Wenn Frauen lieben

Loki Schmidt haben die vielen Reisen mit ihrem Mann Helmut Schmidt ins Bewusst­sein gerückt, dass es auch eine Umkehrung in der Liebe zu Gärten gibt: Behüterin der Natur zu sein, statt nur Zu­flucht bei ihr zu suchen.

Reden Frauen über ihre Gärten, finden sie Worte, die einer Liebeserklärung gleichen. Ihr Garten ist Ort des Genusses und der Schönheit, in dem sie die Natur mit einer Nähe erleben, die ihnen er­klärt, dass das Leben Rhythmus ist und nur ganz wenige Dinge für die Ewigkeit sind.

Laut einer Umfrage sind 35 Prozent der deutschen Frauen dem Grün verfallen. Mit ihrer Sucht befinden sie sich allerdings in prominenter Gesellschaft: Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek schwärmt von den Schwielen an den Händen, die ihr das Schleppen tausender Steine für eine Stütz­mauer beschert haben. Loki Schmidt, Ehefrau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, zerrte gerne effektiv am Damen­programm während der Staatsbe­su­che he­rum, um dann wenigstens den Bo­ta­nischen Garten vor Ort besuchen zu können.


Die „Bunte“-Journalistin Eva Kohlrusch durfte in die privaten Gärten von 23 außergewöhnlichen Frauen schauen. Was die Kol­um­nistin fand, war mehr als nur die reine Lust am Grün. Es waren Geschichten vom Lebens­glück, das Frauen wie Patricia Riekel in ihren Refugien fanden: Zu Beginn hatte ihr Garten den Charme einer Demarka­tionslinie. Die Thu­jahecke markierte Anfang und Ende des Besitzes, Buchs­einfassung an der Terrasse, ein paar hilflose Sommerblüher, mehr nicht. Doch eben dies beflügelte die Chefre­dak­teu­rin: Sie wollte sich genau hier inmitten der Stadt eine Umge­bung schaffen, deren Rand nicht wie eine Begrenzung, sondern wie der imaginäre Zugang zu einer geheimen Welt wirkt.


Heute geht man wie durch eine geheime Tür durch eine Mauer von Efeu und Wildem Wein, die sich von außen wie ein Mantel um blühenden Flieder, Schneeball, Jasmin und Forsythien legen. Heute ist ihr Garten genau der, den sie sich als Kind gewünscht hat: ein Ort mit einer anderen Wirklichkeit, als du erwartet hast. Ihr geheiligter Ort. Patricia Rie­kel: „Ich sehe die Bäume, das Blau von Lavendel und Hortensie, die Stimmung der Wolken. Und obwohl ich kein spiritueller Mensch bin, sondern eher schrecklich klar und verstandesbetont, versetzt mich der Garten ins Träumen. Zeit für Gefühle, zu denen auch eine tiefe Melancholie gehört. Manchmal frage ich mich, was sein wird, wenn ich einmal nicht mehr hier leben kann. Wer wird dann den Garten fortsetzen, diesen Traum, der meiner war?


Eva Kohlrusch – Besondere Frauen und ihre Gärten


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