Zimmerpflanzen: Wer hat das Grün ins Zimmer geholt?

Die Geschichte der Zimmerpflanzen - Kunsthistorikerin Dr. Stephanie Hauschild und ihr Buch „Oasen für die Sinne – Wie der Garten ins Wohnzimmer kam"

Das Thema Zimmerpflanzen war für Historiker lange keines. Das änderte sich mit der Kunsthistorikerin Dr. Stephanie Hauschild und ihrem Buch „Oasen für die Sinne – Wie der Garten ins Wohnzimmer kam". Es wurde übrigens mit dem „Deutschen Gartenbuchpreis“ ausgezeichnet.

Frau Dr. Hauschild, woher rührt denn Ihre Leidenschaft für Pflanzen?


Stephanie Hauschild: Ein Schwerpunkt meines Studiums waren Naturdarstellungen, vor allem mittelalterliche Tier- und Pflanzenbilder. Als ich dann später in einem Museum arbeitete, ist ein Verlag an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich ein Buch über die Gärten des Albertus Magnus schreiben möchte. So habe ich mich mit der Zeit immer intensiver in das Thema eingearbeitet.


Mit dem Buch „Oasen für die Sinne“ haben Sie den Blick auf eine von Historikern bis dahin vernachlässigte Pflanzenspezies gerichtet.


Stephanie Hauschild: Ja tatsächlich, Kunst- und Gartenhistoriker beschäftigten sich bis dahin eher mit großen und prächtigen Garten- und Parkanlagen. Genau das war aber der Grund, warum mir die Arbeit an dem Zimmerpflanzenbuch so viel Freude gemacht hat. Das Thema unter der Fragestellung, wie und wann die ersten Pflanzen in unsere Wohnungen kamen, wurde vorher kaum erforscht. Ich hatte das Gefühl – ähnlich wie die Entdecker und Pflanzenjäger des 18. und 19. Jahrhunderts –, echtes Neuland zu betreten.


Können Sie die Geschichte der Zimmerpflanzen in ein paar Sätzen erzählen?


Stephanie Hauschild: Wann man das erste Mal auf die Idee gekommen ist, Pflanzen in Gefäße zu setzen, ist nicht bekannt. Pflanzen im Topf sind aber schon sehr lange Begleiter des Menschen, wie es Überlieferungen aus der Zeit der alten Ägypter und Griechen belegen. Im Mittelalter holten sich die Leute meist einheimische Gewächse ins Haus. Ihr Blütenduft sollte üble Gerüche überdecken. Im 16. Jahrhundert wurde das Sammeln von exotischen Gewächsen ein Hobby, das sich vor allem der Adel leisten konnte. Durch die fortschreitende Kolonialisierung Afrikas und vermehrte Expeditionen in den Pazifik kamen im 18. Jahrhundert dann immer mehr neue Pflanzen zu uns. Da sich die Wohnbedingungen mittlerweile deutlich verbessert hatten – es gab beispielsweise erste Heizungen –, wurden diese Exoten nun auch in den Wohnräumen des europäischen Bürgertums heimisch.


Welche Bedeutung haben Pflanzen in Räumen heute für uns?


Stephanie Hauschild: Mittlerweile ist es wesentlich einfacher, sich geeignete Zimmerpflanzen zu besorgen und ihnen optimale Lebensbedingungen zu geben. Natürlich kann man sich auch heute noch Pflanzen von Reisen mitbringen. Das hat übrigens auch schon Johann Wolfgang von Goethe getan. Seine Königin der Nacht oder seine Grünlilie standen jedoch vor allem zu Forschungszwecken bei ihm auf der Fensterbank. Heute platzieren die Menschen Pflanzen zumeist aus ästhetischen Gründen in ihren Wohnungen. Dabei ist die Pflanzenauswahl immer wieder wechselnden Moden unterworfen.


Pflanzen sind auch für Sie mehr als ein Wohn-Accessoire?


Stephanie Hauschild: Wenn Menschen Pflanzen nur als Deko-Objekte betrachten und entsprechend behandeln, finde ich das schade. Dann werden die Bedürfnisse der Pflanze oft nicht gesehen. Pflanzen sind doch lebende Wesen, die einen Anspruch auf Pflege haben. Ich bin jemand, der sogar versucht, Weihnachtssterne über die Saison hinaus zu erhalten. Eigentlich ist das gar nicht so schwer. Sie treiben nach der Ruhephase im Frühjahr neu aus, wachsen weiter und entfalten im Winter wieder ihre volle Pracht. Wie groß ein Weihnachtsstern tatsächlich werden kann, habe ich auch auf Madeira gesehen. Dort gibt es baumgroße Exemplare.


Stephanie Hauschild - "Oasen für die Sinne - Wie der Garten ins Wohnzimmer kam"


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