­senten? Ge­­sundheitsbewusst zu bauen heißt ja in al­ler Regel, etwas teurer zu bauen?

Detlef Bühmann: Es kostet nicht unbedingt Geld, Dinge richtig zu machen. Dinge falsch zu machen und zu korrigieren, ist viel teurer.


An welchem Platz sehen Sie Ihr Unter­neh­men heute?

Detlef Bühmann: Ich glaube, es ist keine Über­treibung, wenn ich Haacke als Inbegriff für Qualität und Wohngesundheit sowie als Ener­­giesparer mit 130 Jahren Firmenge­schichte bezeichne.


Aber warum nun ist ein Interessent gut be­­raten, gerade mit Haacke zu bauen? Die Firmengeschichte haben ja nur die we­nig­s­ten parat.

Detlef Bühmann: Nun, trotzdem aus den genannten Gründen. Aber natürlich auch wegen unserer Innovationskraft, wegen der sehr guten Architektur und wegen der gro­ßen Aufmerksamkeit, die wir unseren In­ter­essenten entgegenbringen. Wir hören genau hin, was unsere Kunden wünschen, und wir begleiten sie sachverständig auf dem Weg zur Verwirklichung. Das heißt, wir bekennen uns zu unserer stilbildenden Verantwortung. Wir wollen die Kun­den kompetent beraten und ihnen Alter­nativen zu ihren Wünschen zeigen, wenn wir der Überzeugung sind, da stößt sich ein Wunsch an Regeln guter Ar­chitektur. Als er­fahrenes Architekturbüro mit angeschlossener Werk­bank, wie man Haacke ja auch beschreiben könnte, setzen wir unsere Erfah­rung im Bauen ein. Wir verleugnen gegenüber Bauherren nicht unsere Kom­pe­tenz. Das klingt selbstverständlich, ist aber in der Branche keineswegs Allgemein­gut.


Bei einem Unternehmen wie Haacke, das in der Kompetenzspitze arbeitet, muss man ein Recht darauf haben, diese Vorreiterrolle in Sachen Energieeffizienz, Wohngesundheit und Nachhaltigkeit auch zu sehen. Wie sieht es um die Ästhetik der Ökologie und Energieeffizienz aus?

Detlef Bühmann: Natürlich braucht das Richtige eine schöne Form. Doch ich finde, man darf nicht übersehen, dass es in der Architektur einerseits sichtbare Werte gibt – die Gestaltung der Fassade oder der Innen­räume etwa oder, gelegentlich ein Rand­thema, die rechtzeitige Lichtplanung im Haus. Andererseits gibt es auch Dinge, die nicht auf den ersten Blick sichtbar werden, aber ebenso entscheidend für den Charakter eines Hauses sind.

Qualität, Ökologie und Architektur sind für mich dann nachhaltig, wenn sie werthaltig sind. „Nachhaltig“ verstehe ich vor allem als dauerhaft. Unser Jubiläumshaus beispielsweise haben wir vor 20 Jahren entwickelt – Bauherren wollen es heute immer noch so haben, weil sie es für zeitlos modern halten. Aber wir können das Jubiläumshaus heute in Pas­sivhaus-Qualität bauen, ohne dass es zu­lasten der Architektur geht.

Oder nehmen Sie unsere Musterhaus-„Stadt­villa“ in Kleinmachnow bei Berlin: Die ist Na­tur durch und durch. Doch man sieht es dem Haus auf den ersten Blick nicht an.

Es ist frei von allem Müsli-Mief, aber gesund wie Müsli. Das heißt, wenn Ökologie architektonisch gut umgesetzt wird, fällt sie im Grunde nicht auf. Es ist wie beim „Kleinen Prinzen“: Das Wesentliche bleibt unsichtbar. Man spürt es mit dem Herzen.



Auch bei den sichtbaren Werten gibt es sicher Entwicklungen, die Sie entweder für nachhaltig oder nicht dafür halten?

Detlef Bühmann: Gewiss. Pultdach­archi­tek­­tur etwa finde ich ästhetisch nicht nachhaltig. Ich glaube, sie wird sich nicht als werthaltig über Generationen erweisen. Haacke hat bisher auch nur eine Handvoll solcher Pult­dachhäuser gebaut, dann, wenn Bauher­ren unbedingt darauf bestanden.


Welches Echo erleben Sie eigentlich auf die Wirtschaftskrise in Ihrem Bereich?

Detlef Bühmann: Es zeigt sich wieder mal, dass Geld nicht alles ist – dass man nicht drin wohnen und dass es sehr vergänglich sein kann. Diese Entwicklung ist noch nicht am Ende, wenn wir uns die vielen Schulden des Staates und anderer anschauen. Aber ich spüre eine Trendwende bei unseren Inte­r­essenten. Sie deckt sich mit einer neuen Er­he­bung der Post­bank: Über zwei Drittel aller Menschen be­trachten danach die Immobilie als sicherste Wertanlage. Ich glaube, dass die Bauwil­ligkeit wieder zunehmen wird.


Wir sitzen zu diesem Interview im Muster­haus der neuen „Bauhausvilla“ in Groß Glie­nicke am Westrand Berlins. Worin widerspiegelt die Villa Bauhausdenken?

Detlef Bühmann: Die „Bauhausvilla“, die we­sentlich der Architekt Rüdiger Stauth aus Braunschweig mit seinem Team für Haacke entwickelt hat, ist dem Geist des Bauhauses verpflichtet, deswegen ihr Name. Gleichzei­tig fügt sie dem Haus eine Qualität hinzu, die dem Bauhaus fehlte: eine sinnliche Attrak­tivität. Bei Bauhaus gab es eine Überbetonung des Funktionalen zulasten von Ästhetik und Emotionalität – zu viel Wohn-Ma­schine, zu wenig Wohn-Haus.


Verdeutlichen Sie das mal an Beispielen der „Bauhausvilla“ hier!

Detlef Bühmann: Das grundsätzliche Heran­gehen liegt ganz in der Tradition des Bau­hauses. Das gilt auch für das Flachdach. Aber wir haben die Dach­scheibe, anders als beim Bauhaus oft üblich, bewusst mit großem Überstand gebaut. Wir wissen von Bau­her­ren, dass die meisten Men­schen einen Dach­überstand für ebenso funktional wie schön halten. Insofern haben wir dem Mini­ma­lis­mus des Bauhauses in diesem Punkt etwas von seiner Kälte genommen.

Was die Sym­metrie angeht, sind wir bei den Vätern des Bauhauses, haben sie mit dem Material­wechsel von Putz zu Holz in der Fas­sade aber gefälliger gemacht. Und um zum Flach­dach zurückzukommen: Wir erwägen, seine Stärke bei künftigen Villen vielleicht zu halbieren. Das dürfte den schwebenden Ein­druck und die Leichtigkeit noch verstärken.


Aber der Villen-Gedanke lässt Haacke nicht los?

Detlef Bühmann: Richtig. Wir versuchen, den Mythos der Villa auf- und ernst zu nehmen, also vor allem die Klasse gehobenen Bauens, großzügiger und stilvoller Räum­lich­keit zu bewahren.


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