Wie Profis kleine Gärten planen

Fotos: Gärtner von Eden

Steigende Quadratmeterpreise und der Trend zu großstadtnahem Wohnen lassen für Gärten nur wenig Platz. Wie lässt man einen Minigarten trotzdem großzügig erscheinen?

Auf die Frage, wie man das menschliche Auge austricksen kann, sagt Markus Högl: „Es geht darum, den Blick entsprechend zu lenken und vielleicht sogar optische Täuschungen einzuplanen.“ Mit seinem Gartenbaubetrieb Högl & Mandlmeyer in Landshut hat sich der Gärtner auf die Planung, Anlage und Pflege anspruchsvoller Privatgärten spezialisiert. „Einheitliche Flächen bringen – anders als man vielleicht denkt – nicht den gewünschten Größeneffekt. Es kommt vielmehr darauf an, den Garten klug aufzuteilen und so für kleine Überraschungen zu sorgen.“ Um die unterschiedlichen Räume gegeneinander abzugrenzen, kann man bewachsene Flechtzäune, Rankgitter oder auch kleine Hecken aus Eibe, Scheinhasel, Buchs oder Hainbuche einsetzen. Sträucher und Ziergräser, aber auch kleine Mauern, Stahl- oder Plexiglaselemente können ebenfalls optische Barrieren bilden und sorgen dafür, dass der Blick auf Entdeckungstour gehen kann.

Auch durchdacht angelegte Wege sind hilfreich. Dabei kommt es ganz wesentlich auf die Form des Grundstücks an. Ist es eher lang und schmal, empfehlen Landschaftsgärtner einen Weg, der in sanften Bögen den Garten erschließt. Bei eher breiten Grundstücken sind dagegen diagonal verlaufende Wege sinnvoll. In beiden Fällen entsteht für den Betrachter der Eindruck zusätzlicher Tiefe – und damit der erwünschte Effekt.

Es gibt aber auch noch andere Regeln. Einige davon hat der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) zusammengetragen. Er empfiehlt zum Beispiel, im hinteren Gartenteil eher dunkle, kräftigere Pflanzen, im vorderen Teil eher helle Blumen einzuplanen. Gesetzmäßigkeiten, wie man sie auch aus der Perspektivenlehre der Malerei kennt. Doch Vorsicht! Grundsätzlich, so betont Markus Högl, besteht aber die Gefahr, dass ein kleiner Garten schnell überladen wirkt. Man sollte also darauf achten, dass er nicht zu dicht bepflanzt wird. Wer dazu eine Ton-in-Ton-Pflanzung wählt, schafft zusätzliche Ruhe und einen edlen Effekt.

Wer sich für nur wenige Pflanzen entscheiden muss, sollte darauf achten, dass sie gleich mehrere Zieraspekte bieten: eine schöne Blüte im Frühjahr, attraktive Früchte im Sommer und eine dekorative Herbstfärbung. Gut geeignet sind da Felsenbirne oder Blumen-Hartriegel. Markus Högl rät beim Thema Baumbestand zu kleinkronigen, langsam wachsenden Gehölzen und nennt unter anderem Zierkirschen, den Zimt-Ahorn oder auch die Himalaya-Birke. Außerdem eignen sich natürlich Spaliere und Rankpflanzen wie zum Beispiel Efeu. August Forster, der BGL-Präsident, empfiehlt in dem Zusammenhang auch die Kornelkirsche oder den Zierapfel.


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Lesen Sie den ausführlichen Bericht ab Seite 128 in der Ausgabe September/Oktober 2015 mein schönes zuhause°°°


Michael Schweer-de Bailly

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