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Eine Fassade in der Kombination von Holz und Putz, dazu ein in den Korpus integrierter dritter Giebel über beide...

Herr Donauer, Sie lehrten als Lehrer an der Fachschule für Farb- und Lacktechnik, arbeiten derzeit freischaffend in der Baugestaltung und haben gerade gemeinsam mit Heidrun Reusch das Buch „Fassadengestaltung mit Farbe“ veröffentlicht. Wenn Sie sich im Land so umsehen, sind Sie zufrieden mit den deutschen Wänden?
Georg Donauer: Es wird besser. Nicht nur im Städtebau. Auch die Besitzer von Eigenheimen nehmen zunehmend Abstand von standardisierter Architektur und greifen nicht mehr unisono zum Weiß. Selbst wenn es hier und da zu ästhetischen Ausrutschern kommt, die Wohngebiete werden bunter. Das finde ich ausgesprochen gut.
Was ist für Sie ein Ausrutscher?
Georg Donauer: Ich kann mit Farbe die Architektur eines Hauses verbessern, schlechte Architektur ist aber nicht mal durch Farbe zu retten. Allerdings: Mit Farbe lässt sich gute Architektur auch verhunzen. Ein Haus, das sich nicht in sein Umfeld einfügt oder ein konservatives Gebäude mit knallbunten Farben wird einfach keinen harmonischen Anblick bieten.
Wie sieht eine gelungene Fassade aus?
Georg Donauer: Darauf gibt es leider keine ultimative Antwort. Im Idealfall sollten Baukörper, Material, Form und Farbe als Einheit auftreten und mit der Umgebung korrespondieren. Denn es geht bei der Fassadengestaltung nicht nur um den Ausdruck der persönlichen Individualität: Jeder Hausbesitzer hat Verantwortung für ein harmonisches Gesamtmosaik namens Stadt- oder Ortsbild. Das wird gern vergessen.
Stellen Sie sich vor, sie müssten die Fassade eines Einfamilienhauses farblich gestalten. Was würden Sie als Erstes tun?
Georg Donauer: Altbau oder Neubau? Bei einem Altbau würde ich erst einmal ermitteln, aus welcher Zeit er stammt, um Aufschluss über die ursprüngliche Farbe zu erhalten – und damit vielleicht einen guten Anhaltspunkt für die neue Farbigkeit. Bei denkmalgeschützten Häusern reden die Bauämter bei der Fassade mit. Das Denkmalamt bevorzugt in der Regel die Farbe der ersten Schicht als Neuanstrich.
Gewähren Sie uns einen Rückblick in die Farbigkeit der jüngeren Vergangenheit?
Georg Donauer: Gehen wir zurück zur Klassischen Moderne, die ja unsere Architektur bis heute prägt. Ornamente wie in der Gründerzeit oder dem Jugendstil galten den Nachfolgern als Zeichen schlechten Geschmacks. Es wurden verschiedene Ansätze für die Farbgebung entwickelt: Erstens die „Weiße Moderne“. Die Gebäude sind hier durch weiße Fassadenflächen geprägt. Zweitens: das farbige Bauen wie es von Bruno Taut propagiert wurde. Seine Fassaden lebten vom großflächigen Blau, Rot, Gelb oder Grün. Er formulierte es so: „Da alles Farbe hat, so muss auch alles, was Menschen tun, farbig gestaltet sein.“ Bei einem dritten Ansatz beließ man Materialien wie Holz oder Stein in ihrer natürlichen Farbigkeit.
Anders Le Corbusier: Er stellte seine eigene, 20 Töne umfassende Farbpalette her. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 50er-und 60er-Jahren, sehnte man sich nach frischen, fröhlichen Farben als Zeichen des Neubeginns. Pastelltöne wie Lindgrün, Hellblau und Rosé waren damals in Mode. In den 70er-Jahren begann dann die Betonära. Das ewige Grau wurde mit intensiven Farbtupfern in Dunkelbraun, Orange und Giftgrün aufgelockert.
Wer heute ein neues Haus baut oder bei der Sanierung nicht auf die ursprüngliche Farbe zurückgreifen will, dem fehlen orientierende Vorgaben, eine dominierende Stilrichtung Alles scheint möglich.
Georg Donauer: Das Farbspektrum ist tatsächlich enorm groß. Mithilfe von Farbsystemen wie RAL kann sich jeder das anmischen lassen, was ihm gefällt. Jeder Ton ist einer Nummer zugeordnet, sodass sich auch nach Jahren der gleiche Farbton wieder herstellen lässt. Übrigens sind die Farbsysteme einer der Gründe, warum viele Leute mehr Mut zur Farbe zeigen. Früher hieß es oft, ich streiche lieber weiß. Bei Fassadenreparaturen habe ich dann keine Mühe, den richtigen Farbton zu treffen. Das ist heute kein Thema mehr.
Wie finde ich in der unerschöpflichen RAL-Vielfalt den genau richtigen Ton für mein Objekt?
Georg Donauer: Neben den eigenen Farbvorlieben, gibt die Lage des Hauses nützliche Anhaltspunkte. Ein einfaches Beispiel: Ein grünes Haus in einem üppig grünen Garten würde optisch verschwinden.
Bei der Wahl der Farbe sollte man auch den Verlauf der Sonne beachten, denn durch das Licht verändert sich die Wirkung. Bei Sonnenaufgang und -untergang werden zum Beispiel die Lichtstrahlen von Rot, Orange und Gelb leuchtend reflektiert, was ein sehr schöner Effekt sein kann. Südfassaden in gebrochenem Hellblau wirken dagegen kühl. Ein mittelgrün gestrichenes Haus mutet in der Abendsonne olivgrün an. Wer Überraschungen vermeiden will, sollte unbedingt den Malermeister vor Ort um Rat fragen.
Ein zweiter wesentlicher Gesichtspunkt ist der Kontext, in dem das Haus steht. Man sollte sich also in der Nachbarschaft umschauen, welcher Farbton sich gut einfügen würde. Ein gelungenes Beispiel für das farbliche Zusammenspiel verschiedener Häuser ist die Siedlung „Am Horn“ in Weimar. Weil alle Gebäude sich als kubische Skulpturen in Szene setzen dürfen, verwendete man nicht ausschließlich Weiß und Grau, sondern auch Farbtöne wie Schwarz, Blau, Ocker, Gelb, Rosa und Beige. Wer es sich zutraut, sollte eigene Farbskizzen anfertigen oder ein Computerprogramm nutzen, um sich über die Farbkomposition Klarheit zu verschaffen.
Auch wer Buntheit tunlichst vermeiden will, muss sich nicht mit nur einer Fassdenfarbe begnügen, oder?
Georg Donauer: Eine einfarbige Fassade wirkt statisch. Sie betont die Gesamtform des Gebäudes. Licht und Schatten beleben die Oberfläche und machen sie plastisch. Mehrfarbige Fassaden fallen dagegen als dekorativ und lebendig ins Auge.
Welche Teile der Fassade sollten akzentuiert werden?
Georg Donauer: Das ist immer wieder die Gretchenfrage. Farbe kann die Struktur eines Gebäudes unterstützen. Fenster, Türen, Erker, Balkone, Vor- und Rücksprünge lassen sich farblich von der übrigen Fassade abheben, indem Hell-Dunkel- oder Warm-Kalt-Kontraste gesetzt werden – gesättigte Farben treten gegenüber ungesättigten hervor. Man kann aber auch genauso andersherum verfahren. Wer bestimmte Elemente betonen will, muss in jedem Fall andere zurückhaltender gestalten, gewissermaßen eine Rangordnung schaffen. Sonst ist das Ergebnis ein buntes Haus, und das sieht alles andere als gut aus.
Farbe kann auch konstruktiv eingesetzt werden, zum Beispiel um die Energiebilanz zu verbessern. Südfassaden in hellen Tönen reflektieren das Licht, sodass sich das Haus weniger aufheizt. Die Nordost-Fassade profitiert von dunkleren Farben, die Wärme speichern helfen.
Wenn Sie Bauherren noch einen Rat geben würden
Georg Donauer: Sie sollten prüfen, ob die augenblickliche Farbidee von der Mode beeinflusst wird – oder den Zeiten standhält. Denn eine Farbe, die heute gut gefällt, könnte das Gebäude morgen zu einem ungeliebten Schandfleck machen. Das wäre schade.