Geschmack macht Sinn: Das Geheimnis der gesunden Ernährung
Ein zartschmelzendes Eis, der noch warme Kuchen oder die krosse Weihnachtsgans. Schon beim bloßen Anblick wissen...

Spricht man heute vom Apfel, sieht man vor seinem geistigen Auge eine leckere gelb-rote Frucht mit gutem Geschmack, köstlichem Aroma, und das Wasser läuft einem im Mund zusammen. Der Apfel ist die am meisten geschätzte Obstart der gemäßigten Klimazone, er ist nach den verschiedenen Zitrusarten, nach Wein und Banane die viertbedeutendste Fruchtart der Erde. Diese Angabe bezieht sich aber nur auf den Kulturapfel, lateinisch Malus x domestica ...
Zusammen mit anderen wesentlichen Fruchtarten der gemäßigten Zone zählt der Apfel zur Familie der Rosengewächse. Die Gattung Apfel (lateinisch Malus) umfasst 30 Wildarten, die natürlich vorkommend in Europa, Asien und Nordamerika zu finden sind. Sowohl die Form und Größe dieser Äpfel, die extrem variiert und als solche von Laien kaum noch als Apfel erkannt würde, als auch die Wuchsform widerspiegeln die Vielfalt der Gattung Malus. Hinzukommt die Vielfalt der Blüten hinsichtlich der Anzahl, Zahnung und Färbung der Blütenblätter – insbesondere bei sogenannten Rotmutanten eine Augenweide.
Diese Vielzahl von Eigenschaften führte zwangsläufig dazu, den Apfel nicht nur als Obst zu nutzen, sondern den Baum als Zierapfel im Garten anzupflanzen. Bäume mit wohlklingenden Namen wie Malus ‘Eleyi‘, Malus ‘Royalty‘, Malus ‘Liset‘ oder Malus ‘Van Eseltine‘ gibt es heute in Baumschulen zu kaufen, aber nur wenige wissen, dass dies Auslesen sind, die ihren Ursprung in den Wäldern Asiens/Südostasiens haben. In diesem Genzentrum des Apfels lag in der Kreidezeit vor 70 Millionen Jahren der Beginn der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Gattung Malus.
In Europa ist der Holzapfel Malus sylvestris ‘(L.) MILLER‘ die einzige wild vorkommende Apfel art. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über nahezu ganz West- und Zentraleuropa. Der Wildapfel ist ein sommergrünes baum- oder strauchförmiges Gehölz, das maximal 15 Meter hoch wird, eine reich verzweigte Krone entwickeln und mehrere Jahrhunderte überdauern kann. Der Europäische Wildapfel ist in Auwäldern, lichten Laub- und Kiefernwäldern, Felddickichten, Gebüschen und Waldrändern von der Ebene bis in die montanen Stufen angesiedelt – potenziell natürliche Standorte, die durch menschlichen Einfluss leider in großem Maßstab verloren gegangen sind. Gefährdet ist der Wildapfel auch aufgrund der Hybridisierung, sein Erbgut vermischt sich leicht mit demjenigen des Kulturapfels.
Besonders leicht ist im Wald der Holzapfel im Frühjahr zur Blüte auszumachen und im Herbst, wenn er gelbgrüne kleine, rundliche Äpfel trägt.
Die Grüne Liga Osterzgebirge e. V. hat sich des Holzapfels angenommen und bearbeitet ein Vorhaben zur Erhaltung von Malus sylvestris unter In-situ-Bedingungen im Osterzgebirge mit wissenschaftlicher Anleitung unseres Institutes. Ziel des Projektes ist es, den Baumbestand im Untersuchungsgebiet zu erfassen und Erhaltungsmaßnahmen im Forst durchzuführen, Nutzungsmöglichkeiten zu zeigen und das Thema „Holzapfel“ der Bevölkerung nahezubringen. Hier im Web unter: http://www.wildapfel.info/. Der Holzapfel zeichnet sich im Vergleich zum Kulturapfel durch geringere Fruchtgröße bis maximal 35 Millimeter, fehlende oder geringe Behaarung der Blätter und Blütenteile sowie den herben Geschmack aus.
Gegen Krankheiten
Das Osterzgebirge stellt aufgrund der späten Besiedlung und der klimatischen Bedingungen für Malus sylvestris ein bedeutendes Rückzugsgebiet dar. Unter Alteingesessenen gilt die Region auch als „Holzäppelgebirge“ („Huldsabbelgebirsche“ im sächsischen Dialekt). Der Holzapfel ist seit jeher identitätsstiftend für die Region. Dies wird darin deutlich, dass sich besonders ältere Menschen gut an die Zubereitung von Wildapfeltee als Heilmittel gegen Darmkrankheiten oder zur Fiebersenkung erinnern können. Für die Nutzung des Wildapfels wurden verschiedene Interessenten in der Region gefunden, eine Spezialitätenbrennerei, die einen Wildapfelbrand herstellt, eine Konditorei, die Wildapfeleis in der warmen Jahreszeit anbietet, oder ein kleiner Privatbetrieb, der sich einen hervorragend schmeckenden Gelee aus Wildapfel ausgedacht hat. Im Zeitraum des Projektes können die genannten Möglichkeiten nur getestet werden, stellen jedoch künftig ein Potenzial für regionale Produkte dar.
Reich an Vitamin C
Einfach und empfehlenswert ist die Herstellung von Wildapfeltee aus getrockneten Früchten, das kann jeder Naturliebhaber probieren. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Vitamin C-Gehalt bis zu 10 Milligramm pro 100 Milliliter Tee beträgt. Zwei Tassen würden 30 Prozent des Tagesbedarfes an Vitamin C decken. Zwei Rezepte empfehle ich: Für die schnelle Methode werden 20 Gramm Tee in einer Kanne mit 1 Liter kochendem Wasser übergossen. 10 Minuten ziehen lassen.
Für die zweite Methode, besonders bei Erkältungskrankheiten, sollten 15 Gramm getrocknete Fruchtscheiben mit 1 Liter kaltem Wasser übergossen und über Nacht stehen gelassen werden. Der Sud mit den eingeweichten Holzäppelscheiben wird am Folgetag zum Kochen gebracht, 10 Minuten ziehen gelassen und abgeseiht.
Für Gärtner wurden Samen aus gezielten oder kontrollierten Kreuzungen erzeugt und der Baumschule Meile in Reinholdshain (Osterzgebirge) übergeben. Sie stehen als kleine Bäume für Liebhaber naturnaher Gärten bereit. Und können als Brutstätte für viele Vogelarten, Tagquartier für nachtaktive Fledermäuse, Bienenweide oder Nahrungsquelle für zahlreiche Kleintierarten dienen.